Primo Levi wird als italienischer Partisan verhaftet und vor die Wahl gestellt, ob er als Partisan sofort erschossen, oder als Jude deportiert werden möchte.
Er entscheidet sich für letzteres und landet in Auschwitz.
Dort trifft er als absoluter KZ-Frischling ein und macht alles falsch.
Er läßt sich Mütze, Schuhe, Löffel und Brot klauen, arbeitet zuviel, ißt zu wenig.
Die abgebrühten KZler lachen ihn aus, machen sich über ihn lustig und bringen ihn so manches Mal in die Bredouille.
Primo Levi versteht es, uns das Staunen und Wundern nahe zu bringen, das jemand erfährt, der ganz neu und naiv in der Welt des KZs landet und noch nicht einmal die Sprache beherrscht, geschweige denn die Sitten kennt.
Hier gelten normale Lebensregeln nicht mehr. Hier ist verkehrte Welt.
Levi schreibt detailliert und sachlich.
Obwohl ich seine extreme Sachlichkeit menschlich verständlich, psychologisch erklärbar und sogar literarisch angemessen fand, war es mir doch streckenweise zu emotionslos.
Was ich allerdings mehr als Hinweis auf meine Lesebedürfnisse, denn als Hinweis auf die Qualität des Buches verstehe.
Wie soll man auch etwas beschreiben, für das es keine Worte gibt?
Lediglich die Fakten zu berichten, kann da das geeignete Mittel der Wahl sein.
Einzig bei seinen erlittenen Demütigungen, ein Kapo wischt die Hand an seiner Schulter ab, eine junge Frau nennt ihn Drecksjude, die Primo Levi auch sehr nüchtern berichtet, scheint trotz aller Sachlichkeit seine starke Betroffenheit durch.
Diese Verletzung seiner Menschwürde konnte er nicht verwinden. Sie war schlimmer als die Schläge der Aufseher.
Levis detailreiche Beschreibungen sorgen für große Eindrücklichkeit.
Der ständige Schlafmangel, die Dreck- und Schneeklumpen, die sich unter den unbequemen Holzpantinen sammeln, der furchtbare Winter, die schreckliche Kälte. All diese kleinen Details, die das Leben unerträglich machen.
Unterbrochen wird die Handlungserzählung ab und zu durch essayistische Einschübe, in denen Levi über das Wesen des Menschen philosophiert.
Obwohl ich nicht mit Levi übereinstimme, daß ein Mensch ist, wer tötet und quält, kein Mensch mehr aber jemand ist, der zur bloßen Kreatur herabgewürdigt wurde, finde ich das Buch doch sehr lesens- und empfehlenswert.
Allein das letzte Kapitel macht es schon lesenswert.
Die SS verläßt das Lager auf der Flucht vor der Roten Armee. Die Kranken, zu denen der scharlachkranke Levi gehörte, konnten nicht auf die Evakuierungstransporte, sprich Todesmärsche mitgenommen werden, und so blieben sie im Lager, ganz auf sich allein gestellt.
Mit wieviel Erfindungsgeist, Mut und Zähigkeit die Kranken aus Levis Baracke nun ohne Wasser, Elektrizität und sonstige Versorgung überleben, ist hochspannend, sehr plastisch beschrieben und könnte schon für sich alleinstehend eine ganze Filmhandlung ergeben.