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"Wir müssen radikal umdenken", bringt Hans-Werner Sinn seine düstere Gegenwartsdiagnose auf den Punkt, und wieder nicken wir und heißen den Münchner Wirtschaftsprofessor willkommen in der großen Schar derer, die endlich Klartext reden wollen. Aber mit welchen Rezepten will er uns denn nun den Weg aus der Malaise weisen? Mit einem "6+1-Programm", das manches Richtige, aber nichts Neues enthält. "Weniger Macht für die Gewerkschaften", schallt der Ruf aus der Münchner Studierstube. Dem wollen wir gerne zustimmen. Wie aber soll man das erreichen? Und wieso sollte nach Jahrzehnten gleichlautender Forderungen ausgerechnet jetzt eine wirklich radikale, also an die Wurzel gehende Steuerreform gelingen?
Und wieso, so fragen wir, sollten die Deutschen der Sinn'schen Aufforderung folgen, wieder mehr Kinder in die Welt zu setzen? Nur um die Richtigkeit seiner Gleichung "Mehr Kinder, mehr Rente mehr Fortschritt" in der Praxis zu beweisen? Oder um sich ohne Not dem Risiko der Verarmung auszusetzen, währenddessen sich die Kinderlosen in all dem Schlamassel weiterhin recht behaglich einrichten? Antworten auf diese Fragen zu finden, ist keine leichte Aufgabe; sie müssen wahrscheinlich sogar immer spekulativ bleiben. Der wirtschaftswissenschaftliche Ansatz bietet sicherlich interessante Anregungen, kann aber wohl für dieses komplexe Thema leider auch keinen Königsweg aufzeigen. --Hasso Greb
Gerade was die Analyse betrifft sind manche Erkenntnisse sicherlich nicht neu - man hat sowieso den Eindruck, dass der aufmerksame Zeitungsleser schon seit Jahren einen deutlichen Erkenntnisvorsprung gegenüber politischen Entscheidungsträgern hat. Das Buch ist allerdings mehr als eine bloße Aneinanderreihung verschiedener Aussagen, die man so oder so ähnlich schon einmal gelesen hat. Dem Autor gelingt es ganz hervorragend, den Gesamtstoff so zu gliedern und aufzubereiten, dass weder überladene Datenflut entsteht noch der Blick auf das Zusammenwirken der verschiedenen politischen, demographischen und marktbezogenen Mechanismen verstellt wird. Wer öfters sowohl wissenschaftliche als auch populärwissenschaftliche Literatur gerader deutscher Autoren zur Hand genommen hat, wird wissen dass dies eine Kunst ist. Die Gedanken des Autors zur europäischen Verfassung und dem Stichwort Sozialunion habe ich noch nirgendwo so gelesen. Auch was das Therapieprogramm Sinns betrifft finden sich dort einige Punkte, die noch nicht oder jedenfalls nicht allzu ausführlich in die tagespolitische Diskussion Eingang gefunden haben.
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