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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Islamophobie in Österreich, 15. Oktober 2009
Erstmals erscheint ein umfangreicher Sammelband zu einem auch in Österreich oftmals verschwiegenen Phänomen unserer Zeit.Längst überfällig war ein Werk wie dieses.
"Islamophobie in Österreich" ist der erste Sammelband, der sich mit dem Phänomen der Islamophobie in der Alpenrepublik auseinandersetzt. Die beiden Herausgeber, die Politikwissenschafter John Bunzl und Farid Hafez, haben dabei drei bereits veröffentlichte und eine Vielzahl neuer Artikel anzubieten. In der Zusammenstellung rund um das Thema Islamophobie ist der Sammelband einzigartig.
Der wissenschaftliche Sammelband ist multidisziplinär angelegt und bietet einen Überblick darüber, in welchen Bereichen des Lebens - Politik, Bildung, Geschichte und Medien - das Phänomen Islamophobie in Österreich anzutreffen ist. Dabei merken die Herausgeber im Vorwort klar und deutlich an, dass in Österreich die Islamophobie kein zu verleugnendes Phänomen darstellt.
Sie geben zu erkennen, dass auch positive Bilder über den Islam vorherrschen. Der Sammelband beabsichtigt aber, die negativ konstruierten Islambilder zu analysieren.
Umfangreiche Herangehensweise
Die AutorInnen, die an diesem Werk mitgearbeitet haben, kommen auch dementsprechend aus unterschiedlichen Fachdisziplinen: Kommunikationswissenschaft, Theologie, Politik- und Rechtswissenschaft, Islamwissenschaft, sowie aus der Kultur- und Sozialanthropologie.
Die beiden Beiträge von Chris Allen und Matti Bunzl beschäftigen sich mit dem Begriff der Islamophobie, ersterer in seiner Genealogie und zweiterer in einem Vergleich mit dem Antisemitismus. Zwei Artikel, von Heine/Pratl und Markom/Weinhäupl beschäftigen sich mit dem Bild des Islams in den österreichischen Schulbüchern und diagnostizieren hier negative Stereotypen wie Gewalt, Frauenunterdrückung und Terror, die mit dem Islam und den MuslimInnen assoziiert werden.
Einer der beiden Herausgeber, Farid Hafez, analysiert die Rolle von Islamophobie bei politischen Parteien. Ein Artikel setzt sich mit der Rolle von Islamophobie bei der FPÖ auseinander und eine Abhandlung wird der Übernahme von islamophoben Stereotypen durch einen nicht-rechten Politiker gewidmet.
Schlechte, aber auch gute Seiten
Die Politikwissenschafterin Jana Kübel analysiert die Instrumentalisierung von Islamophobie im Rahmen des Aufbegehrens gegen den Bau eines Islamischen Kulturzentrums im Wiener 20. Bezirk. Ein Artikel von Hafez/Potz nimmt die gesetzlichen Regelungen zum Moschee- und Minarettbauverbot in Kärnten und Vorarlberg unter die Lupe. Die Rechtswissenschaftlerin Brigitte Schinkele unterzieht den Fall von Mona S. als Gesichtsverschleierte Angeklagte im Gerichtssaal einer kritischen Analyse aus grundrechtlicher Sicht.
Neben einem Artikel von Gudrun Harrer, der sich mit dem Kindermärchen Hatschi Bratschis Luftballon auseinandersetzt, und Rüdiger Lohlkers Analyse eines linken islamophoben Werks gibt es drei Artikel, die sich mit der Rolle von Islamophobie in den Medien auseinandersetzen. Die Politikwissenschafterin Barbara Sonnleitner analysiert die Wochenzeitschrift Profil, der Islamwissenschafter Rüdiger Lohlker einen österreichischen Blog und Karim Saad die Tageszeitung "Die Presse". Während bei ersteren die Analysen katastrophal ausfallen, wird der Tageszeitung "Die Presse" eine ausgewogenere Berichterstattung attestiert.
