Alison Balsom spielt "Italian Concertos" (Vivaldi, Tartini, Albinoni, Marcello, Cimarosa), sämtlich Bearbeitungen italienischer Solokonzerte, ursprünglich für andere Instrumente komponiert. Was z.B. für Oboe geschrieben war, kommt hier glatt und geschmeidig im strahlenden Glanz der (modernen) Trompete, selbst Vivaldi klingt, als wäre sein Violin-Konzert für Blech-Bläser geschrieben, Perfektion eben.
Hinweis: Zur Zeit der Barockmusik des 17./18. Jahrhunderts waren die Trompeten gestreckt, ventillos und auf die Natur-Tonreihe über dem Grundton beschränkt (meist C und D, gelegentlich B, Es und F; die kürzere Variante ist die höher klingende 'Trombetta'); als besonders 'festlich-elegant' gilt bis heute D-Dur. Originale sind selten, Nachbauten im Rahmen der historischen Aufführungspraxis heutzutage wieder sehr geschätzt - und nicht leicht zu spielen. Aber: Alison Balsom spielt hier kein historisches Instrument, vielmehr reizt sie die Interpretation dieses italienischen Repertoires auf der modernen Ventil-Trompete - und das gelingt ihr ganz zweifellos äußerst virtuos! (Vergleiche zu 'barocker' Aufführungspraxis wären m.E. unpassend.)
Gern überbieten sich Medien in verbal-akrobatisch größter Bewunderung über Alison Balsoms Trompeten-Spiel: ''Anbetungswürdig'' (Brigitte), ''schneeweiß-silbrige Adventsmusik der Extraklasse'' (Madame), ''es erscheint fast so, als habe sie das Trompetenspiel neu erfunden'' (Hannoversche Allgemeine Zeitung), andere kürten sie schlicht zur ''Paganina der Trompete'' (hm, Kritiker-Lyrik). Demgegenüber wird auch wohltuend sachlich gelobt: ''Virtuos, aber gefühlvoll, elegant und geschmeidig'' (Spiegel Online). Zurecht.
Sie ist virtuos. Wie andere Könner ihres Fachs ohne Zweifel auch. Jetzt hat sie ein stets faszinierendes barockes Repertoire neu und auf ihre Weise belebt. Manchem Kritiker zu 'geschmeidig glatt', für mich keinesfalls 'makellose Hochglanzmusik', eher eine sinnvolle Bereicherung im modernen Gewand, gerade auch jungen Zielgruppen zugewandt (Auf seine Art hat das z.B. Nigel Kennedy damals auch mit Vivaldi so gemacht!); so bringt Alison Balsom und ihr Label EMI dieses reizvolle Repertoire 'frisch, leicht, modern, gekonnt' auch in junge Ohren, why not; Lob dafür!