Eine Frau reist nach Venedig und obwohl sie beschlossen hat, es nicht zu mögen, verliebt sie sich in die Stadt und in einen Italiener, pardon, Venezianer. Was dann weiter erzählt wird, meint der Eine oder Andere sich an den Fingern abzählen zu können. Das Übliche eben, lustige Anekdoten, lustige Italiener, schöne Erlebnisse und viel Pasta und Pizza, am besten mit ganz viel Tomaten.
Wer aber mit Petra Reski nach Venedig reist, wird schnell feststellen, alles Vorhergesehene, all das Typische von Pizza, Pasta und Amore, bleibt aus. Stattdessen tritt ein Italiener an ihre Seite, den man als ein wenig schrullig bezeichnen kann, schon alleine wegen seiner Abneigung zu Tomaten, Espresso und Städten, die nicht am Wasser liegen.
Petra wartet auf den Italiener, der sich auf einer Hausversammlung mit seinen Nachbarn rumärgern muss. Ihr Blick schweift über den Markusplatz und sie lässt sich völlig von seinem pulsierendem Treiben leiten, schwelgt in Erinnerungen und bringt den Leser auf eine Reise. Sie beginnt in Italien, führt in die DDR, nach Hamburg und sogar China. Sie zeigt ein Portrait einer Stadt, beleuchtet sie neu und aus einem Touristenparadies wird etwas ganz zauberhaftes.
Zusammen mit Petra und ihrem Italiener lernen wir etwas über die venezianische Küche, wie man Wohnungen renoviert und sich Quittungen auf einem Postamt erkämpft. Wir lernen Menschen kennen, die nicht der typischen Postkartenidylle entspringen.
Es ist kein dickes Buch, das braucht es auch nicht. Petra Reski schafft es ganz nebenbei ihre Geschichte und ihren Italiener zu beschreiben, die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und vom Magazin Stern genauso zu erzählen, wie von dem Uhrenmann aus dem Glockenturm.
Es ist eine feine Ansammlung an Anekdoten und eine Sammlung von besonderen Menschen. Dabei ist die Art und Weise in der sie das Buch schreibt nicht zauberhaft oder blumig. Sie beschreibt das eigentlich alles ziemlich trocken, manchmal ein wenig motzig, besonders an Stellen, wenn sie ein wenig mit ihrem Italiener schimpft, aber die Art und Weise in der sie es schreibt, ist dabei vollkommen passend.
Es ist kein Buch, dass einem eine heile, schöne Welt vorgaukelt, in die Touristen sich ab und an flüchten. Es ist ein Buch über eine Stadt. Es ist ein Buch über Venedig, genauso wie ihre Bewohner.
Es ist ein Buch, das den Leser zum Lachen bringt. Besonders, wenn man sich vorstellt, dass der Italiener nicht verstehen kann, warum Petra die Wiedervereinigung so kalt lässt, denn in Italien würde man Wochenlang feiern und weinen. Einige Seiten später aber, zieht er dann mit seinem Kellner über die Bewohner der Toskana her.
Der Italiener an meiner Seite ist ein ehrliches Buch, das aber auch manchmal zeigt, dass die Autorin selber noch nicht wirklich angekommen ist, denn anders kann man sich die "ewige" Betonung von "Der Italiener" nicht erklären. Dennoch ist es ein schönes Buch und es zeigt ein typisches Italien, pardon, ein typisches Venedig.