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Islandhoch: Tagebruchstücke
 
 
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Islandhoch: Tagebruchstücke [Gebundene Ausgabe]

Sarah Kirsch
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 104 Seiten
  • Verlag: Steidl (August 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3882438339
  • ISBN-13: 978-3882438338
  • Größe und/oder Gewicht: 24,2 x 16,5 x 1,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 470.106 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Sarah Kirsch
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Vier Leute reisen nach Island: der Meister und Magarita, Max und die Berichterstatterin. Sie erkunden die Gegend und heben allerhand Fundstücke auf. Hier schaut jemand genau hin und notiert, wenn sich nichts Besonderes ereignet, wenn sich beiläufig einzigartige Landschaften auftun.
Eine wundersame Welt verströmt in diesem Buch ihren diskreten Zauber, weil Sarah Kirsch sie wahrnimmt und in ihre poetische Sprache fasst. Den Band hat sie zudem reich mit Quarellen versehen.

Über den Autor

Sarah Kirsch, geb. 1935 in Limlingerrod im Harz, studierte Biologie und Literatur. Sie war als Lyrikerin schon während ihrer DDR-Zeit stark beachtet. Heute lebt sie in Schleswig-Holstein als freie Schriftstellerin und Malerin. Für ihr Werk wurde sie unter anderem mit dem Heinrich-Heine-, dem Hölderlin- und dem Österreichischen Staatspreis für europäische Literatur ausgezeichnet. 1996 erhielt sie den Georg-Büchner-Preis, 2005 den Jean-Paul-Preis und 2006 den Johann-Heinrich-Voß-Preis.

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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Islandhin. 22. Januar 2003
Format:Gebundene Ausgabe
Islandhin.
Zu Sarah Kirschs nachgereichten Tagebuchaufzeichnungen einer Islandreise

Vielleicht sollte man gar nicht zulassen, dass Botaniker sich schreibend und erkundend einer Landschaft nähern, vor allem, wenn es sich dabei um eine solche handelt, wie sie uns Sarah Kirsch mit der isländischen vorstellt: praktisch baumlos, nur von Gräsern und Kräutern überzogen, so karg wie rau. Dann rutschen diese Menschen auf dem regendurchnässten Lavagrund herum, kauern unentwegt am Boden und haben über weite Strecken von Reise und Text nur noch den Kopf für das magere Grün zu ihren Füßen. Empfindungen für das Großartige, das Ganze, für die Totale und die Erhabenheit einer Landschaft, für das Metaphysische von Wettererscheinungen und Himmel, für die Besonderheit und Einmaligkeit eines solchen Reiseerlebnisses wollen sich nicht einstellen.

So bin ich nicht sicher, ob man nach der Lektüre von Sarah Kirschs Tagebuchaufzeichnungen Sympathie für diese merkwürdige Insel - fern im hohen Norden wie im weiten Atlantik - gewinnt oder eine solche für den schmalen Band, für Kirschs ¼uvre überhaupt.

Da sind etwa die Aquarelle, die wie ohne Anfang und Ende, wie eine feuchte Tapete verkleckst hinter dem Text irrlichtern. Sie sind, ohne ihnen zu nahe treten zu wollen, das künstlerische Antinom zu den, na sagen wir mal stillen, harmonischen Prince-of-Wales-Kabinettstückchen dieser Kunstgattung, denen wir vielleicht irgendwo schon einmal begegnet sind. Ob Kirschs Aquarelle dem Text zuspielen wollen, ihn kommentieren, ist nicht zu erschließen. Ein gutes Stück leben sie aus sich selber und wollen sich gegen die Buchstabenordnung vor ihnen durchsetzen. Vielleicht der Grund, warum dem Buch überhaupt die übliche Seitenangabe fehlt.

Das Stenogramm des Textes wartet immer wieder mit abrupten, chamäleonhaften Gedankensprüngen auf, mit einem Hin und Her, Vor und Zurück der Erinnerungen, Einfälle und Assoziationen. Einmal heißt es: „Abends erglühen die Wangen. Wir sind mit Abwaschen dran." Dann mit pubertären Grobheiten, die wir jetzt gar nicht vertragen können, weil uns die Landschaft sensibilisiert hat und diese Dinge uns gegen unsere Absicht von ihr und ihrer autonomen Zeitrechnung wegholen, uns zurück in die platte Gegenwart und unser ruppiges Deutschland schubsen. Grobheiten, die wehtun. „Es ist sehr angenehm und auch verrückt, sich auf dem leeren Ozean Chopinwalzer durch den Schädel zu jagen, ... Eine Leckmichamarschmusik." Welchem stilistischem Trieb geschuldet sind die Einsprengsel in kindlich-putzigem Deutsch, als hätte Tucholskys Claire aus Rheinsberg bei den Textschöpfungen Pate gestanden? Was bedeuten die gelegentlichen Anlehnungen an die Umgangssprache? Da werden Häuser zu Häusgens, Schuhe zu Gebürgsschuhen, der unbestimmte Artikel auf seine einsilbige Kurzform zurückgeführt.