Bunzl und Hafez haben mit der Zusammenstellung dieses wissenschaftlichen Sammelbandes vor allem eines gezeigt: Das Phänomen der Islamophobie kommt nicht nur aus der rechten Feder und ist eine Form der Ausgrenzung nicht nur von Menschen, sondern wie es im Orientalismus Edward Saids schon heißt, die negative Abgrenzung einer Kultur.
Wenn also darüber diskutiert werden soll, wie verhindert werden soll, dass die neuen JungwählerInnen zur FPÖ überlaufen, dann ist sich nicht nur die Frage zu stellen, was die islamophoben Werbesprüche wie "Daham statt Islam" und "Abendland in Christenhand" dazu beitragen, sondern auch, inwieweit nicht Medien und Schulbücher zur Islamophobie einen Beitrag leisten.
Hier erstmals eine Einsicht in die Tiefe des Phänomen Islamophobie zu geben ist die Leistung dieses Werks. Eine unverzichtbare Lektüre für alle kritisch denkenden Menschen.
John Bunzl/Farid Hafez: Islamophobie in Österreich. Studienverlag. 2009
Autor: Ferdinand Lughofer
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Eine umfangreiche Studiensammlung, 27. Januar 2010
Islamophobie ist gewiss kein allein österreichisches Problem, doch für jedes Land stellt sich dieses Problemfeld anders dar und eine Analyse anhand von Beispielen aus den USA, Großbritannien oder Frankreich lässt aufgrund der dem jeweiligen Land eigenen Umstände selten direkte Rückschlüsse auf Österreich, die Schweiz oder Deutschland zu. Nun unterscheidet sich Österreich trotz gewisser Gemeinsamkeiten teilweise sehr radikal von den beiden letztgenannten Nachbarländern, was das Beispiel Österreich wiederum schwer vergleichbar macht. Manche der Teilbereiche lassen sich allerdings sehr wohl auch auf andere Länder umlegen, wie etwa die sehr interessante Frage nach den möglichen Wurzeln islamophober Überzeugungen in nicht mehr allzu aktuellen Schul- und Kinderbüchern. Da eröffnet sich natürlich ein Problemfeld das gerne heruntergespielt wird, doch auch schon auf ganz anderer Ebene diskutiert wurde, etwa in der Unmöglichkeit ein europäisches Geschichtsbuch zu schaffen, solange "der Große" Nationalheld des einen für den anderen nur "der Schreckliche" Schlächter ist. Diese einseitige Auslegung der Geschichte trifft natürlich umso mehr auf "den Islam" zu, der zudem medial ins Kreuzfeuer genommen wird.
Mit "Islamohphobie in Österreich" wurde eine umfassende Studiensammlung vorgelegt, die sich dieses weitgehend tabuisierten Themas angenommen hat und dabei nicht nur nach möglichen Wurzeln islamophober Überzeugungen sucht, sondern sich dieses sehr breiten Themenfeldes interdisziplinär anzunähern versucht. Die Analysen reichen von Schul- und Kinderbüchern bis zur Berichterstattung des Wochenmagazins "profil" und der Tageszeitung Die Presse" als Beispiele für den Diskurs in so genannten "Qualitätsmedien". Womit wir bereits beim weit seitenreicheren Themenbereich des Buchs sind, dem öffentlichen Diskurs zum Thema "Islam" in welchem die Phobie zum Tragen kommt. Hierzu interessant wäre natürlich auch eine Analyse der auflagenstärksten Massenmedien wie ORF, Kronen Zeitung und Kurier oder wegen ihrer regionalen Vormachtstellung auch Kleine Zeitung und Vorarlberger Nachrichten gewesen. Aber das hätte dem Werk zweifelsfrei eine nicht beabsichtigte Spezialisierung verliehen, was allerdings auch hoffen lässt dass manche der Beiträge dereinst vielleicht die Grundlage für ein eigenes Buch bilden werden. Von Interesse ist dabei natürlich die ebenfalls fehlende Begutachtung der Positionierungen von ÖVP und SPÖ, welche als "Parteien der Mitte" keinesfalls vor dem Einfluss populistischer Argumentationslinien gefeit sind, wie schon am Beispiel des grünen Bundesrates Efgani Dönmez nachzuweisen versucht wird. Wenn auch ungewollt haben sich selbst die Grünen bereits auf islamophobe Diskursstrategien der FPÖ eingelassen. Wie die FPÖ im Hinblick auf Islamophobie Themen setzt und taktisch steuert wird in einem eigenen Beitrag hinreichend beleuchtet.
