Finkelsteins Analyse der Operation 'Gegossenes Blei' ist zunächst einmal eine minutiöse Darstellung von Vorgeschichte, Verlauf und Bewertung des Gaza-Massakers. Dabei knöpft er sich in erster Linie israelische und israelfreundliche Rechtfertigungen vor, um sie dann genüsslich als Ideologie zu entlarven. Dabei wird deutlich, dass vor allem das Argument, Israel hätte sich gegen die Raketenangriffe der 'radikal-islamischen' Hamas verteidigen müssen, einer näheren Prüfung nicht standhält. Denn die Raketenangriffe waren in dem der Invasion vorausgehenden, von Jimmy Carter vermittelten, etwa halbjährigen Waffenstillstand praktisch zum Erliegen gekommen. Es war - im Gegensatz zur landläufigen Meinung - Israel, das den Waffenstillstand in der Nacht zum 5. 11. 2008, als die Welt wegen der amerikanischen Präsidentenwahl abgelenkt war, brach. Darauf hat u. a. Carter in der Washington Post aufmerksam gemacht. Zweck der brutalen Kriegsführung gegen eine hilflose Zivilbevölkerung - allein die Zahl der 1400 Opfer auf palästinensischer Seite gegenüber nur etwa einem Dutzend israelischer Opfer spricht für sich - war es, die aufgrund der gescheiterten Libanon-Invasion 2006 gesunkene Abschreckungsfähigkeit Israels, sprich: die Furcht vor dem zionistischen Staat - 'Israels wichtigste Waffe' (Ariel Sharon) -, wiederherzustellen. Finkelstein zitiert hier israelische Stimmen, die diese Sicht zweifelsfrei belegen.
Das zweite ausschlaggebende Motiv für den Gaza-Krieg war, so Finkelstein, die Abwehr der drohenden palästinensischen Friedens- bzw. Verhandlungsbereitschaft. Die Hamas, die sich an den Waffenstillstand gehalten und sich darüber hinaus wiederholt bereit erklärt hat, einen palästinensischen Staat in den Grenzen von 1967 zu akzeptieren - auch dies wird in unseren etablierten Medien weitgehend unterschlagen -, sollte als möglicher Verhandlungspartner ausgeschaltet werden, denn sonst hätte ja ein Frieden 'gedroht', der von Israel den Rückzug aus den besetzten Gebieten verlangt, wozu es offenkundig nicht bereit ist - wie man gerade in diesen Tagen von Netanyahus Besuch in den USA wieder feststellen kann -, denn in dessen Folge wird nicht zu Unrecht ein innerisraelischer Bürgerkrieg befürchtet.
Wer dem Juden (!) Finkelstein - wie hardyhans - hier groteskerweise einen 'antisemitischen Impetus' unterstellt, beweist nur seine Hilflosigkeit gegenüber der brillanten, jeder empirischen Prüfung standhaltenden Untersuchung eines Autors, dem der Jude Raoul Hilberg, Begründer und Doyen der Holocaust-Forschung, schon am 9. 5. 2007 ("Democracy Now") "Scharfsinn und analytische Kraft" bescheinigte, die "ihm seinen Platz in der Geschichtsschreibung sichern ...Die Wahrheit wird am Ende triumphieren, und er wird unter denen sein, die Anlaß zum Triumph haben werden, auch wenn er dafür einen hohen Preis gezahlt hat."
Und der israelische Historiker Avi Shlaim, Professor für Internationale Beziehungen an der Universität von Oxford, eine der weltweit führenden Autoritäten des israelisch-arabischen Konflikts, hält Finkelstein "für einen sehr eindrucksvollen, sehr gelehrten und sorgfältigen Geisteswissenschaftler... einen seriösen, blendend informierten und schlagkräftigen Kritiker der israelischen Praktiken der Besatzung und der Vertreibung der Palästinenser."
Soviel zur ahnungslosen Bemerkung von hardyhans: "Einer mit dem Namen und der Historie [Finkelsteins] darf wohl alles."
Manche Leute weigern sich augenscheinlich aufzuwachen und zur Kenntnis zu nehmen, was für Verheerungen eine rückwärtsgewandte, chauvinistisch-kolonialistische Ideologie wie der Zionismus in der Realität Palästinas seit mittlerweile mehr als hundert Jahren nach sich zieht, wobei die Mitschuld Europas, insbesondere Deutschlands, an dem ganzen Wahnsinn - Stichwort: Antisemitismus und Holocaust (beides gab es im arabischen Raum nicht!) - außer Frage steht.