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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein Markt, der noch zu retten ist?,
Von
Rezension bezieht sich auf: Ist der Markt noch zu retten?: Warum wir jetzt einen starken Staat brauchen (Gebundene Ausgabe)
Bofinger beschreibt prägnant die vorhandenen Schwierigkeiten und Fehler in finanz- und wirtschaftspolitischer Hinsicht. Und der Ökonom geht über die Analyse hinaus und bringt die Variante ins Spiel, dass jeder einzelne auch ein Teil dieses Staates ist und ihn mit gestalten muss. Seine Forderungen nach dem "Ende der Entstaatlichung" und weiteren "Handlungskompetenzen für den Staat" könnte eine fruchtbare Debatte entstehen lassen, die notwendig ist.Und Bofingers Thesen halten dagegen, dass sparen, streichen, kürzen" in Think Tanks" der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft als intellektuelles Gemeingut gelten und als alleinige wirtschaftspolitische Kompetenz dastehen und über ihre zahlreichen Botschafter in den Medien kommuniziert werden. Dass jemand aus dem Sachverständigenrat dieses so deutlich sagt, macht sein Werk lesenswert; für Marktliberale wie für Keynesianer; für Betriebswirte wie für Techniker. Bofingers Werk benennt klare Koordinatensysteme, die aus seiner Sicht neu justiert werden müssen und belebt damit die Debatte. Und sein Werk ist außerdem elegant geschrieben und klar formuliert. Es mag durchaus sein, dass Peter Bofinger in der Tradition Ludwig Erhardts denkt und handelt - so wie es die Zeitschrift "The International Economy" beschreibt. Und daraus lese ich eine Tradition, von der heute durchaus gelernt werden sollte, weil sie sowohl ökonomische Kompetenz wie Substanz hat. Dass die Euro-Zone keinesfalls ein privater Haushalt ist und der Haushaltsplan der Bundesregierung nicht der Haushaltsplan einer vierköpfigen Familie mit Eigenheim ist, das müsste sich jedem eigentlich erschließen, denn welche Familie hat schon einen Sozial- oder Verteidigungsetat. Trotzdem nimmt dieser Vergleich leider immer wieder in der öffentlichen Debatte seinen Raum ein. Vielleicht einfach deshalb, weil diese Analogie plastisch und griffig" ist. Richtiger wird sie dadurch nicht. Es geht gar nicht um den alten Streit zwischen angebots- und nachfrageorientierter Politik. Es geht darum, sich als Bundesrepublik zukunftsfähig aufzustellen; intelligent zu sparen und zu investieren. Es geht darum in die Zukunft zu investieren. Bofinger leistet dazu seinen guten Beitrag. Ich hoffe, andere werden seinem Beispiel folgen; egal welche ideellen Gesichtspunkte sie eigentlich zu anderem verleiten mögen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
24 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Neue Balance zwischen Markt und Staat,
Von
Rezension bezieht sich auf: Ist der Markt noch zu retten?: Warum wir jetzt einen starken Staat brauchen (Gebundene Ausgabe)
Die anhaltende Wirtschaftskrise hat vor Augen geführt, dass das Finanzsystem nicht funktioniert hätte, wenn der Staat nicht massiv eingegriffen hätte. Der Markt braucht deshalb ein kraftvolles Gegengewicht durch den Staat, schreibt Peter Bofinger. Ansonsten bekommen in einem ungezügelten Markt selbstzerstörische Prozesse, die systemimmanent sind, die Oberhand. Das Finanzsystem ist derzeit de facto mehr oder weniger verstaatlicht. Der Autor lehrt Volkswirtschaftslehre in Würzburg und ist Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.Aus aktuellem Anlass plädiert Bofinger für eine neue Balance von Markt und Staat. Dafür seien notwendig: (1) Eine hohe Transparenz über die Staatsausgaben, (2) eine stärker an der Leistungsfähigkeit orientierte Abgabenleistung und (3) ein rationaleres Verhältnis zur Staatsverschuldung. Im ersten