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Produktinformation
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Das Buch Istanbul. Erinnerungen an eine Stadt ist eine gelungene Mischung aus historischem Lesebuch und autobiographischem Roman. Im Fokus stehen die Kinder- und Jugendjahre des Autors. Der Leser erlebt einen liebevollen Rückblick auf die Entwicklung einer Millionenstadt, die Pamuk erst an der Hand der Mutter, dann im Ford seines Vaters und später auf eigene Faust erkundet. Dabei skizziert der Autor nicht nur die Metropole am Bosporus, sondern auch die türkische Mentalität und Geschichte und fängt den Hüzün ein, die türkische Variante der europäischen Melancholie, die Istanbul fest im Griff hat.
Doch Pamuk teilt nicht nur seine eigene Sicht auf die Stadt mit, sondern lässt ebenso europäische Reisende, Künstler und Schriftsteller zu Wort kommen und vergleicht die Schilderungen untereinander auch mit seinen eigenen Empfindungen und Erinnerungen. Die so entstandene Liebeserklärung an die Stadt entpuppt sich jedoch zugleich als traurige Bilanz des Zerfalls. Das dokumentiert nicht nur der glänzend geschriebene Text, sondern eine Unzahl historischer Stiche und Schwarz-Weiß-Fotos.
Wer aktuelle Entwicklungen inklusive politischer Äußerungen erwartet, der wird enttäuscht. Es geht fast ausschließlich um das alte Istanbul zwischen 1800 und 1970. Hätte sich Pamuk auf heutige Entwicklungen eingelassen, wäre das Buch wohl deutlich düsterer. Schließlich ist Pamuks Gratwanderung zwischen Orient und Okzident nicht unproblematisch, seine kritischen Äußerungen zur türkischen Vergangenheit riefen längst Gerichte und Nationalisten auf den Plan. Mehr noch: Die Angst um sein Leben zwangen Pamuk Anfang 2007 sogar zur Flucht. Aus seinem geliebten Istanbul. -- Christian Haas
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
39 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Mikrokosmos zwischen den großen Welten,
Von
Rezension bezieht sich auf: Istanbul: Erinnerungen an eine Stadt (Gebundene Ausgabe)
Als Orhan Pamuk 1952 in Istanbul geboren wird, ist die Metropole am Bosporus schon seit Jahrzehnten dem Verfall preisgegeben - einem Verfall, der etwas Malerisches, Melancholisches hat und mit dem Ende des Osmanischen Reichs einsetzte. Der allmähliche Verlust des Familienvermögens spiegelt diesen Verfall wider.Zunächst wächst der Junge in seiner Großfamilie auf, relativ isoliert von der eigentlichen Stadt. Das ändert sich, als er in die Schule kommt. Mit den Jahren wird er mehr und mehr Teil der Stadt, er beginnt, sie zu zeichnen und zu malen. Doch seine Mutter weiß, dass er selbst als höchst talentierter Maler im Istanbul seiner Zeit keine Chance hätte. Sie nötigt ihn, eine Entscheidung für seine berufliche Zukunft zu treffen. Aber das Beschreiben, die Darstellung, das Erzählen sind seine Welt, wenn nicht mit Farbe, so mit Worten, die Farben vermitteln können. Und so sagt er seiner Mutter: "Ich werde nicht Maler. Ich werde Schriftsteller." Seine Entscheidung wurde 2006 mit dem Nobelpreis für Literatur belohnt. Der Autor schildert seine facettenreiche Heimatstadt aus der Sicht des heranwachsenden Kindes, sodass der Leser ihre Entwicklung hautnah miterleben kann und sie sich nach und nach behutsam erschließt. Pamuk bindet zudem sehr interessante Exkurse über viele Aspekte der Geschichte Istanbuls ein, darunter Kunst und Literatur und selbstverständlich die Politik des Osmanischen Reiches. Zahlreiche persönliche Fotos sowie historische Bilder bereichern das Buch und vermitteln in ergänzender Weise einen Eindruck der im Text beschriebenen Orte und Gegebenheiten. Orhan Pamuks Schreibkunst ist wie sein Gegenstand eine bezaubernde Mischung aus westlichem Faktenreichtum und orientalischer Farbigkeit. Man könnte auch sagen, er schreibe konkreter als ein orientalischer Erzähler und wesentlich bunter, ornamentreicher als die meisten europäischen Romanciers. Es verwundert nicht, dass er einst Maler werden wollte. Pamuks Erinnerungen an Istanbul ergeben eine der charmantesten, stimmungsvollsten Autobiografien. Gleichzeitig sind sie die Biografie einer Stadt zwischen den Welten. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
...nervenraubend,
Von
Rezension bezieht sich auf: Istanbul: Erinnerungen an eine Stadt (Gebundene Ausgabe)
