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Der umfassende Charakter des Bandes ließ es dem Rezensenten geraten erscheinen, sich inhaltlich zuerst den Abschnitten zuzuwenden, die er aus eigener Beschäftigung mit der islamischen Kunst gut zu kennen glaubt: Sizilien und Unteritalien im 11.-13. Jh. und den Kontakten zwischen Abend- und Morgenland im gleichen Zeitraum. Leider trübte sich nun der erste positive Eindruck zusehends ...
Einen Druckfehler wie "Cefalù Diana" (S. 161, statt Cefalà Diana) mag man noch verschmerzen, obwohl für den nicht fach- oder ortskundigen Leser die Verwechslung mit Cefalù durchaus zu Verwirrungen führen könnte, weil nicht in allen Reiseführern dieses Bad - und damit der Ort - der Erwähnung für wert befunden wird. Es sei Spezialisten für den Orient auch noch nachgesehen, wenn sie die (2.) Krönung Friedrichs II. zum deutschen König (1215 in Aachen), bei der er den Kreuzzug gelobte, mit seiner Kaiserkrönung (1220 in Rom) verwechseln (S. 168). Vielleicht könnte der Hinweis, Friedrich II. sei 1229 "in der Grabeskirche zum König von Jerusalem gekrönt" (S. 168) worden, ebenfalls noch als läßliche Ungenauigkeit angesehen werden, denn es wird zwar in den Quellen übereinstimmend berichtet, daß sich der Kaiser die Krone selbst aufsetzte, über den genauen Charakter dieser Handlung aber ist sich die Wissenschaft nicht einig. Den Titel führte er jedenfalls schon seit seiner Hochzeit mit Isabella von Brienne (1225) und da Friedrich als Gebannter einen Gottesdienst in der Grabeskirche sorgfältig vermied, kann man sich die nach mittelalterlicher Vorstellung religiöse Handlung einer Krönung kaum vorstellen. Doch darf wohl bei Kennern islamischer Geschichte das Wissen vorausgesetzt werden, daß es sich bei dem 1229 abgeschlossenen Waffenstillstand auf 10 Jahre, 5 Monate und 40 Tage (ab 24.02.1229, nach dem Bericht des Makrizi) nach damaligem Verständnis des Verhältnisses zwischen Christen und Muslimen keinesfalls um einen "Friedensvertrag" (S. 168) handeln konnte.
Auf das Fehlen einer kapitelübergreifenden Abstimmung zwischen den Autoren läßt z.B. die Erwähnung einer "Auswanderung der Muslime" (S. 172) von der Insel Sizilien im 13. Jh. schließen, während einige Seiten vorher (S. 159) historisch korrekt die von Friedrich II. durchgeführten Deportationen beschrieben werden. Nur am Rande fiel dem Rezensenten die Verwendung des Begriffes "Reconquista" (S. 172) für die normannische Periode (und die Stauferzeit ?) auf, die üblicherweise nur für Spanien angewandt und auch im Glossar (S. 627) so erläutert wird.
Wer unter der Überschrift "Geschichte" einen Überblick über die bewegte Historie Siziliens erwartet, dürfte einen falschen Eindruck von der Schwierigkeit der normannischen Eroberung gewinnen, wenn er liest, daß Roger de Hauteville "1060 Sizilien [eroberte]" (S. 159). Abgesehen davon, daß er vor allem in der Anfangsphase gemeinsam mit Robert Guiskard das Heer führte, zog sich die Eroberung der Insel insgesamt bis 1091 hin, selbst nach der Eroberung der Hauptstadt Palermo (1072) war also der muslimische Widerstand noch lange nicht gebrochen.
Auf der gleichen Seite findet man den berühmten Mantel aus dem Kronschatz des Heiligen Römischen Reiches als "Krönungsmantel Rogers II." (S. 159) bezeichnet. Wie das inschriftlich 1133/34 datierte Kleidungsstück bei der Erhebung Rogers II. zum König im Jahre 1130 Verwendung finden konnte, wird nicht näher erläutert. Dem Rezensenten schien es bisher auch gesichert, daß es sich bei der Außenseite um bestickte rote Seide handelt, und nicht um "mit Gold- und Silberfäden durchwirkte" (S. 159). Schließlich werden die "den Saum zierenden Stickereien" (S. 159) in der Literatur als Wirkereien beschrieben, was sich auch an der danebenstehenden hervorragenden Detailaufnahme (S. 158) gut erkennen läßt.
Abschließend sei noch einmal Friedrich II. zitiert, der in seinem berühmten Falkenbuch über das Zustandekommen dieses Werkes schrieb: "Wir verschoben jedoch, obgleich Wir Uns seit langer Zeit vorgenommen hatten, Gegenwärtiges zu verfassen, Unseren Vorsatz, es schriftlich niederzulegen, fast dreißig Jahre lang ..." (zit. nach Klaus J. Heinisch: Kaiser Friedrich II. in Briefen und Berichten seiner Zeit. - Darmstadt 1978 [6. Aufl.]. - S.260). Da überliefert ist, daß im Jahre 1248 bei der Eroberung von Victoria eine Prachthandschrift des Falkenbuchs verlorenging, darf man annehmen, daß sich Friedrich II. spätestens seit Anfang der 20er Jahre mit der Absicht trug, dieses Buch zu schreiben. Er dürfte also beim Zusammentreffen mit dem Emir Fakhr ad-Din (nicht "Fakh ad-Din") im Zusammenhang mit seinem Kreuzzug (1228-1229) bereits so weit mit dieser Form der Jagd vertraut gewesen sein, daß ihn dieser nicht erst "in die Kunst der Falknerei ein[führen]" (S. 160) mußte.
Angesichts so vieler Ungenauigkeiten, ja offensichtlicher Fehler, auf so wenigen Seiten wird man es dem Rezensenten wohl nicht verübeln, daß er auf eine weitere Lektüre des Buches verzichtete. Gerade bei einem Werk, das sich offensichtlich nicht nur an ein Fachpublikum wendet, darf man von den Autoren besondere Sorgfalt und Faktentreue erwarten - oder zumindest Hinweise auf bestehende Unsicherheiten des aktuellen Forschungsstandes.
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