Pressestimmen
"Die Ost-West-Lovestory bietet höchst amüsante Einblicke in den Bühnen-Zickenterror der Berliner Oper." (Joy, 03/2002)
"Ihre langjährige Tanzerfahrung und ihr Blick für die menschlichen Stärken und Schwächen ihrer 'Zunft' erheben den Liebesroman zu einem echten Tanz- und Ballettroman." (Westfälische Nachrichten, 2002)
Mosaik, WDR 3, 9.12.02
Journal für die Frau, 3/2003, 22.1.03, S. 14
Westfälische Nachrichten, 19.12.02
Kurzbeschreibung
Berlin, im Herbst 1989. Am großen Opernhaus im Westteil der Stadt ist die junge, hochbegabte Tänzerin Zoe Marshall beim Ballett engagiert. Die Bühne bedeutet ihr alles, und auch das schweißtreibende Training vermag sie nicht davon abzuhalten, an ihre künstlerische Zukunft im Rampenlicht zu glauben. Ein Avantgarde-Choreograf aus Frankreich entdeckt ihr Talent und besetzt sie gegen alle Widerstände für die Hauptrolle seines neuen Balletts. Mit der ersehnten Erfüllung im Tanz scheint sie auch dem Mann ihrer Träume näher zukommen. Wenn da nicht die Mauer wäre ...
Über den Autor
In Ihrem Romandebüt "Ist denn nicht zufällig Sonntag?" schöpft Judith Frege aus dem vollen. Ihre eigene fachliche Erfahrung von über 25 Jahren Tanz sowie ihr Insiderblick für die menschlichen Stärken und Schwächen ihrer "Zunft" erheben den spannenden Liebesroman auch zu einem echten Tanz- und Ballettroman.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
"Okay, also noch einmal." Zoe nahm all ihren Mut zusammen. Dieses Mal hatte sie zuviel Schwung und sie fanden sich auf dem harten Bühnenboden wieder. Lachend rollten sie übereinander weg, quer über die ganze Bühne und hörten nicht auf mit dem Lachen, bis sie gefährlich nah am Rand des Orchestergrabens zum Stillstand kamen.
Unbeschwert und frei fühlte sich Zoe in seiner Gegenwart, und sie vertraute ihm blind. Ohne Angst ließ sie sich in riskante Bewegungen fallen, seine großen Hände waren immer im richtigen Moment da, um sie zu halten, zu heben, zu drehen oder auf den Boden gleiten zu lassen. In ihrer Zusammenarbeit entwickelte sich eine einzigartige Nähe, eine Art Seelenverwandtschaft, und sie wußten, daß es etwas Besonderes war. Die totale Konzentration und Hingabe auf ihren Tanz und die Musik gerichtet ließ die Welt um sie herum in den Hintergrund treten, verblassen. ...
Auszug aus Ist denn nicht zufällig Sonntag? von Judith Frege. Copyright © 2002. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
"Okay, also noch einmal." Zoe nahm all ihren Mut zusammen. Dieses Mal hatte sie zuviel Schwung und sie fanden sich auf dem harten Bühnenboden wieder. Lachend rollten sie übereinander weg, quer über die ganze Bühne und hörten nicht auf mit dem Lachen, bis sie gefährlich nah am Rand des Orchestergrabens zum Stillstand kamen.
Unbeschwert und frei fühlte sich Zoe in seiner Gegenwart, und sie vertraute ihm blind. Ohne Angst ließ sie sich in riskante Bewegungen fallen, seine großen Hände waren immer im richtigen Moment da, um sie zu halten, zu heben, zu drehen oder auf den Boden gleiten zu lassen. In ihrer Zusammenarbeit entwickelte sich eine einzigartige Nähe, eine Art Seelenverwandtschaft, und sie wußten, daß es etwas Besonderes war. Die totale Konzentration und Hingabe auf ihren Tanz und die Musik gerichtet ließ die Welt um sie herum in den Hintergrund treten, verblassen, und schließlich hinter einer Nebelwand verschwinden. Ihre tanzenden Körper bewegten sich losgelöst, wie in einem Rausch. Ein Rausch ohne Drogen. Der Tanz war die Droge.
(...)
Vom ersten Augenblick an konnten sie ihre gegenseitige Abneigung kaum verbergen. Randolf Schmidt zeigte seine Antipathie durch arrogant überzogene Höflichkeit. Offene Feindseligkeit zu zeigen, traute er sich nicht, denn Mahnstein besaß zuviel Macht und Ansehen. Er entwickelte verdeckte Methoden und operierte aus dem Hinterhalt, um sich für die Erniedrigungen zu rächen, die Mahnstein ihm regelmäßig zufügte. Dieser hingegen zeigte ohne Rücksicht auf Verluste, wer in seiner Gunst stand und wer sein Feind war. Am Schlimmsten traf es diejenigen, die er schlichtweg verachtete. Zu dieser Gruppe gehörte Schmidt, der mit verschränkten Armen auf dem Treppenabsatz stehengeblieben war und ihn aus feindseligen Augen ansah.
"'Tschuldigung!" Zoe schoß eng am Intendanten vorbei, immer zwei Stufen auf einmal, die Treppe hinauf, so daß er um ein Haar die Balance verlor, und Randolf Schmidt erschrocken zur Seite sprang.