Als ich das Buch in den Regalen im Schaufenster mit ehrenvollen Aufschriften wie "Bestseller" "Autor ist Nobelpreisträger" etc sah, war ich der Überzeugung, dass diese ruhmvolle Dekoration etwas heißen muss und kaufte es noch in der gleichen Minute.Das Buch handelt bekanntlich über das Leben von Orhan Pamuk selbst. Am Anfang erzählt er von seiner Kindheit, von seinen Gedanken als Kind und stellt dem Leser seine Familie vor. Bis dahin noch recht amüsant zu lesen und es gibt noch Hoffnung, dass es wohl auf den nächsten Seiten spannender wird. Zwischendurch und auch später schildert er die Lage in Istanbul in den 50ern, erzählt von den Problemen der Stadt, der Menschen, spricht diese und jene Straßen und Gebäuden an, gibt geschichtliche Hintergrundinfos zu Selbigen und nennt einige Autoren und wichtige Persönlichkeiten aus der Antike, die ihn beeindrucken. Plötzlich tritt seine Familie erneut in den Vordergrund, er setzt fort mit anderen Gebäuden und anderen Straßen, bringt andere geschichtliche Infos zum Ausdruck und beschreibt andere dunkle Seiten des Lebens in Istanbul - und das, das ganze Buch über, ohne einer einzigen fesselnden Stelle, ohne jeglichen Höhepunkt. Bei allem Respekt, ich habe das Buch gekauft, um die ehemals schönste Stadt der Welt aus der Sicht eines der berühmtesten Autoren der Türkei zu erleben, mit der Hoffnung, dass ich mich in diese Zeit zurückversetzen kann, und mir vorstellen kann, wie die alte Türkei und das Leben damals gewesen sein muss. Doch leider wurden meine Hoffnungen nicht ansatzweise erfüllt, da ich sogar teilweise Schwierigkeiten hatte, dem Erzählten zu folgen - geschweige denn mich zurück zu versetzen. Ich weiß nicht wie es anderen Lesern ging, aber mich hat das Lesen ernsthaft Nerven gekostet. Denn wenn teilweise ein einziger Satz ein Viertel einer Seite umfasst, vergisst man nicht selten wie der Satz angefangen hatte, und man ist gezwungen den einen Satz mehrmals durch zu gehen, um ihn zu verstehen. Und wenn dies jede Seite der Fall ist, verliert man auch recht schnell die Lust weiter zu lesen. Und wenn auch noch hinzukommt, dass der Inhalt so monoton ist und einem einfach nicht interessant erscheint, macht man es so wie ich, und legt das Buch nach der 300sten Seite weg, uns spart sich das Ende. Ich schätze Orhan Pamuk sehr, und kenne den Stellenwert seiner sonstigen Bücher. Aber leider, das Buch, für dessen Präsentation ein ganzes Schaufenster ehrenvoll dekoriert und geschmückt wurde, und von dem ich persönlich am Meisten hielt, enttäuschte mich am Meisten. Für Leser, die Istanbul kennenlernen möchten, ergeben sich eindeutig günstigere Wege an Informationen zu gelangen, als über dieses Buch. Kemal Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
52 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Melancholische Erinnerungen an eine Stadt,
Von
Rezension bezieht sich auf: Istanbul: Erinnerungen an eine Stadt (Gebundene Ausgabe)
Von seiner Kindheit in Istanbul berichtet der Nobelpreisträger und von den unbekannten Vierteln Istanbuls; von Franzosen und Engländern, die im 19. Jahrhundert in die osmanische Hauptstadt kamen und darüber schrieben oder malten; von türkischen Schriftstellern, die am Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts die Stadt als Thema entdeckten und vom Verfall einer Stadt, die einst Hauptstadt einer Weltmacht war und dann ins Abseits geriet, in Armut und Vergessen.Das Buch ist eine Liebeserklärung an Istanbul und eine traurige Bilanz des Zerfalls. Das dokumentiert nicht nur der glänzend geschriebene Text, sondern eine Unzahl historischer Schwarz-Weiß Fotos. Und es erklärt uns 'Hüzün', die schwermütige Stimmung, die Istanbul befallen, sich als Gemeinschaftsgefühl auf die Bewohner gelegt hat. Auch wenn das Buch das alte Istanbul zwischen 1800 und 1970 beschreibt, die Zeiten, als es "nur" 1 Millionen Einwohner hatte, statt wie heute 15 Millionen, 'Hüzun' begegnet dem Besucher immer noch. Oft habe ich mich gewundert, nicht warum in allen türkischen Läden ein Bild von Atatürk hängt, wohl aber, warum es in den allermeisten Fällen nicht Atatürk als siegreichen Offizier in Uniform, nicht Atatürk als erfolgreichen Staatsmanns zeigte, sondern einen melancholisch in die Ferne blickenden Mann voller Sehnsucht zeigt. Hüzün, kein Zweifel. Westliche