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Irres Licht
 
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Irres Licht

Die Sterne Audio CD
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Audio CD (22. April 2002)
  • Anzahl Disks/Tonträger: 1
  • Label: Virgin (EMI)
  • ASIN: B0000646KC
  • Weitere Ausgaben: Vinyl  |  MP3-Download
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 8.875 in Musik (Siehe Top 100 in Musik)

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Hörproben
Song Länge Preis
Anhören  1. Nur Flug 4:07EUR 0,99
Anhören  2. Hängen Hart 2:30EUR 0,99
Anhören  3. Wahr Ist Was Wahr Ist 5:43EUR 0,99
Anhören  4. Wenn Dir St. Pauli Auf Den Geist Fällt 4:39EUR 0,99
Anhören  5. Ich Bringe Euch Beide Um 4:40EUR 0,99
Anhören  6. Schier Herzattacke 5:01EUR 0,99
Anhören  7. Irrlicht 2:41EUR 0,99
Anhören  8. Du Hast Die Welt In Deiner Hand 2:21EUR 0,99
Anhören  9. Ich Will Nichts Mehr Von Dir Hören 3:01EUR 0,99
Anhören10. Wir Verstehen So Manches Nicht 2:50EUR 0,99
Anhören11. Alles Vergeht 4:56EUR 0,99


Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Auf Irres Licht, dem sechsten Album des Hamburger Quartetts Die Sterne, dient als Laterne weniger der Gitarren-Sound denn ein allseits gegenwärtiger Orgelklang samt E-Piano aus den Tasten des neuen Band-Mitglieds Richard von der Schulenburg.

Zitate aus der Popgeschichte -- Schwerpunkt 60er-Jahre -- sind auch wieder klar und deutlich herauszuhören, nicht nur die Beatles auf der Ballade "Wahr ist, was wahr ist" oder Psychedelic auf der Eifersuchtsliebeskummerdrohung "Ich bringe euch beide um". Nein, auch die Los Bravos, deren Hit "Black is Black" für Menschen unter 30 kaum mehr präsent sein dürfte, die aber den signifikanten Riff zum Shaker "Nur Flug" beisteuern. Auf der Globalisierungshymne "Du hast die Welt in deiner Hand" verwandelt sich ein Schulchorgospel in einen Punk-Kanon. Ansonsten treten auf: ein Dudelsackorchester für die schottisch angehauchte Weltschmerzballade "Wenn dir St. Pauli auf den Geist fällt", Notwist-Bassist Micha Acher und ein Orchester, das "Alles vergeht" in ein atonales Finale steigert.

So irrlichtern wir mit den alltags- aber auch poesiealbumtauglichen Texten von Sänger und Gitarrist Frank Spilker durch den Wald und folgen der Orgel zum Licht. Helle. --Ingeborg Schober

