Verfahren: Schulnotensystem von 1-6 (inkl. + und -).
01 - Intro: Die CD beginnt mit einer relativ kurzen Einleitung, die von dem "Million"-(Milian)-Sample eines alten Tracks von Jay-Z und einem schnellen, geklatschten Beat dominiert wird. Christina spricht und singt gen Ende ein wenig über den Titel ihres Albums. Alles in allem ein gelungener Auftakt ... (2)
02 - Dip it low: Bereits nach einer einzigen Minute Gesamtspielzeit zieht Miss Milian ihre Trumpfkarte aus dem Ärmel: "Dip it low", die erste Single aus "It's about time". Hier treffen asiatische Harfen-Klänge und pochende Hip-Hop-Beats aufeinander und ergeben ein großartiges Arrangement mit Seltenheitswert. Für die deutschen Fans ist zudem Samy Deluxe mit von der Partie, der das Pendant zu den US-Rappern Fabolous und Shawna darstellt und mit einem sehr eigensinnigen aber gelungenen Rap-Part überrascht. (1)
03 - I need more: Weiter geht's mit dem Versuch, stetig mit R&B-Ikone Janet Jackson auf Tauchfühlung zu gehen. Simple Gitarrenklänge, ein kurzes aber oft wiederholtes Flötensample und sehr tanzbare Beats zimmern ein sehr ungewöhnliches aber (im wahrste Sinne der Wortes) "bewegendes" Arrangement. Hinzu kommt, dass Christina während der Strophen mehr ins Mikro "haucht" und erst in der rockigen, sehr schnellen Hook singend "losbrüllt". Folglich braucht die relativ ungewöhnliche Mischung ein wenig Zeit, um sich mit den Gehörgängen anzufreunden. (3)
04 - Whatever U want: Nach diversen Asia-Klängen und leichten Rock-Attituden geht's nun zurück zum guten alten "Ol'School"-Style. Benutzt wird dazu ein 70er-Jahre-Sample, das sich durch klatschende Beats und Trompeten-Klängen auszeichnet. Ist zwar nicht sonderlich neu, geht formell gesehen aber dennoch abermals auf - auch wenn man nach zwei Minuten bereits genug davon hat und guten Gewissens - trotz Joe Buddens Rap - zum nächsten Song übergeht. (3+)
05 - Someday one day: Nach drei tanzbaren Songs folgt nun die erste Ballade. Geschrieben wurde das verträumte "Someday one day" von Cory Rooney, der einen Großteil der Jennifer-Lopez-Alben produziert - was man dem Song deutlich anhört, denn er könnte durchaus ein Ausschnitt von J.Lo's "This is me ... then" sein. Ungewöhnlich hoch und gefühlvoll singt Christina hier, was wiederum von dem mehrstimmigen Gesängen im Background perfekt untermalt wird. Alles in allem einer der besten Produktionen des Albums ... (1)
06 - Highway: Mit Warryn Campbell hat sich Christina Milian an dieser Stelle erneut einen Spezialisten in Sachen "Balladen" ins Boot geholt. Der Hit-Produzent hat bereits Mariah Carey, Whitney Houston, Destiny's Child oder auch Brandy Dutzende Schmuse-Songs an den Leib produziert. Kitschig werden seine Balladen dennoch nie, denn mit viel Gespür für's Detail lockt er auch auf "Highway" jegliche Ambitionen aus seiner Sängerin ... Zurücklehnen und entspannen ... (1-)
07 - Get loose: Ein bekannter Produzent jagt den Nächsten ... und so reiht sich nun Rodney "Darkchild" Jerkins in die lange Schlange Gleichgesinnter ein. Abermals beglückt der Fließbandarbeiter mit einer Mixtur aus futuristsichen Trommel-Beats und leicht orientalischen Klängen, die auch hier überdeutlich tanzbar sind und ein wenig (!) an "I'm good" von Blaque erinnern. Die nächste Auskopplung lässt grüßen ...! (2+)
08 - I'm sorry: Nach nur einem einzigen Up-Tempo-Song wird die Geschwindigkeit erneut wieder etwas zurückgeschraubt und geht in die nächste balladeske Nummer über. Wie sich nach wenigen Sekunden Zuhören abzeichnet, weist "I'm sorry" beinahe das selbe Arrangement wie "Someday one day" nach - obwohl die Klänge neben Christinas herrlich warmen Gesang ein wenig kühler Klingen und ein wesentlich kräftiger Beat das Geschehen in Anspruch nimmt. Pass auf La Lopez ... ;-) (1-)
