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4.0 von 5 Sternen
Etwas zu verschwörungstheoretisch, vom Kern her aber eine berechtigte Wissenschaftskritik, 23. Mai 2009
Luc Bürgin listet nicht nur wissenschaftliche Fehlurteile und Irrtümer auf, sondern er kritisiert die Wissenschaft als Ganzes, ihre Methodik sozusagen. Und tatsächlich steht es um die Wissenschaften heutzutage schlecht, sehr schlecht sogar. So unterliegen einige Disziplinen sehr stark wirtschaftlichen Interessen, während sich andere durch selbst auferlegte Dogmen quasi handlungsunfähig gemacht haben. Da darf es dann nicht wundern, wenn etwa die Biologie die gesamte Evolution des Lebens auf die Gene zurückführt und jeden davon abweichenden Gedanken als Lamarckismus diskreditiert, während umgekehrt in der Soziologie praktisch jedes biologische Argument als Biologismus gilt, der aber abzulehnen ist, da sich der Mensch längst aus der biologischen Evolution verabschiedet habe. Wie so etwas möglich sein soll - und wie man das so ganz ohne biologisches Fachwissen überhaupt beurteilen will - bleibt das Geheimnis der die Thesen vertretenden Forscher. Einige Rezensenten haben bemängelt, der Autor habe die wissenschaftliche Methode nicht richtig verstanden. Es sei geradezu das Prinzip der Wissenschaften, zunächst einmal skeptisch gegenüber neuen Theorien zu sein. Nur weil etwas neu und gewagt sei, müsse es keineswegs auf baldige Akzeptanz stoßen. Das ist zwar richtig, doch dann sei auch die Frage erlaubt, warum so bemerkenswert viele unsinnige Theorien auf so viel Resonanz innerhalb der Wissenschaften stoßen. Hier könnte sich der Verdacht aufdrängen, dass manche Theorien in den jeweiligen Fachdisziplinen nur deshalb auf breite Akzeptanz stoßen, weil sie bestimmten Interessen genügen, und ihre Richtigkeit folglich gern gesehen wird. Das Argument der Rezensenten ist aber noch aus einem anderen Grund problematisch: Manche Theorien werden nämlich keineswegs erst nach ihrer Veröffentlichung im wissenschaftlichen Diskurs abgelehnt, sondern bereits vorher. Für sie hält die Wissenschaft eine ganz besondere Wunderwaffe bereit: Die Nichtveröffentlichung. Beispielsweise konnte Amotz Zahavi seine bahnbrechenden Erkenntnisse zur biologischen Handicap-Theorie nur deshalb jahrelang nicht in den renommierten Fachzeitschriften unterbringen, weil anderen diese Theorie ganz und gar nicht behagte. Ein ähnlich gelagerter, jedoch geradezu empörender Fall ist hier (siehe Diskussionsthread Sexualität) nachzulesen. Man fragt sich unwillkürlich: Warum ist das so? Stimmt irgendetwas mit der wissenschaftlichen Methode nicht, oder wo liegt das Problem. Eine recht plausible Antwort findet sich in Evolution, Zivilisation und Verschwendung: Über den Ursprung von Allem. Gemäß Mersch basiert der Selektionsprozess in den Wissenschaften auf der Gefallen-wollen-Kommunikation, genauso wie in Pfauenpopulationen, auf modernen Märkten oder bei politischen Wahlen. Doch anders als in den gerade genannten Fällen gibt es - wie Mersch erläutert - in den Wissenschaften keine saubere Trennung zwischen Anbietern und Selektierern. Wissenschaftliche Gemeinschaften sind für ihn vergleichbar mit Populationen aus lauter Pfauenmännchen, die ihre Schweife fortwährend gegenseitig präsentieren, vergleichen und beurteilen. Dies dürfte auf Dauer nur dann reibungslos funktionieren können, wenn die Wissenschaftler fair handeln und primär am Erkenntnisgewinn interessiert sind, wovon aber in der heutigen Zeit nicht mehr ausgegangen werden kann. Tatsächlich stoßen neue Erkenntnisse vielfach nicht mehr unbedingt auf das Interesse und das Wohlwollen der wissenschaftlichen Gemeinschaft, sondern sie müssen in einem kräftezehrenden Prozess gegen massive Widerstände durchgeboxt werden, die ja insbesondere deshalb bestehen, weil die neuen Erkenntnisse die Reputation und damit die Interessen der anderen, konkurrierenden Wissenschaftler tangieren könnten. Damit die Wissenschaften auch in einer Welt aus lauter Egoisten handlungs- und innovationsfähig bleiben können, haben sich in ihnen üblicherweise Dominanzhierarchien etabliert. Anderes gesagt: Nicht alle Pfauen sind gleich, sondern einige unter ihnen gleicher. Und die besitzen dann die Macht, über das Schicksal neuer Theorien zu verfügen. Mersch empfiehlt deshalb die Einrichtung neutraler Instanzen, die in Zweifelsfällen konsultiert werden könnten.
