was will man eigentlich von kunst?
will man bestätigt werden in seinen ansichten, seinem geschmack? will man unterhalten sein? will man neues entdecken, überrascht werden und mit gedanken, gefühlen konfrontiert sein, die einem neu sind? letzteres kann man (frau, kind, onkel auch) bei den sternen immer wieder erleben. denn: die sterne wandern. sie glühen, explodieren und leuchten. je nach blickwinkel verschieden.
ich schätze die sterne dafür, dass sie beides sind: einfach und kompliziert. beides im besten sinne des wortes. beschleicht mich beispielsweise bei BLUMFELD doch öfter das gefühl des allzu kalkulierten (letzlich ja ängstlichen und stil beflissenen, eben des SPEX mässigen "gefrickels") erscheinen mir die sterne meistens frisch. glaubwürdig. hellwach. musikalisch swingen die stücke der späteren platten - so auch dieser - recht unterschiedlich. manches kommt für mein gefühl "nicht recht aus der hüfte". aber- so denke ich dann- vielleicht wollen die das so? eben: "Gegen die Welt, gegen den Beat"? die "diktatur des beats" kann ja auch recht nerven.
aber ich finde auf dieser platte einige songs wo sich melodie, instrumentation und text so unlösbar verbinden, dass sie zu einer art neuen wahrheit werden. eine, die ihre eigene logik hat, und die ich gar nicht vollkommen verstehen muss und will. wie singen die sterne so schön im letzten song:" Wir verstehen so manches nicht/ Nicht nur was das Gemüt betrifft/ Ich nicht, du nicht, ihr nicht/ - Oder irre ich mich?". ist das nicht wunderbar? ich ahne nur vage, worum es den jungs in der seltsamen sankt pauli hymne geht. der song mit seinen süffigen streichern und dem überraschendem dudelsack refrain wirkt wie bewusst angelegt als, ja als was eigentlich? als traurige parodie eines schunkelsongs? jedenfalls, ob man will oder nicht: gefühle finden statt! und erinnerungen. zum beispiel, dass ich mit 14 jahren "Mull of Kintyre" von paul mc cartney mal richtig gut fand.
wie bei guter kunst vielleicht immer - sind es eher splitter, kristalle von wahrheit die einen (mich) durchdringen und im innersten berühren. so die verbindung von repetetiv schleppendem beat und gebremster energie im bitterbösen stück "ich bring euch beide um". grosses gefühlsdrama! "roy orbison im schallgedämpftem pappkarton der verletzten gefühle". worum gehts da? jemand entdeckt, dass er perfide und routiniert von seiner liebe betrogen wird. text:
"Weil ihr euch begegnet seid,
fühlt ihr euch erleichtert. Es gab eine Gelegenheit und ihr habt euch bereichert." weiter geht es dann: "Ihr haltet euch für ziemlich schlau, und ihr denkt ich merk nichts. Ihr trefft euch heimlich, sprecht euch ab, versucht zu tun, als wäre nichts. Ausgefeilte Techniken der Manipulation. Oder einfach nur noch billig und der blanke Hohn". der höhepunkt wenn man so will ist der refrain: die musik verstummt und in das bedrückende schweigen hinein singt frank spilker glaubwürdig leise (fast ohne wut, eher resignierend) "ich bring euch beide um". WOW!
von ganz anderer art ist das wiederum hymnische " du hast die welt in deiner hand". es klingt wie ein propaganda song vom oktoberklub, DEM staatstragendem "singeclub" der frühen DDR. (so hiessen song orientierte politisch ausgerichtete chöre/ singegruppen der 60er jahre DDR). ich musste erst grinsen als ich das erstmals hörte. dann aber LAUT LACHEN! denn nachdem diese zeile 3 mal rausgewuchtet ist, geht der text so weiter: "gib sie wieder her / ich brauche sie so sehr!".
wunderbar!
ein weiterer höhepunkt ist "irrlicht" ein song, wie ein windschiefes kettenkarussel dass sich pünktlich zur dämmerstunde im stadtpark zu drehen beginnt!" Text: "Ein irres Licht, es möchte dass ich folge. Für den Moment weiss ich nicht ob ich soll.
Ein irres Licht, doch ich folge nicht, nein so irre bin ich nicht!"