Autoren wie Flaubert, Nerval, Gautier gaben sich im 19. Jahrhundert ihrer Orientbegeisterung hin, zelebrierten ihre eigene Form von Melancholie in der Stadt am Goldenen Horn. Anton Ignaz Melling zeichnete 1819 erstmals die Stadt. Auffällig, dass alle die Militärs und Ingenieure, die erst Preußen, später das deutsche Reich an den Bosporus entsandte, bei Orhan Pamuk nicht vorkommen. Aber preußische Militärs waren anders als französische Schriftsteller nicht dafür berühmt, anschauliche Schilderungen der Länder zu verfassen, die sie besuchten. Vier türkische Autoren folgten den Franzosen: Re'at Ekrem Koçu, Abdülhak 'inasi Hisar, Yayha Kemal und Ahmed Hamdi Tanpinar. Allesamt, wie sollte es anders sein, melancholisch (und unverheiratet), allesamt von westlichen Autoren geprägt und gleichzeitig '- das ist verblüffend '- viel stärker auf das alte Istanbul, die osmanische Kultur bezogen, als ihre Mitbewohner, die sich einfach am Westen orientierten und dem Verfall der alten osmanischen Vierteln und Häusern keine Träne nachweinten, ja sogar die Brände, die einen alten Holzkonak nach dem anderen auffraßen als willkommene Abwechslung und Feierabendvergnügen begriffen. Der Bezug auf die alte Kultur fällt auch bei Pamuk auf. Dieser Spagat zwischen Bewunderung für den Westen und der Scham für das arme, heruntergekommene Istanbul; die Liebe zur alten Kultur und gleichzeitig das Gefühl, dass diese nichts hervorgebracht habe, das sich mit dem Westen vergleichen ließe. In der Türkei gelten Künstler, erst recht Schriftsteller nichts, sagt Pamuk über sein Land und ich frage mich als Leser: Gab es keine Tausendundeine Nacht, gab es im osmanischen Reich nicht eine eigene Gilde der Geschichtenerzähler, wie Elsa Sophia von Kamphoevner behauptete? Oder ist dies nur eine weitere der orientbegeisterten Mythen, die das Abendland so gerne pflegt? Überhaupt der Westen in der Türkei. Mit der Verwestlichung kam der Nationalismus, der aus dem osmanischen Vielvölkerstaat einen türkischen Nationalstaat machte und die ethnische Säuberungen 1923 und 1955 brachte. Ebenso die Verteufelung der Homosexualität. Nicht alles Westliche zeichnet sich durch Toleranz aus, auch wenn FAZ und andere Medien das gerne behaupten. Auch heute sind es die westlich orientierten Nationalisten, nicht die Islamisten, die unliebsame Autoren immer aufs neue vor türkische Gerichte zerren. Einher mit dem Verfall Istanbuls geht der Verfall von Pamuks Familie. Vater und Onkel bringen in immer neuen Konkursen das großväterliche Erbe herunter. Der Sohn beobachtet es, wie er die Schiffe auf dem Bosperus beobachtet, wie er beobachtend die unbekannten ärmlichen Viertel durchstreift, in die sich normalerweise kein gebildeter westlicher Türke verläuft. Überhaupt ist Beobachten, nicht Bewerten die Stärke des Autors. Manchmal wünsche ich mir als Leser allerdings ein wenig mehr Kommentar zu diesen seinen Beobachtungen. Etwa wenn er erwähnt, dass die rigide Zensur des Osmanenherrschers Abdülhamid II. (1876-1909) türkische Schriftsteller auf unpolitische Themen ausweichen ließ. Und auch über seine eigenen politischen Vorstellungen als er zwanzig war, schreibt er nur, dass er Parka trug und links war. Der Verlag hätte auch gut daran getan, der deutschen Ausgabe ein kommentiertes Personenverzeichnis beizufügen. Welcher Deutsche weiß schon, wann Abdülhamit und die anderen Herrscher regierten? Die beiden letzten Kapitel sind sehr persönliche Schilderungen. Wie er sich in ein Mädchen, die "schwarze Rose" verliebte und sie in ihn und wie der Vater daraufhin das Mädchen umgehend in ein Schweizer Internat verfrachten ließ. Eine bittersüßte Liebesgeschichte, anrührend und tragisch zugleich. Und die Reaktionen seiner Mutter, als er ihr eröffnete, dass er das Architekturstudium abbrechen und Maler werden wollte. Die Mutter reagierte, wie wohl alle Mütter dieser Welt in solchen Fällen reagieren: Entsetzt. So gibt uns Orhan Pamuk in "Istanbul" eine sehr persönliche Sicht auf die Stadt, stilistisch meisterhaft formuliert und inhaltlich dicht; macht uns mit ihr bekannt; weckt aber gleichzeitig neue Fragen und lässt uns nachsinnen. Doch was kann man von einem Buch besseres sagen? (C) Hans Peter Roentgen Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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