Ich muss gestehen, dass es sehr lange gedauert hat, bis wir Israel als Reiseland entdeckt haben. Was hört man nicht für Schauergeschichten über den kleinen Staat, der an seiner schmalsten Stelle nicht einmal 70 Kilometer breit ist. Krieg und Fanatismus auf allen Seiten, Bombenattentate, Raketenangriffe. Schaut man etwas genauer hin, wird einem schnell bewusst, dass Israel seit über 3000 Jahren in diesem Zustand lebt. Sie alle zogen durch das Land, eroberten oder besetzten es: Die Ägypter, die Assyrer, die Babylonier, die Perser, Römer, Araber und Osmanen. Sie wussten warum, denn Israel ist das Land, wo Milch und Honig fließen. Von Galiläa bis hinunter nach Jerusalem ist Israel ein fruchtbares, grünes Land und ganz anders als das Israel, das uns die Sandalenfilme Hollywoods ins kollektive Gedächtnis gepflanzt haben. Und eines ist Israel vor allem anderen: Es ist ein Schmelztiegel der Kulturen: bunt, lebendig, aufregend, spannungsgeladen.
Es ist eine Kunst, diese Vielfalt an Landschaften, Sehenswürdigkeiten und Kulturen, die hier auf engstem Raum zusammenleben, ins Bild zu setzen. Sandu Mendrea ist zusammen mit seinen Söhnen Dinu und Radu dieses Kunststück in eindrucksvoller Weise gelungen. Technisch und gestalterisch perfekte Fotos, die den besonderen Moment einfangen: Eine Lichtstimmung, eine Situation, eine Geste. Das Außergewöhnliche im schon 100 Mal gesehenen. Die Mendreas gelten nicht umsonst als die weltweit führenden fotografischen Chronisten Israels (weniger aus journalistischer Sicht als aus der Sicht der Reisefotografie). Dieser hochwertig ausgestattete Bildband ist sozusagen die positive Essenz ihres Schaffens. Dokumentarische Reisefotografie auf höchstem Niveau.
Und zum Schluss noch ein Tipp für alle Reisefreunde: Nehmen Sie sich einen Mietwagen und fahren einfach durchs Land. Näher kommen Sie Israel kaum und gefährlicher als die USA ist es für Touristen auch nicht.