Das von Thomas Tartsch verfasste Buch stellt eine hervorragende Analyse der derzeitigen und zukünftig zu erwartenden Bedrohung der inneren Sicherheit durch Islamischen Fundamentalismus und Jihadismus dar. Obwohl vom Umfang überschaubar (gut 200 Seiten) geht der Text auf sämtliche in diesem Zusammenhang interessierenden Fragen ein und bietet damit eine gute Möglichkeit, sich zügig über das Thema zu informieren. Hinzu kommt, dass das Werk stilistisch ansprechend und verständlich verfasst ist. Hervorzuheben ist außerdem, dass die genannten Fakten und Indizien zutreffenden Schlussfolgerungen zugeführt werden, ohne mit Rücksicht auf die „political correctness" relativierend auszuweichen.
Zum Inhalt selbst: Bevor der Autor auf Detailfragen eingeht, steckt er zunächst den Rahmen seiner Untersuchung ab und vergisst dabei nicht, die Begriffe „Islamischer Fundamentalismus" und „Jihadismus" zu klären. Aufgrund der Unübersichtlichkeit der islamischen Religionszweige und Organisationen stellt dies eine wichtige Einleitung dar. Gewaltsame Islamisten werden als Jihadisten, polititsche Islamisten als islamische Fundamentalisten bezeichnet. Im Rahmen der Begriffsklärungen wird neben Zitaten aus dem Koran auch auf die geschichtliche Entwicklung von Christentum/Judentum einerseits und Islam andererseits eingegangen. Der Autor scheut sich ähnlich wie die bekannten Islamexperten Hans-Peter Raddatz und Udo Ulfkotte auch nicht, das Gedankengut der Fundamentalisten schonungslos offen zu legen. So wird deutlich, dass Islamisten nicht nur andere Religionen ablehnen, sondern als Endziel die Weltherrschaft des Islam anstreben. Erschreckend wird die Lektüre, wenn der Verfasser vor Augen hält, dass terroristische Aktionen von Islamisten zunehmend dazu führen, dass fundamentalistische Ziele mit Erfolg durchgesetzt werden können; so geschehen nach den Anschlägen in Spanien am 11.04.2004 mit dem Ziel, der den Abzug aus dem Irak versprechenden Opposition zur Macht zu verhelfen.
Im Zentrum des Buches steht folgende These: Der Fundamentalismus als radikaler oder gar extremistischer Protest gegen die Zumutungen der (Post-) Moderne, gegen den technischen und politischen Fortschritt, hat sich in vielfältigen Schattierungen tief in die Struktur der Gesellschaft und ihrer Organisationsformen eingenistet.
Zum Beweis dieser zunächst abstrakt klingenden These geht Tartsch im Folgenden auf aktuell bestehende Bedrohungstrends ein und warnt davor, das vordergründig friedfertige Verhalten der Islamisten zu unterschätzen. Er arbeitet heraus, dass in der BRD ein Potential zumeist türkischstämmiger islamischer Fundamentalisten besteht, deren genau Anzahl jedoch nur geschätzt werden könne. Auf der Grundlage der offiziellen Zahlen gingen Verfassungsschützer von rund 3.000 gewaltbereiten Muslimen und 100.000 politischen Islamisten aus, wobei eine steigende Tendenz zu beobachten sei. Anstatt eine Integrationspolitik zu unterstützen, sei es Ziel, den türkischen Muslimen eine abgeschottete Parallelgesellschaft zu bieten, in der diese nach den Regeln des Korans und der Scharia leben könnten. Durch diesen Widerwillen zur Integration könnten danach die (naiven) Bemühungen der deutschen Gesellschaft, allen voran der Kirchen, nur ins Leere laufen. Unterstützt würden Organisationen wie Kalifatstaat und Milli Görüs nicht nur von zahlreichen „gemeinnützigen" Vereinen, sondern auch vom türkischen Staat. Der vorgeblich so westlich eingestellte Staatschef Erdogan kenne das Verhalten der Taqiya, d. h. die nach dem Islam vorgesehene Erlaubnis, das eigene Bekenntnis in einer als feindlich angesehenen Umwelt zu verbergen. Noch im Jahre 1995, als Bürgermeister Istanbuls, habe sich Erdogan anders gegeben. Er habe einen türkischen Dichter mit den Worten zitiert: „Die Moscheen sind unsere Garnisonen, die Kuppeln unsere Helme, die Minarette unsere Bajonette und die Gläubigen unsere Soldaten". Taqiya führe dazu, dass man sich mit der Möglichkeit abfinden müsse, dass auch derjenige, der sich für ein friedliches Zusammenleben ausspreche, ein islamischer Fundamentalist oder Jihadist sein könne. Zu fordern sei deshalb ein sofortiger Abbruch des bisherigen Dialogs mit erkennbar islamisch fundamentalistischen Organisationen. Stattdessen müsse die breite Bevölkerung besser aufgeklärt werden. Dazu gibt Tartsch mit seinem Buch eine Möglichkeit, die nur jedem angeraten werden kann.
