Was iss es denn diesmal? Die grünsten Salate, die nudeligsten Pastagerichte oder die neueste „Friß das Doppelte-Diät? Nichts dergleichen. Trotzdem dreht sich in diesem Buch alles ums Essen. Der Autor Gion Mathias Cavelty z.B. verrät, wie nach einem alten Schweizer Rezept Schriftsteller geschlachtet und anschließend schmackhaft zubereitet werden. Ein Beitrag von Margit Hahn klärt uns über gesunde Ernährung auf: Tomaten und Olivenäl sind gut für die Darmflora; im Rindfleisch ist Eiweiß, das ist gut für die Haare. Verblüffenderweise hat wirklich jeder der 30 Beiträge etwas mit der Lieblingsbeschäftigung einer neunköpfigen Raupe zu tun. Aber hinter der Fassade aus Krokodileiern in Chablissoße und Pfirsichkompott verbergen sich noch ganz andere Dinge: zwischenmenschliche Beziehungen, Ängste, Erinnerungen. Eine der Erzählungen ist von Julia Franck: Ein alter Mann nimmt am eigenen Leichenschmaus teil. Dabei besabbert er sich. Zwei Wochen später stirbt er an Krebs. Spätestens an dieser Stelle dürfte es dem peniblen Leser anmaßend erscheinen, daß Geschichten, die nur sekundär von Lebensmitteln und deren Verzehr handeln, unter einen Hut mit der Aufschrift Essen gebracht werden. Rücken dadurch doch die wahren Protagonisten in den Hintergrund. Doch nur wenige der Erzählungen und Gedichte hinterlassen einen so bitteren Nachgeschmack auf der Zunge. Das Buch bietet eher ausgewogene Kost: heitere Episoden, makabere Begebenheiten und wohlwollende Ratschläge. Daraus ergibt sich ein derbes Gemisch aus Witz und Ekel. Und was der Verlag Kiepenheuer&Witsch den sensiblen Lesermägen als „Créme de la Créme der jungen Gegenwartsliteratur" zum Fraß vorwirft, ist zum Glück kein 30-Gänge Menü, das man gezwungen in sich hineinschlingen muß. Es ist ein kaltes Buffet. Möge sich jeder sein Schmeckerchen heraus-picken.