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Nach drei Jahren des Versuchs, die Mittelmeer-Region des türkisch-osmanischen Reichs zu besetzen, zieht sich die griechische Armee im Sommer 1922 geschlagen aus Kleinasien zurück. Tausende von Soldaten fliehen Richtung Küste, um von dort aus zurück in die Heimat zu gelangen. Eine Brigade jedoch hat sich verirrt, mitten in der anatolischen Wüste und ohne jeden Funkkontakt nach außen.
General Nestor scheint seine Truppen im Kreis zu führen, chancenlos und ohne Aussicht auf Rettung. Abhängig von immer größeren Mengen an Morphium, gibt er sich seiner Leidenschaft für die griechische Mythologie hin, während die Moral seiner Offiziere langsam im Wüstensand versinkt: eine Reihe von Diebstählen gibt ebensolche Rätsel auf wie die kommunistischen Pamphlete, die seit geraumer Zeit allmorgendlich im Lager entdeckt werden. Die Erinnerung an ein gemeinsam verübtes Massaker drängt zudem immer stärker in die Köpfe der Soldaten und droht ihnen allmählich den Verstand zu rauben.
Da hilft auch das Wort Gottes nicht, das Pater Simeon über sein Megaphon verbreitet, bis seine Bibel eines Tages einem Unglück zum Opfer fällt. Erst als der Tross auf eine bisher vom Krieg verschonte griechische Siedlung stößt, scheint sich das Schicksal zu wenden. Doch anders als der Herr kennen die nach Gerechtigkeit heischenden Furien keinerlei Gnade, und so folgen sie rachsüchtig den Männern in das scheinbar friedliche Dorf.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Was für ein Debütroman!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Irrgarten: Roman (Taschenbuch)
Perfekt aufgebaut und ganz wunderbar geschrieben: bunt, bilderreich, tragikomisch, packend. Jungautor Panos Karnezis hat meiner Ansicht nach das Zeug, zu einem ganz großen Schriftsteller zu werden.Sein Roman handelt von dem Rückzug eines Teils der griechischen Armee aus dem anatolischen Hinterland. Die geschlagene Truppe irrt durch die Wüste und gelangt schließlich in ein abgelegenes Dorf, welches noch einen griechischen Bürgermeister hat, und in dem alles beim Alten geblieben zu sein scheint. Doch der physische und moralische Zerfall der alten Ordnung geht auch hier unaufhaltsam weiter... Wenn Sie Friedrich Glausers Wüstenroman "Gourrama" mochten, und Filme von Federico Fellini schätzen, gefällt Ihnen dieses Buch ganz bestimmt; denn Panos Karnezis ist ein besonders vielversprechender Jungautor, der poetisch, bilderreich und garniert mit schrägen und komischen Einfällen sowie viel Hintergrundwissen aus der griechischen Mythologie seine Geschichten erzählt. Geschichten, die sich dadurch auszeichnen, dass alle Personen, die darin vorkommen, trotz allergrößter moralischer Mängel immer noch irgendwo liebenswert sind und ihre fatalen Handlungen menschlich verständlich bleiben. Die von Karnezis geschaffenen Charaktere haben das Zeug dazu, so unsterblich zu werden wie Giovanni Guareschis Don Camillo und Peppone. Da gibt es zum Beispiel den diebischen Priester, der eigentlich Missionar werden wollte und den morphiumsüchtigen General, der vergessen will, dass er ein Massaker befohlen hat. Wir lernen den gewissenhaften Kommunisten aus Liebe kennen, die schöne Hure mit Vergangenheit, den korrupten Bürgermeister mit seiner Leidenschaft fürs Pfadfindertum, den Krämer, den Truppenarzt und seinen Sanitäter, den Dorfschulmeister, den buckligen Gärtner, ja selbst den Hund des Priesters wird man nie wieder vergessen können; so lebendig beschreibt Panos Karnezis seine Romanfiguren. Das Buch ist etwas für den Leserausch und ich könnte mir gut vorstellen, das es einmal verfilmt wird. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Irrfahrt durch die Geschichte,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Irrgarten: Roman (Taschenbuch)
