Man erwartet bei einem Sequel ja nicht, dass die Qualität einer Jane Austen erreicht wird, das wäre unfair.
Aber man erwartet als Leser erstens einen Roman, in dem die Charaktere der Vorlage nicht grundlegend verändert werden. In diesem Roman finden wir aber z.B. eine Jane Bingley vor, die ihr ausgeglichenes Wesen abgelegt hat und durchaus in der Lage ist, schlecht über andere zu reden und sich zu ärgern, sogar zum Wohle ihrer schwester Lizzy irgendwelche Tricks anzuwenden
Und ausgerechnet Mr. Darcy begeht die Taktlosigkeit, die er seiner Schwiegermutter vorgeworfen hat, indem er versucht, Miss Bingley zu verheiraten, und lädt deswegen allabendlich irgendwelche heiratsfähigen Junggesellen zum Abendessen ein. Man stelle sich vor!
Außerdem hofft man, dass der Roman gut geschrieben ist, ist er aber nicht.
An die Stelle von Austen'schen Dialogen, in denen sich die Charaktere entwickeln, in denen die Handlung - eine bezaubernde Liebesgeschichte - vorangetrieben wird, tritt ein Erzähler, der uns platt sagt, wie wir was und wen zu verstehen haben.
Als Höhepunkt der langweiligen und verworrenen Geschichte muss wohl gelten, dass Lizzy im Regen stolpert, hinfällt und eine Lungenentzündung bekommt, an der sie dann seitenlang laboriert.
Ausgerechtnet Darcy kommt auf die Idee, diese in Bath zu kurieren. Direkt nachdem er sich große Sorgen darüber gemacht hat, dass Elizabeth möglicherweise viel zu früh aus dem Bett aufgestanden ist, wird auch schon eine mehrtägige Reise dorthin angetreten. Und dortselbst wird eine Art "Verwicklung" konstruiert, bei der Darcy verhindern will, dass Elizabeth - immerhin nach fast zwei Jahren Ehe - merken könnte, dass ihre neuen Verwandten sie aus Standesdünkel ablehnen und in Bath schneiden, schließlich sei sie noch so krank und sehe schlecht aus, was Darcy, der perfekte Gentleman, ihr auch mehrfach sagt: "Du hast wohl schon länger nicht mehr in den Spiegel geschaut." (S. 74)
Auch sprachlich überrascht dieses Sequel den Leser, indem z.B. einfach mal das Jahrhundert verlassen wird. Sowohl die Redeweise unter den Eheleuten, Geschwistern und Freunden mutet unpassend modern an, auch die Wortwahl: da ist z.B. mehrfach die Rede davon, dass Caroline Bingley und Mrs. Hurst "lästern" und dergleichen.
Kurzum: Der Roman ist auf eine ärgerliche Weisen langweilig und unpassend, mit einem Wort: misslungen.