Für Simon Marsden-Fans lohnt sich die Anschaffung dieses schmalen Bandes nicht, denn die Bilder des genialen Fotographen sind hier sehr unscharf und teils durch Text verdeckt, zudem findet man die gleichen Fotos in weitaus besserer Qualität in Marsdens eigenen Bänden.
Interessant ist das Buch für Sammler überlieferter Geistersagen, in diesem Fall aus der Folklore Irlands. Geistergeschichten-Freunde werden wissen, dass man echte Überlieferungen in der Regel an der recht unpräzisen Erklärung der beschriebenen Phänomene erkennt. "Es soll dann und dann jemanden gegeben haben, der..." ist oft eine Variante, auch gibt es häufig mehrere Versionen über angebliche frühere Ereignisse, die zu einem Spuk führten. Außerdem werden die Sichtungen meistens von konkret benannten Personen geschildert und sind in schriftlichen Quellen auffindbar.
Misstrauisch sollte man werden, wenn eine Geistergeschichte zu haarklein ins Detail geht und zwar sehr viele angebliche "Sichtungen" beschrieben werden, es dazu aber keine konkreten Personen gibt, die diese Berichte abgegeben haben.
So stellt sich die Geschichte des Geistes in der Leinenweberei als ein Hoax heraus, dem die Herausgeber dieses Bandes leider ebenso aufgesessen sind wie viele andere Leute. Die ganze Geschichte des Mädchens Helen, das sich zu Tode stürzte, ist völlig frei erfunden. Als Leser könnte einem dabei schon die allzu detaillierte Lebensgeschichte der jungen Fabrikarbeiterin merkwürdig vorkommen - denn woher sollten Leute Ende des 20. Jahrhunderts (zu dieser Zeit soll der Geist angeblich das erste Mal bemerkt worden sein) noch soviel über eine unbedeutende Arbeiterin herausfinden können, die vor fast 100 Jahren verstarb?
Das ganze war und ist ein Projekt einiger Net-Künstler, die prüfen wollten, ob Leute auf ihre Geschichte hereinfallen und die im Buch genannte Homepage schufen.
Dass die Story im Buch als echte Geistergeschichte auftaucht, ist leider ein Manko.