Am leichtesten täte man sich bei einer Rezension über diesen Film, könnte man ihn nur aus einem einzigen Blickwinkel betrachten. Man könnte ihn leicht bewerten, ließe man die Handlung gänzlich beiseite und konzentrierte sich nur auf die Handwerkliche Begabung des Regisseurs. Als Gesamtkonzept erfordert dieser Film gewisse Spitzfindigkeiten des Rezensenten, ihn nicht als allzu einseitig dazustellen. Ich hoffe sehr, dieser Anforderung auch nur im Entferntesten gerecht zu werden.
Die Handlung beginnt in einem kleinen Zimmer bei gedrückter Atmosphäre, wo sich zwei Charaktere über irgendwelche Banalitäten unterhalten (einer von beiden ist der Protagonist aus Noes erstem Film Menschenfeind). Nach kurzer Zeit wird deren Gespräch von etlichen Polizeisirenen übertönt und die Handlung nimmt ihren Lauf, indem die Kamera dem bedrückenden Szenario, wie eine Fliege, durch das offene Fenster entwischt.
Die Kamera ist bei diesem Film eine Art unmittelbarer Erzähler. Gaspar Noe erfindet mit der hektischen Art der Kameraführung das Rad zwar nicht neu, aber er modifiziert es doch beträchtlich und gleicht es an seine Bedürfnisse an. Der Betrachter sieht zunehmend wie sich Fachbuchwissen mit persönlicher Kreativität vermischt und erfreut sich aus diesem gedanklichen/ bildlichen Cocktail aus verschiedenen Stilmixen. Noch dazu wird diese erwähnte Hektik sehr gut von der Filmmusik untermalt, die letztlich den letzten Funken Spannung aus den einzelnen Szenen heraus kitzelt.
Was dann folgt ist die episodenhafte Schilderung der Vorkommnisse. Dabei bedient sich der Erzähler/ Regisseur der Kunst, seine Geschichte in eine retrospektive Chronologie zu bannen. Vom Ende der Geschichte durchlebt der Betrachter alle Episoden einer zusammenhängenden Handlung. Im Gegensatz zu sonstigen Filmen, wird der Spannungsbogen sogleich wissentlich vom Regisseur zerstört. Wartet man bei anderen Filmen auf ein fulminantes Ende, so wird bei diesem Film das Ende unmittelbar nach Beginn verraten. Der Betrachter wird viel eher dazu gezwungen darüber nachzusinnen, inwieweit die rückwärts ablaufenden Episoden zusammen hängen und wo der tatsächliche Fluchtpunkt liegt, in dem die Handlung eine Rechtfertigung erfährt. Der Betrachter sucht somit nach der ersten, möglichen Kausalität, - obwohl ihm das Ende/ oder deren Resultate schon längst bekannt sind. Die Handlung selbst erneut zu schildern, würde keinen großen Sinn machen, denke ich.
Der Grundtenor des Werkes scheint von Anfang an ein trister zu sein, spielt doch der gesamte Film (bis auf die vorletzte Szene) nachts. Neben den bereits erwähnten Attributen, welche dieses Werk auszeichnen (Kamera, Plot, Musik), ist wohl die schauspielerische Leistung der Agierenden wohl der größte Pluspunkt. Monica Bellucci und Vincent Cassel verleihen dem Film ein ganz eigentümliches Flair, - v.A. wenn man bedenkt, dass sie im echten Leben verheiratet sind und ein gemeinsames Kind haben.
Fazit:
Nichts für Hollywoodcineasten! Ein recht beachtlicher Film über das Spektrum menschlicher Abgründe, gekonnt verpackt und von großartigen Schauspielern in Szene gesetzt.