Best ofs und Compilations gibt es mittlerweile ja genug von Maiden. Aber das hier ist was anderes, denn das hier reißt mit.
Mich zumindest. Die Leute, die mit mir am 21.04. in Hamburg im Kino saßen, scheinen das anders zu sehen. Ich ging da hin, weil ich erwartete, es würde wie eine Art "Mini-Konzert" werden, bei dem die Leute einfach nur so abgehen würden, weil sie das beste sehen und hören, was diese Musikrichtung jemals hervorgebracht hat. Aber das war dann doch nur meine vermutung. Während ich am liebsten das T-Hemd von meinem Leib gepellt und wild gröhlend durch den Saal gehampelt wäre, saßen gut 250 Leute einfach nur da wie die Ölgötzen, so dass ich mich fragen musste, warum denn alle erschienen waren.
"Flight 666" ist kein reiner Konzertmitschnitt, denn der Hauptteil besteht aus Backstage-Footage, die unsere Helden zeigt, wie wir sie kennen und lieben gelernt haben: Bruce als Flugzeugfan, dem die "Somwhere back in time"-Tour erlaubte, seine Leidenschaften "Fliegen" und "Maiden" miteinander zu verbinden, Steve als musikalisches Rückgrat der Band zwischen Familie und Weltruhm, den besonnenen Dave als Hobbygolfer, ebenso wie der nicht annähernd so stille Nicko, dem anscheinend allein zum Zwecke des Scherzens ein Mund gewachsen ist, der mit Dave den Spaß am Golf teilt und sich auch nicht von der Bühne fern hält, wenn er Stunden vor dem Auftritt einen Golfball ans Handgelenk bekommt und lieber pünktlich barfuß an den Drums hockt, Janick als präzisen Flitzefinger mit Hang zum Ausleben seiner eigenen Freiheit und Adrian, dessen Traumfrau vermutlich Stahlsaiten hat, wo bei anderen zwei Brüste baumeln.
Was den Wert dieser DVD heftig steigert sind die Fans, die hierbei wirklich nicht zu kurz kommen: Die Tour führte Maiden in Länder, in denen sie vorher nie hatten auftreten können. Am heftigsten finde ich Südamerika, wo sich Tonnen von Fans einfach nur derbst auf unsere Helden freuten, aber ständig mit den Repressalien irgendwelcher Militärs umzugehen hatten. Wenn ihr das sehr, denkt mal drüber nach und seit froh, Westeuropäer zu sein, denn auf diesem Planeten tummeln sich Deppen en masse.
Iron Maiden könnten den stuff aus den 80ern vermutlich bis an mein Ende weiterdudeln und immer wieder neu live inszenieren und mir ginge trotzdem jedesmal einer ab.
Nach diesem Film war mir am 21.04.2009 noch im Kino klar geworden, dass ich mir noch dieses Jahr den Piece of Mind-Eddy übers Herz werde hacken lassen müssen und den Bandschriftzug über den Brustkorb. Allein darin sehe ich eine adäquate Reaktion auf das, was meine Lieblingsbriten da seit Jahrzehnten abziehen.
"Warum schreiben sie keine Lieder mehr wie 'The Trooper' oder 'Rime of the Ancient Mariner'?" (die Titelliste ließe sich beliebig erweitern - ihr wisst schon) frage ich mich immer wieder. Vielleicht, weil sie die schon geschrieben haben. Oder weil die Zeit weiter gelaufen ist. Oder weil einem die besten Sachen im Leben nur einmal begegnen.
Vielleicht gibt es aber darauf auch gar keine Antwort.
Wichtig ist nur: es ist etwas da, das bleiben wird. Nicht bis in alle Ewigkeit, aber immerhin doch solange, wie Menschen leben, die sich von dieser Mucke durch's Leben begleiten lassen - und da zähle ich mich dazu. Und mich würde wirklich nicht wundern, wenn ich irgendwann im Sterbebett liegen sollte und in dem Moment, in dem der Schnitter nach mir ausholt an "Die With Your Boots On" denken sollte.
"Flight 666": Pflichtkauf. Wirklich. Nicht wie "Edward the Great" oder so, sondern ganz ehrlich - Pflichtkauf.
Up the Irons.