Dem interdisziplinären Zugang geschuldet ist unter anderem auch das sehr unterschiedliche Interesse das man für die einzelnen Beiträge aufbringen kann, finden sich doch Theologen, Juristen und Politologen in einer mit Soziologen und ein jeder bringt neben seinem eigenen wissenschaftlichen Ansatz auch den ganz persönlichen Stil mit.
Fazit:
Für die abschließende Bewertung sei explizit noch einmal auf die Konstruktion von Islamophobie in Österreich" als Sammelband verwiesen, der sich so eben durch eine enorme Breite auszeichnet. Damit einher geht gleichwohl dass man nicht jedem Thema das angemessene und gleiche Interesse entgegenbringen wird, während man sich zu manchem schlicht mehr Information und vom Band somit bereichsweise mehr Tiefe gewünscht hätte. Aber wie weiter oben schon angemerkt, vielleicht wird es mancher Beitrag eines Tages zum eigenständigen Buch bringen, das dann keine Wünsche mehr offen lässt.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Oh East is East, and West is West, and never the twain will meet, 9. September 2009
Inhalt:
Der Sammelband Islamophobie in Österreich beschreibt unterschiedliche Aspekte von xenophoben Vorurteilen gegenüber Muslimen und dem Islam. Dabei wird unter anderem auf die Darstellung des Islams in österreichischen Schulbüchern, Kinderliedern und Tageszeitungen sowie auf die Parallelen zu antisemitischen Stereotypen eingegangen. Die Autoren entstammen unterschiedlichsten Fachbereichen (z. B. Soziologie, Theologie, Anthropologie, Politik- und Islamwissenschaften).
Mein Eindruck:
Der interdisziplinäre Zugang des vorliegenden Bandes gibt dem Leser Einblicke in die Vielzahl von Facetten, die Fremdenangst annehmen kann. Dabei ist die Sprache mitunter sehr anspruchsvoll, teilweise zu ausufernd. Das erste Kapitel (Das erste Jahrzehnt der Islamophobie) bietet dabei einen besonders schwierigen Start. Der deutsche Text war hier hin und wieder von kompletten englischen Sätzen durchsetzt (ohne Kennzeichnung einer Zitierung, was die Beibehaltung der Originalsprache nachvollziehbar gemacht hätte), von Zeit zu Zeit fanden sich einzelne englische Wörter in einem deutschen Satz. Zudem wurde das Thema sehr trocken abgehandelt. Wenn ich nicht sehr interessiert am Thema wäre und mich nicht bereits intensiv mit dem Thema Islam und Islamophobie auseinander gesetzt hätte, hätte ich hier aufgegeben. Glücklicherweise bietet schon das zweite Kapitel eine spannende Auseinandersetzung mit antisemitischen, antizionistischen und islamophoben Strömungen und eine Diskussion über den EU-Beitritt der Türkei. Auch die nachfolgenden Beiträge sind besser lesbar und sehr viel interessanter.
Mein Resümee:
Die Qualität der einzelnen Beiträge ist (wie häufig in Sammelbänden) sehr abhängig vom Autor und seinem fachlichen Hintergrund. Jedoch bietet das Buch einen guten Rundumschlag zum Thema Islamophobie. Wer sich nicht scheut, anspruchsvollere Texte zu lesen, bekommt sehr detaillierte Informationen zum Thema. Alles in allem ist das Buch zwar sehr speziell auf österreichische Verhältnisse zugeschnitten, doch meiner Meinung nach sind die Botschaften ohne Weiteres auf Deutschland oder andere Länder übertragbar.
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