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20 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Verkannte Genies im Wissenschaftsbetrieb, 11. August 1999
Von Ein Kunde
Lediglich durch Zufall entdeckte ich im Vorbeigehen das Buch in einer Straßenauslage. Da ich beruflich mit der Wissenschaft verbunden bin, gab der Titel Hoffnung auf einige interessante Aspekte der Wissenschaftsgeschichte. L. Bürgin zeigt an prominenten Beispielen, das es nicht ausreicht die richtigen Dinge zu erfinden oder die korrekte wissenschaftliche Theorie zu finden und zu veröffentlichen, wenn alle anderen der gegenteiligen, wenn auch falschen Meinung sind. Zum Beispiel wurden C. Röntgens neuen Strahlen in medizinischer Hinsicht keine Anwendung zugetraut und L. Boltzmann beging unverstanden Selbstmord, da zu seiner Zeit niemand an Atome als Materiebausteine glaubte. Warum hielt sich eine so abstruse Idee wie die Phlogiston-Theorie solange in den Köpfen der Gelehrten? Wer da glaubt, solche, mitunter offensichtliche Ignoranz gegenüber neuen Vorstellungen und Entdeckungen sei ein Relikt der Vorzeit, sieht sich mächtig getäuscht. L. Bürgin zeigt, daß diese Tendenz bis in die heutige Zeit reicht. Der australische Arzt B. Marshall entdeckte, daß ein Bakterium im Magen überleben kann (Helicobacter pylori) und als häufige Ursache für Magengeschwüre verantwortlich ist. Bei der Präsentation seiner Daten auf einem Kongress wurde er von einigen führenden Wissenschaftlern mitunter lautstark miskridetiert. Heute gibt es Atemtests zur Indikation des Bakteriums und der Antibiotikaeinsatz ist eine Standardmethode dagegen geworden. Für einige Leser mag es vielleicht nicht so wichtig sein, wer als erster auf die Idee der Dampfmaschine, des Telefons oder des U-Boots kam, oder auch wer als erster mit einem Flugzeug flog. Wer hier genauer hinsieht wird dort Namen wie J. Watt, G. Bell oder die Gebrüder Wright vermissen. Ehre, wem Ehre gebührt. 'Es ist besser etwas zum zweitenmal zu entdecken, dem ersten Entdecker glaubt man nicht' (sinngemäßes und zu diesem Buch sehr treffendes Zitat eines Professors) (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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94 von 127 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
unfundiert, und einfach nur schlecht, 30. Juni 2001
Ich bin sehr enttäuscht gewesen. Das Thema Wissenschaftskritik ist wichtig und spannend, nach der Lektüre von Federico Di Trocchio: Der grosse Schwindel - Betrug und Fälschung in der Wissenschaft, hat mich das Thema ja sehr interessiert, was ich dann aber in dem Buch von Luc lesen durfte war eine herbe Enttäuschung. Der Autor hat nicht den Hauch einer Ahnung was Wissenschaft ist, er kritisiert sie von aussen ohne ihre Vorzüge verstanden zu haben. An der Wissenschaft als System gibt es genügend zu kritisieren, wer jedoch das Kind mit dem Bad ausschüttet liegt voll daneben. Dieses Buch wird daher nur in den Bibliotheken verwirrter Esoteriker und Wissenschaftshasser landen, jeder der auch nur ein wenig Ahnung von Wissenschaft hat, wird es gelangweilt weglegen, selten so ein Buch gelesen, und mich dabei über den Kaufpreis so geärgert. Wenn er so tut, als ob alle Befürworter umstrittener Theorien nur deshalb verkannte Genies sind, weil die böse Wissenschaft sich dagegen wert, dann hat er einfach nicht verstanden, warum Wissenschaft auch konservativ sein muss. Stellt euch vor die Wissenschaft würde sich sofort ändern, nur weil jemand behauptet, ey Gravitation werden durch neutrinos erzeugt ebenso Hellsehen usw. Nein es werden Belege gefordert und das mit Recht. Was der Autor auch nicht erklären kann ist, warum sich denn revolutionäre Ideen trotzdem durchsetzen: Einstein, Alfred Wegener usw. Während andere Behauptungen abgelehnt werden bspw. die Homöopathie die in 200 Jahren immer noch noch nicht den Nachweis einer Wirkung erbracht hat. Aber solche Befürwortern werden jetzt mitluc Bürgins buch wedeln und sagen, hier, die böse Wissenschaft, traurig, traurig. Das Buch ist viel zu polemisch und verwechselt Skeptiker mit Dogmatikern, aber solche Bücher verkaufen sich auch besser. Ich kann nur mit einem Zitat aus der Rezension im Skeptiker - ZEitschrift für Wissenschaft und kritisches Denken, 1/2000, S. 61 enden: Bei Luc Bürgin (handelt es sich ) um einen Exohäretiker, der die Wissenschaft von außen kritisiert, ohne ihre Methodik (und damit ihre Beschränkungen) wirklich verstanden zu haben"
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