Evan Dando hat wieder eine Platte gemacht - auch wenn auf "It's A Shame About Ray" immer noch Lemonheads draufsteht. Die Band existiert als solche nicht mehr, Dando holt sich für seine Aufnahmen oder Tourneen alte und neue Freunde hinzu. Diesmal sind dies David Ryan am Schlagzeug, der schon zur Urbesetzung gehörte, und Juliana Hatfield von den Blake Babies, die Bass spielt und dünn, aber schön und mutig den Background bestreitet. Die Musik der Lemonheads ist immer noch so, wie sie immer war, genau so, wie man sie sich vorstellt, wenn man in das viel zu hübsche, ewig jungenhafte, auch schon mal Rosen zwischen den Zähnen haltende Gesicht von Dando schaut. Sein ältester und bester Trick ist, den Postpunkrock der 80er Jahre - das, was man später genauso schlau wie indifferent Independent-Musik nannte - viel zu weich zu spielen Die Soundberge türmen sich zum Refrain hin immer höher, stürzen dann ein und verlieren sich in einem kurzen atonalen Aufheulen. Dando ist so berechenbar - und hat dabei so viel Charme, daß man ihm nichts übel nehmen kann und will. Er verläßt sich eben weiterhin auf die guten alten Rezepte aus der Jugendzeit. Die Mädels und das Publikum sind gleich geblieben, beide kriegt man mit immer noch denselben Tricks rum. Evan Dando ist ein Troubadour, vielleicht der größte, den der amerikanische Gitarrenrock hervorgebracht hat. Wie Frank Sinatra repetiert er sich selbst immer wieder und wieder. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)