Buch der 1000 Bücher
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Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Ist das ein Mensch?
OT Se questo è un uomo OA 1947 DE 1961Form Autobiografie Epoche Moderne
Ist das ein Mensch? schildert die Erlebnisse der elf Monate, die Primo Levi von März 1944 bis Januar 1945 im Vernichtungslager Auschwitz verbrachte. Der Autor versucht darin, die leidvollen Ereignisse zu verarbeiten und als Augenzeuge und Überlebender den Ermordeten ein bleibendes Andenken zu errichten. Weder Anklage der Täter noch der Wunsch nach Vergeltung stehen im Vordergrund des Berichts. Levi konzentriert sich vielmehr darauf, die anthropologischen Ursachen und Folgen des Holocaust aufzudecken.
Inhalt: Der Bericht setzt mit der Verhaftung und der Deportation des Autors nach Polen ein. Die Ankunft in Auschwitz bedeutet den Eintritt in eine auf die physische und psychische Vernichtung des Menschen ausgerichtete Welt, in der alle moralischen Werte aufgehoben wurden. Minutiös dokumentiert der Autor die Torturen der Opfer: die Trennung von arbeitsuntauglichen und somit todgeweihten Familienmitgliedern und Freunden, die Erniedrigung zum Arbeitssklaven der KZ-Industrie sowie den von Misshandlung, Hunger, Krankheit und Mord bestimmten Überlebenskampf. Kontrastierende Szenen, die das Erleben eines Sonnenaufgangs, die Beschreibung einer Lagerfreundschaft oder ein Gespräch über Die Göttliche Komödie (1472) von R Dante Alighieri mitteilen, schildern die verzweifelten Versuche der Insassen, ihre Menschenwürde zu wahren.
Levi wird als Chemielaborant eingesetzt. Die »besseren« Arbeitsbedingungen und ein hilfsbereiter Landsmann schützen ihn vor dem unmittelbaren Zugrundegehen. Der schwindende Lebenswille, die systematisch zunichte gemachte Menschenwürde und die im brutalen Überlebenskampf erlöschende Solidarität der Opfer untereinander töten jede Hoffnung ab.
Das Lager wird vor der näher rückenden Roten Armee evakuiert. Die Kranken, unter ihnen der Autor, bleiben zurück. Als Auschwitz befreit wird, sind unzählige der Häftlinge zu Grunde gegangen, die von der SS verschleppten Insassen sterben auf den berüchtigten »Todesmärschen«. Von den ca. 600 italienischen Juden, die ein Jahr zuvor deportiert wurden, ist Levi einer von wenigen Überlebenden.
Aufbau: Die nach 1945 entstandene Holocaust-Literatur ist vor die kaum zu lösende Aufgabe gestellt, den Schrecken der Vernichtungslager in Worte zu fassen. Levi will die Maschinerie der Todeslager bloßlegen und dem Unfassbaren sprachlichen Ausdruck geben. Er verzichtet daher bewusst auf jedes Pathos, um sich dem Gesehenen und Erlebten mit der kühlen Distanz des Chronisten zu nähern.
Die 17 Kapitel des nicht durchgängig chronologischen Berichts schildern exemplarische Einzelschicksale und persönliche Erlebnisse, die das Gesamtausmaß des Holocaust aus historischer und anthropologischer Perspektive entfalten. Die Episoden, die um die Fixpunkte des Lageralltags kreisen Krankheit, Hunger, Zwangsarbeit, Selektion , teilt der um Aufklärung bemühte Autor in naturwissenschaftlichem Ton mit, der die Tragik und Tragweite des Geschehenen sprachlich verstärkt und an die Grenze des Sagbaren treibt. Die Einzelabschnitte des Berichts verknüpft Levi mit allgemeinen Schlussfolgerungen über die Ursachen und Folgen der bis zur physischen Vernichtung betriebenen »Entmenschlichung« der Opfer. Zugleich ist der Autor darauf bedacht, den Holocaust nicht als Fatum, sondern als ein von Menschen an Menschen verübtes Verbrechen darzustellen.
Wirkung: Ist das ein Mensch? stieß erst im Zuge der verstärkten Auseinandersetzung mit dem Holocaust Ende der 1950er Jahre auf internationales Interesse. Die seitdem erfolgten Übersetzungen und Neuauflagen sowie Bearbeitungen für Hörspiel und Theater dokumentieren die anhaltende Aufmerksamkeit, die Levis Bericht bis heute entgegengebracht wird und nur mit dem Erfolg des Tagebuchs der Anne R Frank (1947) zu vergleichen ist. T. S.
Kurzbeschreibung
Dieser Band beschreibt das Jahr, das Primo Levi in Auschwitz verbracht hat: vom Februar 1944 bis zum Januar 1945.
»Nicht um neue Anschuldigungen vorzubringen, habe ich dieses Buch geschrieben«, sagt Levi, »sondern als Dokument für das Studium einiger zentraler Aspekte des menschlichen Seelenlebens.« Die zentrale Frage freilich, die Titelfrage, wird von Levi auf zweifach Weise beantwortet: Mensch ist, wer tötet, wer Unrecht zufügt oder erleidet. Kein Mensch higegen ist, wer darauf wartet, daß sein Nachbar endlich stirbt, damit er ihm ein Viertel Brot abnehmen kann, kein Mensch ist jener, der noch im Todekampf beständig sein Jawohl murmelt. Und unauslöschlicher als die Tätowierungen auf dem Unterarm ist den Überlebenden die Erinnerung an die Zeit, in der sie keine Menschen waren, ins Gedächtnis eingebrannt.