"Donnerwetter, wie der Blitz", entfuhr es Mahnstein. Er starrte den roten Haaren nach, die hinter ihr herwehten, als sie um die Ecke bog und verschwunden war wie verschluckt und man nur noch eilige Schritte hörte.
"Ich lasse Sie rufen", wandte sich Mahnstein mit einer extra Portion Unfreundlichkeit in der Stimme an den Verwaltungsdirektor. Er biß die Zähne zusammen, so daß seine Lippen kaum noch zu sehen waren und ohne einen weiteren Laut von sich zu geben, quälte er sich weiter die Treppe hinauf, niedergedrückt durch das Gewicht seines Körpers und durch die Last seines Amtes. Mit federndem Turnschuhschritt eilte Schmidt die Treppen hinunter. "Griesgrämiges Scheusal", dachte er und strich sich selbstzufrieden über das blondierte Haar, das an den Schläfen bedenklich spärlich wuchs. Kein Wunder, sagte sich der gut erhaltene Fünfzigjährige, daß die Ehefrau dieses Tyrannen ihr Glück bei anderen sucht. Er pfiff eine lustige Melodie, obwohl man im Theater nicht pfeifen sollte. Abergläubische Opernmitglieder behaupteten, es bringe Unglück. Nun, er pfiff drauf, schließlich mußte er sich nach der Begegnung mit Mahnstein wieder in gute Stimmung versetzen.
"Sie übernehmen keine leichte Aufgabe, Schmidt", hatte ihm der Senator vertraulich ans ehrgeizige Herz gelegt. "Intendant Mahnstein ist ein ziemlich harter Brocken. Ein großer Künstler, selbstherrlich, größenwahnsinnig, wie so häufig am Theater zu finden. Außerdem ist er ein rücksichtsloser Verschwender von Steuergeldern. Er herrscht wie ein Patriarch und ist der Meinung, das sei sein gutes Recht. Der Mann ist nicht ungefährlich, er unterhält weitverzweigte politische Verbindungen. Also, Vorsicht ist geboten, Schmidt! Setzen Sie dem haltlosen Treiben ein Ende oder dämmen sie es zumindest ein, ohne den Meister zu sehr zu verärgern. Da ist schon manch einer gescheitert und mußte resigniert unser Flaggschiff Opernhaus verlassen. Ich wünsche Ihnen Glück, Schmidt, Sie wissen, wo Sie mich erreichen können, falls Sie SOS funken müssen."
(...)
"Allora, Insalata di mare e due Rigatoni Sicilia, buon appetito, meine Damen." Der italienische Ober, der, überwältigt von so viel Schönheit, im Handumdrehen einen reservierten Tisch in der überfüllten Pizzeria freigemacht hatte, plazierte die dampfende Pasta auf das rotweißkarierte Tischtuch. "Mmh, Knoblauch." Sie sogen den Duft ein und genossen die urige Atmosphäre, die an Urlaub in Italien erinnerte.
"Übrigens", sagte Jennie zwischen zwei Bissen, "Nelly verbreitet unglaublich niederträchtige Gerüchte. Sie behauptet, du und Marc, ihr hättet ein Verhältnis. Offensichtlich bezweckt sie, einen Keil zwischen unsere Freundschaft zu treiben."
"Die ist jetzt vollkommen durchgedreht oder glaubst du etwa ...?"
"Quatsch!" stieß Jennie heftig hervor und sah plötzlich müde aus.
"Hey, was ist los, kannst du es mir nicht erzählen?"
"Wenn ich selber wüßte, was los ist. Vielleicht bin ich auch nur eine hysterische Kuh, aber ich glaube, daß Marc mich betrügt."
Erschrocken richtete sich Zoe in ihrem Stuhl kerzengerade auf. Marc? Das konnte nicht, das durfte nicht sein. Allein die Idee war aberwitzig. "Wie kommst du darauf? Was in aller Welt läßt dich so etwas vermuten?"
In letzter Zeit gibt es merkwürdige Anrufe. Wenn ich am Apparat bin, wird schnell aufgelegt. Neulich beendete Marc abrupt ein Telefongespräch, als ich ins Zimmer kam. Auf meine Frage, wer es denn war, druckste er komisch herum. Ich spüre, daß er lügt, und ich habe Angst, meine Achtung vor ihm zu verlieren."
"Jennie, überleg mal, könnte es sein, daß du dich irrst. Vielleicht bildest du dir alles nur ein?" Zoe kam sich erbärmlich vor, weil ihr aus Ratlosigkeit nichts Besseres einfiel, als abgedroschene Floskeln.
"Es gibt Zeichen, hier und da, rein zufällig, fast unschuldig. Stück für Stück ergänzt sich das Puzzle und nach einer Weile ergibt sich ein Bild. Zoe, dieser Verdacht ist ekelerregend. Ich habe keine Lust ihm nachzuspionieren. Es vergiftet mich. Eigentlich wollte ich dir das alles nicht erzählen, dich nicht damit belasten, doch jetzt ... jetzt fühle ich mich erleichtert. Diese Gedanken in mich hineinzufressen, ohne mich jemandem anzuvertrauen, war kaum noch auszuhalten."