09 - L.O.V.E: Das es auch schneller geht, weißt Warryn Campbell mit diesem Feature nach. Der abermals von Joe Budden unterstützte Song ist ein sehr dezenter Dance-Track mit Flöten/Gitarren-Untermalung, der beattechnisch gesehen zwar kaum überrascht, sich dafür aber wesentlich mehr auf den Gesang bzw. Rap beider Interpreten konzentriert. Alles in allem mit Sicherheit keine Single - aber eine ganz anhörliche Kollabo mit allabendlichem Flair. (2)
10 - Peanut butter & jelly: Einen Club-Banger im bestmöglichen Sinne liefert Christina mit dieser Produktion ab. "Peanut butter & jelly" hat nicht unbedingt den größten Ohrwurm-Effekt, besitzt aber einen solch hämmernden Beat, dass wohl kaum jemand still halten kann, sollte dieser Track in der nächstgelegenen Disse gespielt werden. Dies liegt vermutlich an dem "Lil'Jon-Charakter", den der gesamte Song aufweist und durch die vielschichtige Rhythmusinstrumente verliehen bekommt. Ein weiterer Kandidat für die nächste Singlewahl! (2+)
11 - Miss you like crazy: Auch dieser Song ist eine Ballade, die jedoch durch die Vorsilben "Up-Tempo" verstärkt wird. Zwar bleiben die Verse relativ ruhig,, doch während des Refrains legt "Miss you like crazy" noch einmal ordentlich an Tempo zu und entwickelt sich sogar zu einem seichten Track zum Tanzen. Dominiert wird das Ganze von warmen Gitarrenklängen und pochenden, trockenen Backgroundbeats. Nicht der beste Slow-Jam, aber durchaus nett zu lauschen. (2-)
12 - Oh Daddy: Es bleibt ruhig und melancholisch - und wird zudem sehr persönlich. In "Oh Daddy" spricht Christina die zwiespältige Beziehung zu ihrem Vater an, der sie und ihre Mutter bereits Früh verlassen hat und nie wirklich Kontakt aufgebaut zu haben scheint. Wie man sich denken kann, liegt auf der gesamten Mid-Tempo-Ballade also eine leicht deprimierende aber mitreißende Schwere, die sich auch in Christinas Gesang wiederspiegelt und vor allem durch das düstere Prodigy-Sample ihre gewisse Tiefe verliehen bekommt. (2)
13 - I can be the woman: Zum Schluss wird's noch einmal sehr futuristisch und temporeich, was auf die stark verzerrten und verschachtelten Beats sowie den überdeutlichen Dance-Einfluss zurückzuführen ist. Enstanden ist hier ein recht eigensinniger Song, der eigentlich mehr zu Kylie Minogue passt als zu Christina Milian und der meiner Meinung völlig falsch platziert worden ist ... so ganz am Ende. Naja (2-)
Fazit: Mit ihrem zweiten Studioalbum peilt Christina Milian einen völlig anderen Sound an als mit ihrem selbstbetitelten Debüt vor zwei Jahren. Betrachtet man "It's about time" als Gesamtwerk so erhält man im Gegensatz zum Vorgänger, der hauptsächlich durch die Künste von Produzenten wie Montell Jordan oder Irv Gotti bereichert wurde, eine viel ausgewogenere, buntere Mischung, die hörbar wagemutiger klingt. Überraschend ist hierbei vor allem, dass Christina wesentlich mehr Balladen auf ihrem Folgewerk platziert hat, die zudem so erstklassig produziert worden sind, dass sie selbst die Clubtracks blass aussehen lassen. Allerdings wäre Miss Milian nicht sie selbst, wenn sie uns nicht mit einer üppigen Fülle tanzbarer Songs (für die sie bisher schließlich bekannt ist) beglücken würde und so überzeugen auch beispielsweise "Get loose" oder "Peanut butter & jelly" mit hüftkreisenden Melodien ... Ich kann "It's about time" ruhigen gewissend weiterempfehlen, denn ich bin kein Christina-Milian-Fan, sondern Fan von gutem R&B/Hip-Hop - und davon gibt's auf dieser Platte genug.
Berechnete Durchschnittswertung: 1,86 ~ eine 2+