Diese Aufnahme ist eines der schönsten Belcanto-Juwelen im Katalog der EMI - und eine besondere Rarität. Denn hier hört man unter der Regie des legendären Callas-Produzenten Walter Legge zwei ideale Partner der Callas aus zahlreichen Live-Aufführungen: den Tenor Cesare Valletti und die große Mezzosopranistin Giulietta Simionato. Kurioserweise setzte Legge diese beiden Künstler im Studio aber niemals mit der Callas ein, sondern wählte stattdessen mit Fedora Barbieri, Nicola Monti und Luigi Alva weit weniger überzeugende Sänger. Simionato wurde Haus-Mezzo bei der Konkurrenzfirma Decca und Valletti machte einige unvergessliche Aufnahmen für RCA.
Diese "Italienerin in Algier" lässt auch ohne Callas ahnen, wie schön es hätte sein können. Zwar werden sich Partitur-Apostel wegen der vielen Kürzungen mit Grauen abwenden. Aber was man in den verbleibenden knapp zwei Stunden zu hören bekommt, ist in puncto Anmut, Virtuosität und subtilem Humor nicht zu übertreffen. Vallettis perfekt phrasierte Kavatine "Languir per una bella" mit ihrem honigsüßen Legato, dem verliebt-verletzlichen Timbre und den perfekt platzierten hohen Tönen in der Cabaletta ist einer der erfülltesten Momente des Belcanto auf Schallplatten. Die Koloraturen der Simionato sind nicht ganz so gut verbunden, aber dennoch staunt man, wie beweglich und leicht diese große Azucena und Amneris durch die verzierte Musik gleitet.
Die Nebenrollen sind alle stark besetzt (hinreißend die junge Sciutti) und Dirigent Giulini wagt oft den totalen Stunt: Die Stretta des ersten Finales mit ihren rasenden Din-Din-Din-Kak-Kak-Kak-Ausrufen ist unglaublich explosiv und komisch! Der Perfektionismus des Produzenten Legge ist überall zu spüren, auch in der für 1954 hervorragenden Tontechnik mit idealer Stimmen-Orchester-Balance. Eine perfekte Wahl für Sammler und Neulinge, die Rossini at his best kennen lernen möchten.