Abschnitt des Buches geht der Autor auf die gegenwärtige Problematik ein, wie die Finanzmärkte gerettet werden können. Er vertritt hier die Meinung, dass die Weltwirtschaft eine neue internationale Währungsordnung benötigt. Es sei an der Zeit, ein Bretton Woods II zu schaffen. Um zu verhindern, dass der Protektionismus über die Hintertür der Wechselkursmanipulationen aufblüht, empfiehlt der Wirtschaftsprofessor managed floating" als Wechselkurststrategie. Mit den Annahmen der klassichen Lehre, dass die Marktteilnehmer sich extrem rational verhalten und perfekt informiert sind, hat Bofinger ferner nichts am Hut. Im zweiten Abschnitt geht es um die Systemkrise der sozialen Marktwirtschaft. Die aktuellen Zahlen belegen, dass Deutschland von der Finanzkrise deutlich stärker betroffen ist als anderswo, obwohl es im Immobilienmarkt keine Probleme gehabt hat. Verantwortlich dafür ist die deutsche Wirtschaftspolitik, die sich einseitig am Exportgeschäft orientiert. Langfristig braucht die deutsche Wirtschaft ein neues Wachstumsmodell, das verstärkt auf die Binnennachfrage setzt, hält Bofinger fest. Die Exporterfolge wurden bisher teuer erkauft: Durch Lohndumping und Sozialabbau. Während die Ausfuhren in den vergangenen zehn Jahren preisbereinigt um 70% gestiegen sind, ist die Binnennachfrage kaum vom Fleck gekommen. In keinem anderen Land Europas sind die Nominallöhne während dieser Zeitperiode so wenig gestiegen wie in Deutschland. Im Jahr 2008 lagen die Reallöhne brutto wie netto rund 2% unter dem Niveau des Jahres 2000. Kein Wunder, dass in diesem Marktumfeld eine massive Entfremdung der Bürger gegenüber dem Staat zu beobachten ist. Deutschland bricht zwar im Aussenhandel neue Rekorde, zugleich schrumpft aber der Mittelstand und die Armutsquote steigt. Der Markt muss sich immer wieder aufs Neue dadurch legitimieren, dass er möglichst vielen Menschen Wohlstand, Sicherheit und die Perspektive einer besseren Zukunft bietet, schreibt Bofinger. Die anschaulichen Abbildungen sowie Tabellen sind sehr wertvoll und ergänzen das fachkundige Buch optimal. Autors Interesse für die Details ist ein Erkenntnisgewinn für den Leser. Unbedingt lesen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein dringend notwendiges Plädoyer fuer eine wirtschaftspolitische und gesellschaftliche Umkehr,
Rezension bezieht sich auf: Ist der Markt noch zu retten?: Warum wir jetzt einen starken Staat brauchen (Gebundene Ausgabe)
Bofinger analysiert die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise zutreffend. Er geht ihr auf den Grund und zeigt anhand vieler anschaulicher Beispiele auf, wo die Probleme liegen. Das Buch wäre aber nicht so bemerkenswert, wenn es Bofinger dabei belassen würde. Vielmehr weist er auf die vielen Querverbindungen zwischen Wirtschafts- und Finanzpolitik und den Zukunftschancen nicht allein unserer Wirtschaft sondern insbesondere unserer Gesellschaft und unseres Demokratieverständnisses hin. Die Entwicklung der letzten Jahre wird hinsichtlich ihrer Ursachen und Folgen dargestellt. Nachdenklich stimmt, welche Folgen abzusehen sind, wenn die Entwicklung mehr oder minder ungebremst weiter in die selbe Richtung läuft. Da aber auch die Hindernisse einer Umkehr genannt werden, ist Bofingers Analyse umso erschreckender. Man kann sich nur wünschen, daß Bofingers Analyse zusammen mit anderen kritischen Büchern genügend Breitenwirkung zeigt, damit fatale Entwicklungen gebremst werden können und in Politik und Gesellschaft wieder ein Konsens einkehrt, daß ein zukunftsfähiger Staat nur dann fortbestehen kann, wenn es nicht nur einer ausgesuchten Elite immer besser und besser geht, sondern der breiten Masse der Bevölkerung!
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