Man wünschte, Sarah Kirsch käme auf Island ein wenig zur Ruhe, zäumte ihren Drang zum verknappten Text, entsagte für einige Momente ihrem inneren Schöpfungswillen und ließe sich auf eine Landschaft ein, die mit ihrer urweltlichen Überformung, ihrer Wildheit wie ihrer Einsamkeit, ihrer Menschenferne etwas wie ein Sich-Einlassen, ein Sich-Hingeben, etwas wie ein episches Begreifen in ihrer Wahrnehmung einfordert; und dafür etwas zu geben hat: innere Einkehr, Kraft zur Sammlung, einen Blick für die Schönheit.

So sind wir dann doch ein wenig enttäuscht, wie ein Mensch, Mitteleuropäer und Kunstschaffender, angesichts der exotischen Natur, der in ihr angesiedelten menschlichen Eigenbrötelei und der permanenten meteorologischen Ausnahmezustände, im Dialog mit den Geo- und Wetterwundern absolut nicht Kopf verliert, sich höchstens einmal selbst bei einem Luftsprung beobachtet oder die Kassenzettel von gestern durchgeht.

Dabei ist der Text bemerkenswert. Immer wieder überraschen Skizzen von geradezu chirurgischer Präzision, atemberaubende Momentaufnahmen und unvergleichliche Wortschöpfungen: „... der Hraunarfoss [recte] robbt sich unterirdisch durch Lavafelder, um sich danach tausendfältig gekämmt öffentlich in die Tiefe zu stürzen." Oder zum wiedergefundenen Paradies auf der Snaefellsnes-Halbinsel: „Grünes Land, bunte Berge, Menschen, die sich auf den Wiesen bewegten, Pferde und Schafe, lärmende Trecker. Wie der Wind in den fruchtbaren Tälern durch die schwarzährigen Seggen oder das Wollgras lief! Und rotgefärbte spitze Vulkane, vielfarbige Schatten und Wolkengestalten. Ufos, Drachen, Palmen, Mäuler und Münder, seltsames Volk." Das ist schon außerordentlich!

Lohnt das Buch? Ja, es lohnt; trotz allem. Trotz der Kleckse und gedanklichen Luftsprünge. Trotz seiner Schroffheiten, und obwohl es so wortkarg daherkommt, den Text vor das Land stellt. Seinen Wert, sein Kraftzentrum und seinen Impetus bezieht es aus der Brechung des Außen, der Natur, der Menschen, der Reiseumstände und ihrer Wahrnehmung am inneren Mechanismus eines Schöpfungsaktes, aus den kurzen geschnitzten und wie Brocken scharfkantiger Lava geformten Sätzen, dem wetterwendischen Wechsel seiner Gedankenführung und Eigenart seiner Gefühlswelt.

Am Ende kriegen wir noch ein wenig Geschmack auf diese Insel, auf ihre eigensinnigen Menschen und nahen, manchmal wie mit den Händen zu greifenden Gletscher. Auf die kalten, überraschenden Regenschauer. Kriegen Lust auf die warmen Quellen. Die atemberaubend klare Luft. Auf die Stahlbläue des Himmels, die beschwingt das trostlose Grau einer endlosen Kette von Regentagen hinter sich lassen kann. Werden neugierig auf Gustav Georg Winkler und sein Island-Buch von 1861, auch wenn der „keinen Blick für das Irre hatte, für das glücklichmachende Licht, die reinen Farben". Kriegen Lust auf Halldor Laxness, seine skurrilen Gedankenwelten und nordischen Verstiegenheiten, seine Nachsicht mit den Menschen, seine kühle Wärme. Die Reise nach Island, in dieser Welt gebucht und mit irgendeiner Airline angetreten, sie verwirklicht mittels eines Jeeps und eines Zelts im Weglosen, senken wir vielleicht tatsächlich den Blick und suchen mit den Augen, was als Kraut am Boden kriecht. Stellen fest, dass vieles von dem Kleinblühenden im schwarzen Lavasand uns schon einmal begegnet ist, hier aber als reinste Apotheose der ungebändigten Natur aufleuchtet, als eine Allegorie auf das Leben. Spüren jetzt dank der permanente Anwesenheit von Luft und Wasser in reinstem Zustand einen unstillbaren Hunger nach dem Licht des Himmels.

