Hurra, er kann es doch noch! Ich hätte nicht zu hoffen gewagt, dass mich ein Lenny-Kravitz-Album noch mal richtiggehend begeistern würde. Zu sehr hatten mich die letzten beiden Platten enttäuscht: War Lennys musikalisches Schaffen zuvor ein bunt instrumentiertes Kaleidoskop der 70er Jahre gewesen, das mit monströsen Rockriffs, hypnotischen Funkgrooves, schmachtendem Soul und fiesen Psychedelic-Schockern den alten Helden von Hendrix bis James Brown huldigte, so wurden auf Lenny (2001) und Baptism (2004) all diese wunderbaren Zutaten über Bord geworfen und durch drögen Schrammelrock und langweilig uninspirierte Balladen ersetzt.
Auf It is Time... besinnt sich Herr Kravitz nun endlich wieder eines Besseren. Schön zu hören bei If you want it, meinem persönlichen Favoriten: Wie bei Led Zeppelin zu ihren besten Zeiten türmen sich hier endlich wieder wuchtige Gitarrenriffs auf, und in den Strophen ist sogar mal wieder eine schüchterne Orgel zu hören. Der Titeltrack und die Singles Bring it on und Love Love Love rocken simpel aber effektiv, während Will you marry me einen Orkan von funkigem Gefrickel entfacht. Back in Vietnam bietet unkomplizierte Schrammelei, die aber nicht nach Lenny 2001, sondern tatsächlich nach einem Frühwerk von, sagen wir, Creedence Clearwater Revival aus der Vietnam-Ära klingt. Mit den schönen Balladen I love the Rain und A new Door, dem jazzigen This Moment is all there is und der klasse Folkrocknummer I want to go home beweist Kravitz einmal mehr seine große stilistische Bandbreite.
Dass die Liebesrevolution bei mir nicht vollends ausbricht, liegt daran, dass die Krankheiten von Lenny und Baptism noch nicht ganz überwunden sind. Speziell Good Morning und I'll be waiting erinnern fatal an deren stupides Geschrubbe, und beim öden Dancing till Dawn will sich bei mir keine Tanzwut einstellen, daran ändert auch das routinierte Saxophonsolo nichts. Und die an jeder Ecke wuchernden Orchesterparts könnte Herr Kravitz ruhig ein wenig zurückstutzen und dafür die wummernden Orgelteppiche und herrlich schrägen Bläserarrangements der früheren Alben wieder mehr zu Ehren kommen lassen -' von solch grandiosen 70er-Jahre-Museumsstücken wie dem Melotron, dem Moog-Synthesizer oder dem Fender Rhodes ganz zu schweigen. Pathetische Bombastrocknummern wie A long and sad Goodbye dürften dafür ruhig wegfallen.
Insgesamt kann ich für It is Time for a Love Revolution aber eine eindeutige Kaufempfehlung aussprechen. Klar kann man sich auch die Originale aus den 70ern anhören, und wer Wert auf intelligente Texte legt, sollte sich vielleicht nicht gerade zu Lenny Kravitz greifen. Alle alten Fans seiner Musik, die wie ich vom Stil seiner letzten Werke enttäuscht waren, werden diese CD jedoch lieben.