Wenn man heute durch eine Einkaufsstraße gehen würde und die Menschen befragte, was sie über den Islam wissen, würde man Antworten bekommen wie: „Da werden die Frauen unterdrückt.", „Das ist eine Religion.", „Da dürfen die Männer viele Frauen haben." oder „Das sind extreme Fanatiker.". Eine Mischung also aus Halbwissen und Vorurteilen, aber wenig Information. Wer von uns hat auch schon den Koran gelesen und kennt die abendländische Geschichte und Kultur jenseits der Märchen aus Tausend und einer Nacht. Und diese Unwissenheit begegnet uns nicht nur auf der Straße, sondern auch in der politischen Auseinandersetzung, wenn man führende Persönlichkeiten vom „zivilisierten Westen" sprechen hört.
Es ist also Zeit, sich vorurteilsfrei mit der Religion und der Geschichte der islamischen Welt zu beschäftigen, die im übrigen ja zum Teil vor unserer Haustür oder an unserem Arbeitsplatz beginnt. Paul Lunde (Islamwissenschaftler) ist es mit seinem Buch gelungen, einen Einstieg in dieses komplexe und spannende Thema zu schaffen.
Er beschreibt die Entstehung und Entwicklung des Islam als Glaubensgemeinschaft vom 7. Jahrhundert bis hinein in die Gegenwart. Deutlich werden auch die wechselseitigen Einflüsse mit anderen Ländern und Kulturen, insbesondere der jüdischen und christlichen Welt. Hier gab es bereits in der Geschichte viele Auseinandersetzungen, aber auch fruchtbaren Austausch und friedliches Zusammenleben. Weit mehr ist in unser kulturelles Erbe eingeflossen als orientalische Gewürze und der Genuß von Cafe.
Besonders interessant ist das Kapitel über den Glauben selbst, in dem Grundaussagen aus dem Islam zusammengetragen und z.T. zitiert sind. Weitere Kapitel beschäftigen sich mit Kunst und Wissenschaft, Moderne und Tradition, der islamischen Tradition heute und aktuelle Informationen über die heutigen Länder und ihre Politik und Wirtschaft.
Das Buch läßt sich flüssig lesen. Übersichtlichkeit in der Gestaltung und die reiche Bebilderung machen das Lesen zum Erlebnis.
Sehr empfehlenswert!