1919 beginnt das anatolische Abenteuer der griechischen Armee. Nach der Niederlage des osmanischen Reichs im ersten Weltkrieg will man die türkische Ägäisküste und weite Teile ihres Hinterlandes annektieren. Drei Jahre dauert dieser Krieg, der mit einer verheerenden Niederlage endet. Die Armee flieht geschlagen zur Küste.Eine Brigade hat sich verirrt, abgeschnitten vom Nachschub und vom Rest des griechischen Heeres marschiert sie durch die anatolische Steppe und versucht einen Fluchtweg zur Küste zu finden, einen, der noch nicht von der türkischen Armee kontrolliert wird. Aber statt die Küste zu erreichen, marschiert man nur im Kreis. Die Moral der Offiziere wie der Soldaten sinkt auf dem Nullpunkt, der kommandierende General Nestor ist morphiumsüchtig, immer wieder tauchen kommunistische Flugblätter auf und rätselhafte Diebstähle demoralisieren die Brigade zusätzlich. Obendrein belastet ein Massaker, dass General Nestor befahl, zusätzlich die Truppe. Der Priester der Brigade versucht das Wort Gottes mit seinem Megaphon zu verbreiten, aber auch er scheitert. Für Religion haben die halb verhungerten Soldaten noch weniger Verwendung als für kommunistische Manifeste. Dann stößt die Truppe durch Zufall auf eine griechische Kleinstadt und das Schicksal scheint sich zu wenden. Doch nicht lange. Denn 1922/23 gibt es kein Happy End, das nackte Leben zu retten, ist schon fast ein Wunder. Panos Karnezis will eine Tragödie schildern, aber das gelingt ihm nicht. Sein Roman ist immer dort am besten, wo er die absurden Seiten erzählt: Von der Badewanne, die von den Usa über Mexiko in den afrikanischen Urwald reist, um schließlich bei einer französischen Lebedame in Anatolien zu landen zum Beispiel. Oder von dem Pater, der davon träumt, der "Apostel der Anatolier" zu werden. Oder die neuen Methoden der Kommunisten, über Kontaktanzeigen Anhänger zu gewinnen. Wo der Roman tragisch werden möchte, verliert er seine Glaubwürdigkeit. Dass Massaker, das angeblich dem General die Ruhe raubt, glaube ich ihm als Leser nicht. Nicht, dass es in diesem Krieg nicht Massaker genug gegeben hätte. Aber die wenigsten haben den Tätern die Ruhe geraubt - auch die meisten Nazi-Mörder konnten gut schlafen. Und das Massaker im Roman wird immer mal wieder erwähnt, lebendig wird es nie. Eher scheint es ein Konstrukt des Autors zu sein, der damit Tragik erzeugen will. Don Camillo und Peppone eignen sich auch in Griechenland nicht als tragische Helden und Panos Karnezis Stärke sind wohl eher solche absurden Geschichten. Was nicht heißt, das das Buch nicht lesbar und teilweise spannend ist. Nur scheitert der Autor dabei, einen Roman, eine Tragödie schreiben zu wollen. Der Roman ist in Wirklichkeit ein Sammlung von Geschichten und die Tragödie wirkt konstruiert. Nach "Traum aus Stein und Federn" ist "Der Irrgarten" der zweite Text dieses Jahr über das griechisch-türkischen Desaster. Mit dem ersten Weltkrieg begann es, gipfelte in den Massenmord an den Armeniern und führte zu den ersten ethnischen Säuberungen des zwanzigsten Jahrhunderts. "Traum aus Stein und Federn" ist das bessere Buch, aber auch das einseitigere, das alle Schuld an der Katastrophe Armeniern und Griechen in die Schuhe schiebt. Diesen Fehler begeht Panos Karnezis nicht. Aber er kann diese Tragödie noch weniger fassen, geschweige den gestalten. Beiden Büchern muss man zu gute halten, dass sie diese vergessenen Ereignisse in Erinnerung rufen. Denn was 1915-1923 geschah war der Vorbote des Holocausts und der Massenmorde der neunziger Jahre. Doch auf eine angemessene Darstellung der griechisch-türkischen Katastrophe muss man wohl weiter warten. (C) Hans Peter Roentgen Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Labyrinth der Metaphern,
Rezension bezieht sich auf: Der Irrgarten: Roman (Taschenbuch)
Ein geniales Buch! Wer am gekonnten Wortspiel, an unglaublich phantastischen metaphorischen Vergleichen, an einer subtilen Charkterzeichnung sowie an der puren Freude am Fabulieren seinen Lesespaß findet, der ist hier absolut richtig. Diesen Autoren würde ich gerne mal treffen, um bei einer Tasse türkischen Mocca über den Wahnsinn der Welt und der Worte zu diskutieren.
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