INTRO

Jeder kennt das: Man wird angesprochen, vermeintlich eine unmissverständliche Bemerkung - aber man versteht sie trotzdem falsch. Oder richtig. Darum wird es hier u.a. gehen. Dass dabei die Leseart der Songtexte nicht (immer) der intendierten Vorgabe entspricht. Wer hat je behauptet, dies sei die Bibel der Weis- und Wahrheiten? Ich nicht. Oder, um es mit den Sternen selbst und einer Phrase ihres neuen Albums zu sagen: "Wahr ist, was wahr ist". Nichts und alles. Erst wenn man sich von der einen Realität als der faktisch richtigen löst, kann man an Ersatzwelten arbeiten.
Am Anfang des Lebens ist man Single und steckt in einem Abhängigkeitsverhältnis. Und so geht es "Nur Flug", der ersten Auskopplung aus dem neuen Sterne-Album, auch. Sie steht ganz vorne, am Anfang des Albums, aber nicht allein. Und: Ohne das backing des Albums fehlt ihr was. Singulär betrachtet ist sie (für mich) einer dieser Songs, den man nur so wahrnimmt und deswegen allzu schnell unter altbekannt ablegt. Im konkreten Fall: zu gute Laune, irgendwie, und verdammt penetrant. Ich musste jedesfalls sofort an "Trrrmmer' denken, das mit dem Videoclip im Süden. So sah jedenfalls ungefähr meine Wahrnehmung des Songs aus, solange ich nur die EP vorliegen hatte. Dann kam das Album, und alles wurde anders. Die erste Hälfte von "Irres Licht" ist mit das beste, was die Sterne je vorgelegt haben. Musikalisch und textlich. Und die zweite immer noch werkimmanent oberes Drittel. Wer hätte das gedacht? Ehrlich gesprochen, ich nicht. Zuviel Zeit war vergangen. Soviel hatte man gehört und gesehen. Aber wie haben sie selbst einst gesungen "Bis neun bist du okay, bei zehn erst k.o." Unter diesem Gesamteindruck habe ich mich "Nur Flug" nochmal neu genähert - und es hat - nein, ich kann hier doch nicht Klaus Lage zitieren, das geht doch nicht bei den Sternen, oder? - zoom gemacht. Was mich hier und heute jedoch mehr interessiert: Das gesamte Album ist eine sehr kritisch-ernüchternde Reflektion von Beziehungsstrukturen - von der Zweier-Konstellation bis hin zu größeren Gruppen und am Ende, der Logik geschuldet: der Gesellschaft an sich. Und das fängt bei "Nur Flug" so an: "Umnachtet ist, was draußen wartet, und nicht wir." Es geht aber nicht um ein blindes: die Gesellschaft ist mies, Frank Spilker setzt auch in den Gegenmodellen mit seiner Kritik an: "Wenn ich nur vorbeiflieg, muss ich gar nicht landen. Bleib ich in der Luft und lass mich nicht drauf ein." Einmal mehr: Die Oase der richtigen Welt in der falschen. Was hier noch als reine Beschreibung rüberkommt, wird bereits im nächsten Song "Hängen hart" verstärkt. "Du musst raus in die Welt, du musst die Welt retten. (...) Wir müssen uns wehren. Da draußen gibt es soviel Böses, das muss ich dir nicht erklären."
Verpackt in einen energischen Song, der seine Wirkung vor allem über die spezielle Abmischung der Stimme erfährt: Sie wirkt wie nach hinten gelegt, wie ein Riss in der Wahrnehmungsebene. Logisch, dass nach der Handlungsanweisung an die Gruppe auch das Infragestellen selbiger folgen muss, wir sind ja alles schon viel zu lange dabei, haben so einiges den Bach runter gehen sehen - Vergleiche hierzu unseren Titel-Roundtabble (Intro#93). Bei Spilker klingt das dann wie folgt: "Zusammenhalt, wir halten zusammen, aus guten Grund, denn wir sind zusammen." So redundant kann Gegenkultur auch formuliert werden und auch sein. Es folgt das zentrale Stück: "Wahr ist, was wahr ist". Ein Song, an dem sich das Haupthema des Albums verdichte: Eine Zeile wie "dass das, was wahr (oder ‚war'?), nicht mehr da ist" kann man sicherlich auch als Abgesang auf eine weitere verflossene Liebe lesen, aber auch darüber hinaus. Diese Mehrebigkeit macht es so spannend. Spilker verknüpft außerordentlich geschickt die Privatheit mit der politischen Ebene, benutzt so die Politik des Privaten nicht als hermetischen Rückzug, sondern eben via Mehrfachcodierung als Ausgangspunkt für Aussagen auf der Makroebene. Natürlich macht es keinen Sinn, alles immer als die ganz große Geste zu lesen, dafür ist ein Album auch immer ein Protokoll einer Zeit. Aber genau das ist auch ein Punkt, an dem hier immer wieder angesetzt wird: "Ich bin auf den Beinen. Ich hab keine Schmerzen. Ich bin bei Verstand. Ich habe nichts mit dem Herzen. Ich kann mich bewegen. Ich muss mich nicht quälen. Und ich kann eins und eins zusammen zähle. Ich nehm sie wahr diese räumliche Enge." Das alles und noch viel mehr wird getragen von einem unglaublich treibenden, fordernden Musik. Schlagzeug wird richtiggehend gedroschen. Danach geben uns die Sterne Zeit zum Durchatmen. "Wenn dir St. Pauli auf den Geist fällt" ist extrem Hamburg, das fängt schon beim Wortspiel im Titel an: Das Heiligen Geistfeld liegt auf St. Pauli - wurde einst auch von Knarf Rellöm besungen. Ein Song über das Verbleichen von Erinnerungen, den Schmerz des Verlusts und den kultivierten Nihilismus in solchen Phasen.
Es folgt: "Ich bring euch beide um." Damit meint Spilker ein Pärchen, von dem man nicht genau weiß, ob es nur im Einfamilienhaus sitzt oder in der Chefetage der Deutschen Bank. Und dann sind da noch Highlights wie "Schier Herzattacke" (ausnahmweise mal ganz klar ein Pärchensong), "Irrlicht" (ein Song über die Verlockungen des Lebens, präsentiert in einem gebrochen ungarischen Sound) oder "Du hast die Welt in deiner Hand", eine als Kritik an den Typ da oben lesbare Nummer, wie sie Xavier Naidoo nie formulieren würde. Zum Schluss dieses, ich muss es noch mal explizit sagen: großartigen Albums wird Spilker noch nachdenklicher, verfällt in einen Robbespierres-Gestus: "Ich bin auf die Berge gegangen, habe in die Täler geschaut (...) alles getrunken und geraucht - einiges lass ich heute weg" - und zeigt Einsicht. Und stellt eine semantisch nicht unwichtige Rückfrage: "Oder irre ich mich?" Passend dazu die Mollstimung des Rausschmeißers "Alles vergeht." Eine Ode an die da oben - diesmal auf der realen Welt. Auch ihr landet da unten. Und dann trägt uns ein Instrumental raus aus dem Album... Uff.

