Pünktlich zum 60-jährigen Geburtstag Israels - am 14. Mai 1948 erklärte David Ben Gurion die israelische Unabhängigkeit - erscheint Sylke Tempels Reisereportage im Rowohlt Verlag. Mit viel Zeit und Offenheit hat sich die Autorin auf diese Reise begeben. Erklärtes Ziel: Die Korrespondentin-Brille absetzen und Israel mit neuen Augen sehen. Keine Interviews mit bedeutenden israelischen Persönlichkeiten führen, sondern Gespräche mit normalen" Menschen.
Und so bekommt der Leser ein sehr persönliches Buch geboten, ein buntes Gemisch aus Eindrücken, Gedanken und Interpretationen. Kenner der biblischen und politischen jüdischen Geschichte werden an den einen oder anderen Stellen vielleicht anderer Meinung sein. Für Einsteiger in jüdische Geschichte aber bietet es einen gut dosierten Einblick, der auf humor- und liebevolle Weise versucht die Gegensätze dieses Volkes für den Leser nachvollziehbar zu machen und von einer Autorin geschrieben wurde, die sich seit 25 Jahren mit Israel und dem Nahostkonflikt beschäftigt. So räumt Sylke Tempel mit einigen Klischees auf, lässt verschiedenste Stimmen zu Wort kommen, macht immer wieder Exkurse in die biblische und historisch-politische Geschichte eines Volkes, dessen Staatsgründung allein auf einer Idee basiert. Palästinenser kommen in diesem Buch nur zur Wort, wenn sie israelische Staatsbürger sind, das heißt aber nicht, dass sie in diesem Buch nicht existieren. Ganz im Gegenteil macht die Autorin das Wunschdenken der Israelis deutlich, pazifistische und beliebte Besatzungsmacht sein zu wollen. Auch die Unterschiede zwischen den ursprünglichen zionistischen Pionieren und den neuen" Einwanderern, deren Integration Israel immer wieder vor neue Herausforderungen stellt, zeigt die Autorin auf.
Eine unterhaltsame und informative Reisereportage. Für alle, die nach Israel reisen werden oder wollen, ein Muss!