Rezension
Zwei Arten, eine Einspielung zu kategorisieren, machen es einem Rezensenten besonders leicht: der Verriss und das uneingeschränkte Lob. Verrisse tun weh, manchmal auch denen, die sie schreiben. Es ist daher mitunter eine Labsal, eine rundherum gelungene Aufnahme ruhigen Gewissens empfehlen zu können. Eine Produktion, bei der Booklet- und CD-Hüllengestaltung mit den Einspielungen zu einem audiophilen Gesamtkunstwerk verschmelzen, ist diese schmucke Veröffentlichung aus dem Chemnitzer Hause auris subtilis mit italienischer und deutscher Weihnachtsmusik. Das gerade mal fünf Jahre alte Chemnitzer Barockorchester hat darauf zusammen mit der Dresdner Sopranistin Jana Büchner ein fein abgestimmtes Programm barocker Weihnachts- und Quasi-Weihnachtskonzerte von Telemann, Corelli und Alessandro Scarlatti mit deutschen Barockchorälen zur Weihnachtszeit verknüpft. Eine musikhistorisch schlüssige Konzeption, die sich bei dem Ensemble rund um den Oboisten Ekkehard Hering langjähriges Mitglied der Akademie für Alte Musik Berlin in auf den Punkt gebrachte Interpretationen niederschlägt. Telemanns Concerto B-Dur, Corellis berühmtes Concerto grosso g-Moll op. 6 Nr. 8 (Weihnachtskonzert) und Alessandro Scarlattis Quartetto F-Dur bilden den rein instrumentalen Rahmen dieser Ausnahme-Weihnachtsplatte. Hier bricht sich immer wieder die so nachhaltig musikantische sächsische Spielfreude in energiegeladenen Phrasierungen, durchdachten Tempi und dynamischer Feinabstimmung Bahn. Historische bzw. nachgebaute Instrumente werden nicht mit dem inzwischen schon beinahe wieder antiquiert wirkenden Selbstverständnis eines starren, geradlinigen Tons und kränkelnder Pneumatik eingesetzt, sondern mit sattem, dennoch transparentem Klang und volumenreicher Kontur. Wenn Musik mit dem Raum eins wird, zu schwingen beginnt, dann ist die ideale Interpretation geschaffen. Nichts anderes geschieht in diesen herrlich plastisch aufgezeichneten Einspielungen des Chemnitzer Barockorchesters. Es sind dies Aufnahmen, die durch Jana Büchners Gesangsbeiträge noch geadelt werden. Die Mozartpreisträgerin und im Opernfach Versierte besitzt eine heute kaum noch zu hörende Sopranstimme, die in ihrer markigen Klarheit und profilierter Timbrierung das nötige Charisma für das hier zu hörende Repertoire mitbringt. Man höre, nein, man lausche nur Scarlattis gesanglich anspruchsvolle 'Cantate pastorale per la nascità di Nostri Signore', wie klangschön Büchner ihr Timbre modifiziert. Oder die deutschen Choräle 'O Jesulein süß', Johann Crügers 'Fröhlich soll mein Herze springen' und Bachs 'Ich steh an deiner Krippen hier'. Klarer an der Gesangslinie orientiert und noch symbiotischer eine Einheit mit dem Orchester bildend wird man dieses Repertoire nicht hören. Sehr empfehlenswert. Kritik von Erik Daumann, 26.12.2008 (Klassik.Com)
Kurzbeschreibung
Das Chemnitzer Barockorchester wurde im Advent 2003 mit einem Konzert in der Chemnitzer Schloßkirche gegründet. Die Mitglieder der Robert-Schumann-Philharmonie und freischaffende Instrumentalisten der Region verbindet die Freude an der Musik des 18. Jahrhunderts und am Spiel auf historischen Instrumenten (bzw. Nachbauten dieser Zeit). Spiritus rector des Ensembles ist der Oboist Ekkehard Hering, langjähriges Mitglied der »Akademie für Alte Musik« Berlin. Bei ihm laufen die organisatorischen Fäden zusammen und werden künstlerische Ideen gebündelt. Programmschwerpunkte sind Kompositionen im Umfeld von Bach, Händel, Telemann, Vivaldi u. a., aber auch Werke der Klassik. Konzerte und Rundfunkaufnahmen u. a. in Chemnitz zum Sächsischen Mozartfest, beim Leipziger Bachfest, in der Frauenkirche Dresden, in der Chemnitzer Oper und innerhalb der Schubertiade Schwarzenberg (Österreich) führte das Ensemble mit herausragenden Künstlern wie der Geigerin Midori Seiler, der SopranistinYeree Suh, den Cembalisten Raphael Alpermann und Christine Schornsheim sowie Peter Schreier als Dirigenten zusammen. Jana Büchner, in Dresden geboren, studierte bei Frau Prof. Ilse Hahn in ihrer Heimatstadt Gesang und erhielt Unterricht bei Elisabeth Schwarzkopf und Christiane Hossfeld. Gastengagements führten die lyrische Koloratursopranistin u.a. an die Hamburger Staatsoper, die Staatsoper Dresden, die Deutsche Oper Berlin und das Staatstheater am Gärtnerplatz in München. Zu ihren wichtigsten Opernpartien zählen Pamina (Zauberflöte), Susanna (Figaro), Ilia (Idomeneo), Blonde (Entführung aus dem Serail), Musetta (La Boheme), Gilda (Rigoletto), Ännchen (Freischütz), Olympia (Hoffmanns Erzählungen), Fee (Cendrillon), Oscar (Un Ballo in Maschera), Sophie (Rosenkavalier), Zdenka (Arabella) und Zerbinetta (Ariadne auf Naxos). Die Mozartpreisträgerin (Sächsische Mozart-Gesellschaft e.V., 2002) arbeitete in den vergangenen Jahren mit den Dirigenten Ingo Metzmacher, Oleg Caetani, Niksa Bareza, Mario Venzago, Fabrice Bollon, Siegfried Kurz, Wolfgang Rennert und Ludwig Güttler sowie mit den Regisseuren Brigitte Fassbaender, Arila Siegert und Nicolaus Lehnhoff zusammen.