Thomas Venker / Intro - Musik & so
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Audio CD
Die neue CD gefällt mir sehr gut! Frank Will war sicherlich ein guter Musiker und hat der Band viel gegeben, aber Richard von der Schulenburg als neuer Keyboarder hat einfach frischen Wind in die Band gebracht! Und so hört sich das neue Album auch an: Auf jeden Fall besser als Big in Berlin, sozusagen eher wieder wie die alten Sterne Scheiben würde ich sagen. Es rockt halt einfach, deswegen kann ich es jedem empfehlen!
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Von sakiko_69
Format:Audio CD
was will man eigentlich von kunst?
will man bestätigt werden in seinen ansichten, seinem geschmack? will man unterhalten sein? will man neues entdecken, überrascht werden und mit gedanken, gefühlen konfrontiert sein, die einem neu sind? letzteres kann man (frau, kind, onkel auch) bei den sternen immer wieder erleben. denn: die sterne wandern. sie glühen, explodieren und leuchten. je nach blickwinkel verschieden.

ich schätze die sterne dafür, dass sie beides sind: einfach und kompliziert. beides im besten sinne des wortes. beschleicht mich beispielsweise bei BLUMFELD doch öfter das gefühl des allzu kalkulierten (letzlich ja ängstlichen und stil beflissenen, eben des SPEX mässigen "gefrickels") erscheinen mir die sterne meistens frisch. glaubwürdig. hellwach. musikalisch swingen die stücke der späteren platten - so auch dieser - recht unterschiedlich. manches kommt für mein gefühl "nicht recht aus der hüfte". aber- so denke ich dann- vielleicht wollen die das so? eben: "Gegen die Welt, gegen den Beat"? die "diktatur des beats" kann ja auch recht nerven.