Warum die westliche Gesellschaft die dargestellten Verhaltensweisen der fundamentalistischen Muslime und eine Reihe weiterer schockierender Fakten nicht ausreichend würdigt, lässt der Autor leider offen, war aber aufgrund der thematischen Eingrenzung der Buches auch nicht zu erwarten. Gleichwohl wäre die Ansicht des Autors zu dieser zentralen Frage von Interesse gewesen. Dies vielleicht als Anregung zu einem weiteren Buch zur Thematik.
Tartsch zeigt auf, dass das rechtliche Gerüst der Bundesrepublik ausreichende Möglichkeiten eröffnet, den neuen Bedrohungsherausforderungen gerecht zu werden, stellt aber in Frage, ob diese Möglichkeiten in ausreichendem Maße genutzt werden. Hinzu kämen Hindernisse durch unzureichende organisatorisch und juristisch begründete Verzahnungen der Sicherheitsbehörden auf Bundes- und Landesebene.
Anhand zahlreicher Beispiele belegt Tartsch seine Aussagen und geht dabei auch auf die Themen Kopftuchstreit, Unterdrückung anderer Religionen in muslimischen Ländern (auch der Türkei) und Einfluss der Muslime auf die Presse- und Meinungsfreiheit ein (etwa zur Absetzung des Spielfilms „Nicht ohne meine Tochter" aufgrund von Bedrohungen der Mitarbeiter des Fernsehsenders VOX). Gerade die Unterdrückung der Frau im Islam wird ausführlich und den realen Gegebenheiten entsprechend erschreckend geschildert. Insofern ist das Buch auch anschaulicher als eher theoretische Abhandlungen wie das (hervorragende) Buch „Frauen und die Scharia" von Schirrmacher/Spuler-Stegemann, die einen juristisch-exegetischen Ansatz wählen, der immer diskutabel ist. Die durch Tartsch geschilderten sozialen Repressionen gegenüber der Willkür muslimischer Männer unterliegenden islamischen ("ungehorsamen") Frauen entbehrt jeden Kommentars.
Schließlich geht der Autor auf Mittel zur Bekämpfung der Bedrohungen Deutschlands und auf die in diesem Zusammenhang auftretenden Probleme ein. Er kritisiert, dass die Probleme nicht grundsätzlich, sondern insbesondere nach dem 11. September 2001 aktivistisch durch die sog. Sicherheitspaktete I und II angegangen worden seien. Sie schränkten die Freiheitsrechte unzulässig ein, ohne dass nennenswerte Erfolge haben erzielten werden können. Vielmehr sei erforderlich, dass anstatt kostenloser Gesetze „human intelligence", sprich: Personal, eingestellt werde, um den Islamismus kontrollieren und bekämpfen zu können. Aber auch mangelnde Ausweisungsmöglichkeiten durch Scheinheiraten mit Deutschen oder die Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft werden angesprochen.
Der Autor schließt seine Ausführungen mit 20 konstruktiven Thesen, die das gelungene Werk abrunden. Wer das Buch zuvor ohne eine ideologische Brille gelesen hat, wird diesen nur zustimmen können.
Im Anhang finden sich Interviews, die die gefundenen Ergebnisse bestätigen. Interviewpartner sind u. a. mit Udo Ulfkotte und Hans-Peter Raddatz anerkannte Experten zum Sujet. Letzterer stellte eine „Bringschuld" der friedliebenden Muslime fest und verlangt vom deutschen Rechtsstaat, seinen Geltungsanspruch durchzusetzen, aus dem sich dann eine verbesserte Integration ergeben werde.
Es kommen aber auch der Gründer einer Initiative zur Verhinderung eines Moscheebaus oder ein Mitarbeiter des Zentrums für Türkeistudien in Essen zu Wort.