Bevor mich einige hier verdammen - meine Rezension ist der englischen Ausgabe der Bluray entlehnt. Bis auf die Tonspur gehe nicht davon aus, dass die deutsche Bluray in technischen Dingen wesentliche Änderungen parat halten wird...Mit vielleicht einer Ausnahme, zu der ich noch kommen werde...
Zum Film: Ironclad beruht auf der wahren Geschichte der Belagerung von Rochester Castle im Jahr 1215 durch King John, nachdem der gezwungen war, die Magna Charta zu unterzeichnen. Rochester Castle hatte sich vormals im Besitz des Königs befunden, er musste es jedoch an den Erzbischoff von Canterbury abtreten.
Soviel zur Historie - als Steilvorlage für einen gelungenen mittelalterlichen Ritterfilm wirklich brauchbar. Was der Film daraus macht, ist für mich leider zu wenig.
Ob einem der Film glaubhaft erscheint, hängt für mich nicht unbedingt davon ab, wie historisch genau er ist - das ist er nämlich nur mit sehr (!) starken Abstrichen. Ob er als Geschichte funktioniert, hat wesentlich damit zu tun, ob man es der im Film dargestellten geringen Anzahl von Kämpfern tatsächlich zutraut, der Belagerung einer guten Anzahl von Tausend über mehrere Monate standzuhalten. Und da hatte zumindest ich so meine Probleme...
In der Realität hielten da wesentlich mehr der Belagerung stand, als die im Film gerade mal zwanzig (?) vorhandenen Streiter. Die zu Beginn des Filmes eingesammelten Hauptpersonen (so ein wenig die Glorreichen Sieben) wissen leider nicht wirklich zu überzeugen, da relativ schnell klar wird, dass hier nach dem üblichen Strickmuster der "zehn kleinen Negerlein" verfahren wird - der Verbleib einiger ist nicht wirklich von Interesse. Einzig John Purefoy als strauchelnder Kreuzritter weiss zu überzeugen, obgleich die ihm angehängte Beziehung zur Gattin des Burgherren seltsam aufgesetzt wirkt - bei mir wollte der Funke einfach nicht überspringen. Paul Giamatti als King John wie auch Brain Cox bestechen durch präzises Overacting - der dänische Krieger stattlicher Grösse ist manchem vielleicht noch aus dem "13. Krieger" in Erinnerung.
Und auch wenn nun einige Elemente der Geschichte wirklich den historischen Ereignissen entsprechen, ohne dass sie einem als logisch erscheinen (Warum z. B. die Unterminierung der Feste, wenn das Schloss behalten werden soll, um den Süden abzusichern?), so weiss der Film immerhin diejenigen zu unterhalten, die einfach nur eine mittelalterliche Schlachteplatte erwarten. Dass die englische Altersfreigabe von 15 der deutschen ab 16 entsprechen wird, erachte ich angesichts umherfliegender Körperteile und einiger sehr gespaltener Persönlichkeiten für einen Scherz. Die Angabe von 120 Minuten als Lauflänge für die deutsche Fassung von amazon ist übrigens schlichtweg irreführend weil falsch. Sowohl englisches als auch deutsches Bluray-Cover geben die Lauflänge mit 121 Minuten an - auch die deutsche Version ist also uncut!
Zum Bild: Gehobener Durchschnitt, gelegentlich Bildrauschen und Stufenbildung. Gute bis sehr gute Schärfe - bei einigen Nebel-Szenen und Wechseln von Hell zu Dunkel hatte mein Equipment (?) allerdings Probleme. Der englische Originalton ist druckvoll, wie der deutsche ausfällt, bleibt ebenfalls abzuwarten. Der Soundtrack von Lorne Balfe aus der Hans Zimmer-Schmiede ist vortrefflich!!!
Effekte: Blut, Blut, Blut...und etwas CGI - Kulissen? Leider manchmal als solche zu erkennen...Solide!
Bonus: Fragen und Antworten an Cast und Crew, hier bekommt man wenigstens eine Ahnung der Intention des Films.
Fazit: Wer keine zu hohen Ansprüche an Storytelling und historische Genauigkeit stellt, der wird gut unterhalten. Ich hätte mir ein differenzierteres Drehbuch gewünscht. Manches wirkt leider zu grobmaschig zusammengestrickt, auch leidet man nicht wirklich mit den Protagonisten mit. Die explizite Darstellung von Gewalt (keinesfalls Sex!!!) wird sowohl der englischen wie auch der deutschen Altersfreigabe zu keinem Zeitpunkt gerecht. Wer es härter mag, den wird das allerdings nicht stören...
Sagen Sie nicht, sie wären nicht gewarnt...