im Januar 2003

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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Mein Lieblingsbuch 12. Januar 2004
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Ich habe das Buch vor einem Jahr geschenkt bekommen und seitdem liegt es neben meinem Bett. Es ist wunderbar vor dem Schlafen zu lesen, bei so viel kühlem Wind und Regen wird einem herrlich warm.
Immer wieder überraschende Wendungen, die lächeln, manchmal auch lachen machen. Kurze Texte genau zwischen Prosa und Lyrik. Kaleidoskopartig Bilder einer Seereise und einer Insel weit im Norden, dabei definitiv aus unserer Zeit. Da wird die Seele weit und träumt sich zwischen Heueier, Papageientaucher (zugegebenderweise auch meine Lieblingsvögel) und Silberwurz.
Ich möchte auch hinfahren und herausfinden, wie denn nun die kleine blaue Blume heißt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Günter Nawe "Herodot" TOP 100 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
"Goldocker das dicke Moos dazwischen Silberwurz, vom Wind sacht gerührt nicht geschüttelt, Islandhoch." Sarah Kirsch überrascht uns mit Erinnerungen an eine Reise nach Island, die sie 1992 zusammen mit Meister und Margarita und ihrem Begleiter Max unternommen hat. Es war eine Reise voller Hochstimmung, wunderschöner Impressionen und denkwürdiger Begegnungen. Die Dichterin Sarah Kirsch, mit ihrer besonderen Beziehung zur Natur, hat vor allem die unverwechselbare isländische Landschaft geschildert.

Diese Schilderung ist voller poetischer Bilder. "Ich war so begeistert von dem was die Augen einfahren konnten, dass ich stundenlang mein Maul hielt und mit der Seele Handstand gemacht hab". Immer wieder erzählt sie fast schon in Form kleiner Gedichte von den überraschenden Herrlichkeiten der Landschaft - mit Bärlapp-Auen und Baby-Geysiren und Lavawüsteneien "wie Stachelbeerkuchen mit Decke". Langstielige Blüten "zittern und zittern und zittern dass man ihnen stundenlang zuschauen möchte". An anderer Stelle ist dieses Island "Eine verwunschene Gegend in schöner Düsternis, dauerndem Wind".

"Fundstücke" all dies - oder wie Sarah Kirsch ihr Buch auch bezeichnet "Tagebruchstücke". Ein Fundstück auch am Gullfoss, wo sie "in ein Märchen eingeschleust" wurden, in einem Coffeehouse. "Dort saß auf dem Klo bei offener Tür ein klatschnasser Mensch, sein Rad draußen an die Mauer gelehnt, sich etwas zu trocknen erwärmen und las und las sehr versunken 'Das wiedergefundene Paradies' von Laxness aus dem Steidl Verlag". Den Literaturnobelpreisträger Halldór Laxness hat sie 1992 ebenfalls getroffen. "Unser herrlicher Dichter lief um den Tisch als wollte er uns entkommen...Nimmt einen mit, solch einen Bewunderten in den Fängen von Sir Alzheim zu finden."

Poetisches und Alltägliches und selbst da, wo sich nicht ereignet, gibt es etwas zu sehen, etwas zu notieren. Die Kirsch beherrscht den lyrischen Ton und überrascht mit prosaischen Schnoddrigkeiten ("Keen Benehmen, nicht ne Spur Etiquette").

So ist nicht nur Island, für die Dichterin ein "Paradies"; dieses wunderschöne Buch ist auch für den Leser ein Paradies, ein herrliches Prosagedicht mit unzähligen Bildern, eines schöner, farbiger als das andere, mit sehr humorvollen Einschüben, mit unvergleichlichen Landschaftsbeschreibungen. Und einmal mehr erfreut uns Sarah Kirsch mit farbenfrohen Aquarellen, mit denen sie das Buch, ihre Texte illustriert. Und am Ende heißt es: "Die wundersame Reise muss sich setzen'. Auch für den Leser, der die Bilder noch langen im Gedächtnis behalten wird.
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