aber ich finde auf dieser platte einige songs wo sich melodie, instrumentation und text so unlösbar verbinden, dass sie zu einer art neuen wahrheit werden. eine, die ihre eigene logik hat, und die ich gar nicht vollkommen verstehen muss und will. wie singen die sterne so schön im letzten song:" Wir verstehen so manches nicht/ Nicht nur was das Gemüt betrifft/ Ich nicht, du nicht, ihr nicht/ - Oder irre ich mich?". ist das nicht wunderbar? ich ahne nur vage, worum es den jungs in der seltsamen sankt pauli hymne geht. der song mit seinen süffigen streichern und dem überraschendem dudelsack refrain wirkt wie bewusst angelegt als, ja als was eigentlich? als traurige parodie eines schunkelsongs? jedenfalls, ob man will oder nicht: gefühle finden statt! und erinnerungen. zum beispiel, dass ich mit 14 jahren "Mull of Kintyre" von paul mc cartney mal richtig gut fand.

wie bei guter kunst vielleicht immer - sind es eher splitter, kristalle von wahrheit die einen (mich) durchdringen und im innersten berühren. so die verbindung von repetetiv schleppendem beat und gebremster energie im bitterbösen stück "ich bring euch beide um". grosses gefühlsdrama! "roy orbison im schallgedämpftem pappkarton der verletzten gefühle". worum gehts da? jemand entdeckt, dass er perfide und routiniert von seiner liebe betrogen wird. text:
"Weil ihr euch begegnet seid,
fühlt ihr euch erleichtert. Es gab eine Gelegenheit und ihr habt euch bereichert." weiter geht es dann: "Ihr haltet euch für ziemlich schlau, und ihr denkt ich merk nichts. Ihr trefft euch heimlich, sprecht euch ab, versucht zu tun, als wäre nichts. Ausgefeilte Techniken der Manipulation. Oder einfach nur noch billig und der blanke Hohn". der höhepunkt wenn man so will ist der refrain: die musik verstummt und in das bedrückende schweigen hinein singt frank spilker glaubwürdig leise (fast ohne wut, eher resignierend) "ich bring euch beide um". WOW!

von ganz anderer art ist das wiederum hymnische " du hast die welt in deiner hand". es klingt wie ein propaganda song vom oktoberklub, DEM staatstragendem "singeclub" der frühen DDR. (so hiessen song orientierte politisch ausgerichtete chöre/ singegruppen der 60er jahre DDR). ich musste erst grinsen als ich das erstmals hörte. dann aber LAUT LACHEN! denn nachdem diese zeile 3 mal rausgewuchtet ist, geht der text so weiter: "gib sie wieder her / ich brauche sie so sehr!".
wunderbar!
ein weiterer höhepunkt ist "irrlicht" ein song, wie ein windschiefes kettenkarussel dass sich pünktlich zur dämmerstunde im stadtpark zu drehen beginnt!" Text: "Ein irres Licht, es möchte dass ich folge. Für den Moment weiss ich nicht ob ich soll.
Ein irres Licht, doch ich folge nicht, nein so irre bin ich nicht!"
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Endgültig etabliert 1. Juli 2003
Von Martin Oehri, unterhaltung-themenguide.de HALL OF FAME REZENSENT
Format:Audio CD
Muss man hier wieder mit dem Begriff der "Hamburger Schule" kommen, nur weil die Musiker von dort kommen und Rock mit deutschen Texten spielen?

Nach ihrem letzten, mittelmäßigen Album jonglieren sie auf "Irres Licht" wieder gekonnter mit musikalischen Zitaten wie Gospel ("Alles vergeht"), Queen ("Schier Herzattacke") oder neuen Wohltönern wie Roysköpp oder Sofa Surfer. Auch der Gesang von Frank Spilker ist von eher desinteressiertem Habitus zu einem engagiertem Duktus geworden, was den amüsant/gehaltvollen Texten entgegenkommt. Neu ist auch der Keyboarder Richard von der Schulenburg, dem wohl neben dem Produzenten Olaf Opal (Notwist, Liquido) der Löwenanteil an den neuen Sounds zuzuschreiben ist. Zwar werden Die Sterne die kreative Unbekümmertheit von Alben wie "Posen" nicht mehr erreichen, doch sind sie mit ihrem aktuellen Album auf einem guten Weg, sich endgültig in der deutschen Rock/Pop-Landschaft zu etablieren.

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