Es gab immer schon Pianisten, die Bach auf dem Flügel spielten. Immer schon habe ich den Flügel dem Cembalo vorgezogen. Ohne irgendeine Grundsatzfrage daraus zu machen, sagt es mir mehr zu, die Farben, die ein Flügel erzeugen kann der relativen Monotonie eines Cembalos vorzuziehen, auch wenn das "Barocke" als Gefühl dabei in den Hintergrund tritt.
Die Wahrnehmung der Bach'schen Musik für ein Tasteninstrument ist , sicher nicht nur bei mir,wesentlich durch die Interpretationen von Glenn Gould geprägt worden.Auch dann, wenn ich seine Interpretationen, ausser den Goldbergvariationen, gar nicht für den Maßstab eines Bach-Spiels halte und eine Argerich, einen Pogorelich, eines Pires vorziehe.
Dennoch, der Eindruck, das Gerüst ist der Rhythmus, hat sich fest eingegraben.
Höre ich Alfred Brendel, höre ich viel Klang. Diese Aufnahme wird sehr gelobt, zum Beispiel."Eine gut überlegte Zusammenstellung von Bachwerken. Alfred Brendel spielt auf bestem Niveau mit schönen Einfällen, die er sehr gut umzusetzen versteht; z.B. die Orgelhaften Oktavierungen in der Fantasie und Fuge BWV 904, die original nicht im Text stehen, aber auf Brendels Art hervorragend passen. Überaus empfehlenswert..."
Die Behauptung, Brendel könne alles spielen, egal ob Bach oder Mozart oder Schubert, stimmt von der technischen Seite natürlich uneingeschränkt.
Sein Bach überzeugt mich allerdings nicht. Er ist mir zu sehr weichgezeichnet. Ganz vom Anschlag her produziert Brendel schöne Töne.
Pedal ist auch deutlich dabei. Das kommt bei Gould ja auch höchst sparsam vor.
Damit geht für mich ein Teil des Gerüstes verloren.
Brendel hat wenig Bach eingespielt und ich denke, seine Begabungen lagen auf anderem Gebiet.
Ich würde diese Interpretation nicht heranziehen, wenn ich mich an diesen Stücken erfreuen will.