Eigentlich schreibe ich diese Rezension nur, weil das gar nicht anders geht. Die fünf Sterne muß ich loswerden. Das war schon nach dem ersten von zig Durchgängen von "Isla" so, weil ich etwas gehört hatte, das ich vorher noch nie gehört hatte. Seitdem frage ich mich: wie machen die vier das? Wie kriegen die das mit Kontrabass, Hang,Elektronik, Schlagzeug und (meist) Sopransaxophon hin, gleichzeitig still, minimal-repetitiv und hypnotisch UND aufregend quirlig, freejazzig wild und voller Intensität zu sein? Das Rätsel stellt sich Song für Song. Viele Stücke fangen ruhig, manche fast still an- meistens durch das glockenreine Hang oder den Kontrabass eingeleitet- und bilden dann auf einmal Strukturen aus wie eine komplexe, immer vielschichtiger werdende Erzählung, die man nicht versteht, die einen aber dann irgendwie so sogartig packt, dass man in ihr förmlich verschwindet und zutiefst fasziniert ist.
Meistens hat dann der Saxophonist, bisweilen elektronisch verfremdet das Thema aufgenommen. Er führt es fort in einer sich ständig steigernden Intensität in manchmal wie in einem wilden Delirium wirbelnden, scheinbar improvisierten stakkatoartigen Klangexplosionen , während im Hintergrund Hang, Kontrabass und Schlagzeug einen hypnotischen Soundteppich knüpfen, vor dem und durch den sich gegen Ende alles harmonisch zusammenfügt wie der überraschende, auf einmal alles erklärende und auflösende Schlussatz einer Geschichte, die so dicht erzählt wurde, dass es gar nicht möglich war, in Distanz zu ihr zu bleiben.
Ungemein faszinierend und von ganz eigener Qualität ist die Homogenität im Spiel der vier Freunde, die zusammen wohnend komponieren. Live (ich habe sie vor kurzem im Quasimodo in Berlin sehen dürfen) wird das besonders deutlich, weil alle vier mit ganz unterschiedlichen Instrumenten und Instrumentstimmen daherkommen. Die Spannbreite zwischen dem Steve Reich der flirrenden "Music for 18 Musicians", einer "Indie-Band" (als die sie sich u.s. selbst bezeichnen) und Jazz findet sich auch im Spiel der einzelnen Musiker wieder und doch schaffen sie es , scheinbar Unvereinbares so zusammenzufügen, dass es eine brillante Einheit, eine Art dissonante Harmonie ergibt, die dann weit mehr ist als die Summe der Teile und von ganz eigener Schönheit. Das Ganze wirkt enorm frisch, wirkt ungehört, wirklich neu und einfach aufregend intensiv, voller Freude.
Ich habe seit langem keine Musik gehört, die ich so sehr als "wahre Entdeckung" empfunden habe. Man hört nicht oft etwas wirklich Neues. Und so ganz kann ich mir immer noch nicht erklären wie die das machen. Egal, Hauptsache, ich kann es hören.
Höchste Empfehlung, höchste Punktzahl.