Das Buch enthält 100 kurze Texte, alle jeweils etwas mehr als eine Seite lang. Der Untertitel bezeichnet sie als "Romane in Pillenform" und so ist auch nahezu jedes Genre vertreten - Liebesromane, Science Fiction, historische Darstellungen, Geschichten von der Einsamkeit, philosophische Erzählungen. Aber ganze Romane sind es natürlich nicht. Es handelt sich um Ansgangssituationen für einen Roman, die der Leser weiterspinnen kann.
WER IST DER AUTOR?
Giorgio Manganelli ist ein ziemlich hässlicher, zweifelsohne fetter Mann, dennoch wirkt seine Hässlichkeit nicht abstoßend, da er eine Eigenschaft hat, die einer seiner Musikfreunde folgendermaßen definierte: "Du bist nicht anthropomorph." Man kann ihn also nicht einordnen. So heißt es im Nachwort. (S. 131). Er wurde 1922 in Mailand geboren, lebt in Rom. Seine Prosa ist nicht gerade leicht lesbar, verbindet Analyse und Meditation mit den erzählenden Passagen.
WIE IST ES GEMACHT?
Wenn man dieses Buch - auch über mehrere Tage hinweg verteilt - hintereinander liest, tritt schnell ein Ermüdungseffekt ein. Es hat sicherlich etwas Spielerisches und auch Phantasievolles, sich immer neue Anfangskonstellationen auszudenken, wenn es aber über sie nicht hinausgeht, sich nichts entwickelt, keine Handlung entsteht, dann wird es langweilig - obwohl es immer wieder Stellen gibt, an dem man sich über den geistvollen und schönen Stil des Autors freuen kann.
DER ERSTE SATZ:
Nehmen wir einmal an, dass eine Person die gerade einer anderen Person einen Brief schreibt - das Geschlecht bzw. die Geschlechter sind dabei unwesentlich - in einem bestimmten Augenblick den Verdacht hegt oder einfach bemerkt, leicht betrunken zu sein.