1999 feierte Ja Rule mit seinem Debüt "Venni Vetti Vecci" einen fulminanten Einstand ins Rap Game - ein neuer Star war geboren. Im Jahr darauf sollte schon das Sophomore "Rule 3:36" folgen, doch zuvor schickte Murder Inc. Boss Irv Gotti seinen Schützling zusammen mit den anderen Labelmates Vita, Black Child, Tah Murdah und 01, die die Crew The Murderers bildeten, gemeinsam ins Rennen, um den Erfolg weiter auszukosten und Ja Rule's Glanz auch auf die anderen zu übertragen. Da es mit "Venni Vetti Vecci" schon so gut geklappt hatte, wurde das Konzept der Rüpel Rapper einfach beibehalten und so kommen wir leider nicht in den Genuss großer Poesie oder lyrischer Abwechslung. Den Großteil der Platte stemmt das Quintett alleine, aber auch Gastbeiträge von DMX, Dave Bing oder Lil Mo findet man auf dem mit stolzen 25 Tracks bestückten Werk vor.
Der Beginn von "Irv Gotti Presents The Murderers" fällt mit den harten "Murderers", "Dem Niggaz", "We Don't Give A Fuck" und "Shits Get Ugly" leider recht eintönig aus. Treibende und aggressive Beats bestimmen hier das Bild, wenig melodische Elemente, einzeln sind die Songs sogar recht ordentlich, auf Dauer kann dies jedoch etwas langweilig werden. Was jedoch auffällt ist, dass die Murderers nicht nur ein Rattenschwanz für Ja Rule, der dennoch herausragt, sind, sonder auch was auf dem Kasten haben, besonders Vita kann sich als einzige Frau natürlich einen kleinen Sonderstatus sichern. "We Murderers" wäre der erste Track, der stilistisch etwas ausbricht. Es handelt sich hierbei um ein Duett von Rule und Vita, die in einer Ride-Or-Die/Bonnie-&-Clyde Manier über das emotional gehaltene Instrumental performen. Sehr gelungene Kombination und insgesamt auch einer der besten Tracks des Album. Dem folgt dann eine Reihe an Solo Stücken.
Den Anfang mach hier Vita's leider recht unspektakuläres "Vita, Vita, Vita", diese kleine Enttäuschung wird jedoch mit Ja Rule's großartigem "How Many Wanna Die" sofort wieder ausgebügelt. Wie so oft in dieser Zeit erzählt uns Rule welch harter Hund er doch ist, mit dem man besser nicht spaßen sollte. Verziert wird seine bissige Vorstellung mit einem Mix aus einer dunklen Hintergrundmelodie und einem kraftvollen, temporeichen Beat, was die Stimmung weiter anheizt. Black Child's "We Getting High Tonight" sorgt dagegen mit chilligen funky Tunes für Entspannung und eine etwas lockerere Atmosphäre, bevor Irv Gotti's erste große Entdeckung überhaupt, die Rede ist von DMX, sein Können mit "Tales From The Darkside" unter Beweis stellen darf. Wie man es vom Mann aus Yonkers kennt wird erst mal böse geknurrt und gebellt was das Zeug hält, danach wird mit dem rauen Organ über die düstere und unheimliche Produktion gerappt, ganz im Stile seiner ersten Alben, so wie man es am Liebsten von ihm hört. Auch Tah Murdah kommt nicht zu kurz, sein eigener Song heißt "Get It Right" und überzeugt ähnlich wie Black Child's Stück mit angenehmen Grooves und lockerer Stimmung.
Mit wummerndem Bass und durchgehender Fanfaren-Begleitung kommt "We Different" um die Ecke. Hier stehen Tah Murdah, Black Child und Ja Rule am Mic, alle mit dunkler Stimme ausgestattet, jedoch merkt man Rule deutlich an, dass er den besten Flow hat und daher auch verdient die wichtigste Figur dieser Platte ist. Gegen Ende von "Irv Gotti Presents The Murderers" bekommt man sogar auch noch ein paar R'n'B angehauchte Lieder geboten. Zunächst wäre da "If You Were My Bitch", das schon fast in die G-Funk Ecke gehört. Der herausragende Mann hier ist Sänger Shady, dessen Vorstellung, besonders der Refrain, den Song prägt, da fallen die Kollegen Ja Rule, Tah Murdah und Black Child kaum ins Gewicht. R'n'B Titel Nummer 2 wäre "Somebody's Gonna Die Tonight", bei dem der damals ebenfalls bei Murder Inc. gesignte, hier jedoch zu kurz gekommene Dave Bing auch mal seine Chance bekommt. Ihm steht Lil Mo zur Seite, die den Gesangspart beisteuert und gemeinsam mit Dave Bing aus diesem fröhlich groovende Stück noch mal ein kleines Highlight macht, bevor man mit dem "Holla Holla" Remix das wohl beste Stück erreicht. Der Beat blieb exakt der selbe wie beim Original, dafür rappen hier neben Ja Rule auch noch Jay-Z, Vita, Black Child, Memphis Bleek und Busta Rhymes mit und verbessern den eh schon guten Headbanger noch um ein Stück.
"Irv Gotti Presents The Murderers" ist eine durchgehend gut anzuhörende Platte geworden, lediglich die zahlreichen Skits stören den Hörgenuss etwas. Ausfälle liefern sich die Murderers keine, dafür fehlt es aber an richtigen Hits, außerdem hat man bei vielen Songs das Gefühl, dass es sich lediglich um guten, allerdings nicht herausragenden Standard handelt. Wer Ja Rule's "Venni Vetti Vecci" hat sollte sich dies als gelungene Fortsetzung nach Hause holen, ansonsten ist es ein Album, das man zwar nicht unbedingt braucht, sich jedoch sicher gut in der Sammlung macht.