Der vierte Streich der fünf aus Bakersfield geht eine merklich andere Richtung, als das extrem erfolgreiche Vorgängeralbum „Follow The Leader“. Setzt gleichzeitig aber in einigen Punkten wieder stärker an den Wurzeln an. Allerdings nicht in jeder Beziehung.
Auffällig ist vor allen Dingen, dass nach dem groovigen „Follow The Leader“ nun wieder stärker in die Richtung depressiver Gesamtatmosphäre gesteuert wird.
Die Gitarren von „Munky“ und „Head“ bleiben im Tieftonbereich, während deutlich differenziertere Riffs aufgespielt werden, als zuvor. Das starke Übereinanderlagern der Töne erzeugt einen wahren Tieftonsumpf, ähnlich, wie im ersten Album.
Ebenso zieht er einen hinab in die kranke Gedankenwelt, von der Sänger Davis in seinen Texten erzählt. Seine Stimme klingt klarer und „gesanglicher“ als je zuvor, jedoch auch stets etwas weinerlich, was sie in Zusammenklang mit ihrer leicht schrägen Tonlage depressiver als je zuvor klingen lässt.
Dieses Sumpfkonstrukt der Depression wird verdichtet durch einen in der Korn-Historie erstmals sehr starken Einsatz des Synthesizers mit mannigfaltigen Effekten und starken Einsatz von anderen Instrumenten, wie dem Piano.
All dies macht die Komposition dicht, aber auch zähflüssig. Diese Zähflüssigkeit wird einerseits durch einige gewitterausbruchsgleiche Gewaltriffs ausgeglichen, die aufgrund des leiseren Grundtons eine Kontrastintensität erfahren, die bei Korn bislang eher selten war.
Auch die donnernden, tiefen Basslines von „Fieldy“ sind etwas langsamer geworden, sind aber nach wie vor sehr dynamisch und erhöhen so das Tempo der Lieder noch ein wenig, so dass sie nie an ihrer Trägheit verrecken und stets spannend bleiben.
So wie hier erstmals Kompositionsverdichtung mit Effekten betrieben wird, so ist es auch das erste Album der Band, das einem Gesamtkonzept mit kürzeren Zwischensongs folgt, welches sich aber nur sehr schwer erschließt, da es vermutlich die psychischen Vorgänge in einem schwer depressiven Kopf beschreibt. Dieser Rahmen macht das Album jedoch zu einer Gesamtheitserfahrung, was die Intensität stark vergrößert.
Fans des starken Emotionalen Echtheitsgrades der ersten Alben wird dieses Album zutiefst befriedigen. Jedoch ist es auch deutlich weicher und träger, als alle bisherigen Werke der Bakersfielder. Ein Album von enormer Eindringlichkeit, das aber nicht mehr zur Hintergrundmusik oder für die Tanzfläche taugt. Denn der Schwermut trieft hier aus jeder Ritze.