Unglaublich, sagenhaft, einfach unfassbar !!! Mit OVERKILL meldet sich eine der leibhaftigsten Legenden des Thrash-Business wieder zurück auf der großen Bühne. Ohne Frage, letzte musikalische Lebenszeichen wie "Necroshine" , "Bloodletting" oder "Immortalis" boten vornehmlich durchschnittliche Thrash-Nettigkeiten und blieben vor allem in Punkto Songwriting vieles schuldig. Doch die mageren Zeiten sind nun entgültig wieder Geschichte, denn irgendwo in den tiefen Straßenschluchten des "big apple" haben die Herren Elsworth, Verni & Konsorten einen wundersamen Jungbrunnen entdeckt, der alle Merkmale des urtypischen OVERKILL-Sounds wieder an die Oberfläche gefördert hat.
Der aktuelle Longplayer "Ironbound" vermittelt tatsächlich die spritzige Unbekümmertheit eines Debüts (!), und begeistert dabei durch seine frische Gradlinigkeit. Vor allem härtetechnisch haben OVERKILL dabei wieder einige Schippen draufgepackt, ohne das die fein ausgearbeiteten Gitarrenmelodien dabei ins zweite Glied rücken würden. Die Mischung stimmt hier wirklich von der ersten bis zur letzten Sekunde, weswegen sich der brandneue 57-Minüter in direkter Nachbarschaft zu alten Klassikern wie "Under the influence" , "Taking over" oder "The years of decay" wiederfindet. Die beiden Sechssaiter haben ihre Instrumente jedenfalls wieder ordentlich geschärft, und schütteln auf "Ironbound" teilweise Riffs aus dem Ärmel, für die der Großteil der weltweiten Thrash-Konkurrenz töten würden.
So gehen hammerharte Geschosse wie der Opener "The green and black" , "In vain" , "Ironbound" , "The SRC (subterranean resistance cult)" oder das mit geilen MAIDEN-Harmonien glänzende "Endless war" alle ausnahmslos voll auf die zwölf, und gehören ungelogen zum allerbesten, was in den letzten 15 Jahren überhaupt in diesem Genre veröffentlicht wurde. Gleichzeitig hat der NYC-Fünfer mit dem Groove-Monster "Killling for a living" , "The head and the heart" und "The goal is your soul" noch einige famose Mid-Tempo-Songs im Köcher, wobei vor allem letztgenannter (nach eher trägem Beginn) im Mittelteil förmlich explodiert, um in einen speedigen Sound-Orkan auszuarten. Und mit dem MOTÖRHEAD-mäßigen "Bring me the night" sowie dem punkigen Singalong-Wunder "Give a little" sind zudem wieder zwei urtypische Partynummern vertreten, die auf jedem OVERKILL-Konzert zukünftig für ausgelassene Feierstimmung sorgen werden. Während sich die Rythmus-Fraktion in einen knapp einstündigen Rausch spielt, und sich die beiden Gitarristen - das kann man garnicht oft genug erwähnen - mit nahezu blindem Verständnis die "Bälle" punktgenau zuspielen, beweist sich Frontmann Bobby "Blitz" Elsworth erneut als rabiat kreischender Shouter mit höchstem Wiederekennungswert. Und wenn es der Hörer nicht besser wissen würde, dann müsste er zweifellos zu dem Schluss kommen, als stünde dort ein Mitzwanziger Jungspund hinter dem Mikro, der seine musikalische Karriere noch komplett vor sich hätte. Ganz großes Kino !!!
Neben dem brillianten "Ironbound"-Songwriting sollte man aber natürlich auch die druckvolle Produktion erwähnen, bei der jedes Sound-Loch gnadenlos zugehauen wurde. Für den Mix zeichnete sich übrigens Peter Tägtgren (Abyss Studios) verantwortlich, den jeder beinharte Headbanger natürlich noch als Bandleader der Todesblei-Combo HYPOCRISY kennt, und der auch für das NYC-Quintett einen sensationellen Job abgeliefert hat.
Fazit: Mit ihren brandneuen 10-Tracker "Ironbound" haben OVERKILL eine energische Meisterleistung abgeliefert, die selbst die gutklassigen Scheiben von EXODUS ("The human condition") und HEATHEN ("The evolution of chaos") ganz klar ins Abseit stellt. Im Bereich Thrash Metal wird es in absehbarer Zeit nichts besseres "auf die Ohren geben" - da lege ich mich fest. Mit OVERKILL ist ab sofort wieder zu rechnen. Denn diese Band geht nur noch dann einen Schritt zurück, um gewaltig Anlauf zu nehmen !!!