Trompetenkonzerte gehörten zum prägenden Inventar meiner Kindheit. Die entsprechenden LPs, natürlich mit Maurice Andre, wurden aufgelegt, wenn das Essen besonders festlich und also üppig werden sollte. Alleine die LP-Cover wirkten auf mich schon kulinarisch, sie sahen aus wie Pralinenschachteln: Zauber des Barock, ich sehe noch die Schriftzüge vor mir. Aus all diesen Gründen konnte ich Trompetenkonzerte seitdem nie mehr so ganz unbelastet hören - bis ich im Konzert den ungarischen Trompeter Gabor Boldoczki kennen lernte. Bei ihm klingt die Trompete endlich nicht mehr nach Zeremoniell, nach Silberbesteck und Süßkonfekt. Er spielt vielmehr leichthändig, beweglich, der Ton federt und atmet. Mein Konzerteindruck bestätigte sich jetzt mit dem Kauf der CD, auf der Gabor Boldoczki einige bekannte Barockkonzerte für die Trompete bearbeitet hat. Zwar ist nur eines dieser Werke original für die Trompete komponiert (ein Concertino von Donizetti, bislang mir gänzlich unbekannt), doch hat der Ungar erstaunlich gut und immer geschmackvoll den ursprünglichen Part (meist von der Oboe) auf sein Instrument übertragen. Für diese Musik passt kein Eisbein auf Kartoffelpüree, sie lässt sich wunderbar zur mediterranen Küche hören. So leicht, so spritzig kann Trompete sein!