... könnte man kurz zusammengefasst sagen: Ein bisschen was für Insider, trotzdem sehr lustig!
Einerseits ist es eine einfache Erzählung, nämlich eine Erzählung vom "einfachen, harten, irischen Leben", andererseits dann wieder kein ganz leichtes Buch. Der Grund für diesen Zwiespalt ist, dass dieses Buch in der Hauptsache eine Parodie ist. O'Brien parodiert nicht nur Klischees über das harte irische Leben, das ginge ja noch, sondern nebenbei auch noch die neuere irische patriotische Literatur, und den gälischen Patriotismus ganz allgemein -- er hat das Werk ursprünglich auf Gälisch verfasst (Titel: "An béal bocht" - 'the poor mouth'), und es ist erst gut 20 Jahre später ins Englische übersetzt worden, von dort aus dann ins Deutsche.
Wenn man nicht gerade Experte ist, entgehen einem zwangsläufig viele Späße -- aber es bleibt noch genug zum Lachen übrig!! Man kann Parodien zu denen man das Original nicht kennt, ja durchaus wegen der Absurdität mögen, die sie aus sich heraus haben, zB Vergnügen an den unermüdlich wiederkehrenden schrulligen Redewendungen haben, die dann auch in (oft schön ironischen) Fußnoten sehr gelehrt als "gefeierte Redewendung" eines gälischen Originals erläutert werden. (Die Redewendungen sind allesamt kleine Juwelen mit großem Kultpotential, die durch eifrige Weiterverwendung vor dem Aussterben geschützt werden sollten, selbst wo sie in deutscher Übersetzung entschärft wurden, wie etwa "im Ende des Hauses", aus gälisch 'toin an tí', eigentlich "Hinterteil des Hauses"! Die Fußnoten sind eben wirklich hilfreich). Manches ist fast unmittelbar verständlich, zB der derbe Spaß betreffend den patriotischen gälischen Sprachforscher, der betrunken im Schweinestall sitzt und das Grunzen begeistert auf sein Tonband aufzeichnet, weil er es in seiner Umnachtung für bestes Gälisch hält -- wenn man rein gar nichts versteht, dann muss es wohl besonders gutes Gälisch sein: das ist mehr als nur ein Seitenhieb gegen die Bemühungen patriotischer Hobbysprachforscher zur Zeit der beginnenden irischen Unabhängigkeit, die versuchen eine aussterbende Sprache, die sie nicht richtig beherrschen, in den Rang der ersten Landessprache hochzustemmen!
Ja, und im übrigen gibt es reichlich Späße, die vollkommen allgemeinverständlich sind und in der unnachahmlichen Flann-OBrien-Art, lakonisch aber in geschmeidigster Prosa, vorgebracht werden. ("Geboren wurde ich um Mitternacht im Ende des Hauses [s.o.!!]. Mein Vater hatte nie mit mir gerechnet, denn er war ein stiller und in den Einzelheiten des Lebens unerfahrener Mann" -- aus dem Gedächtnis zitiert, aber der Satz hat sich mir eingeprägt, weil er so unvergleichlich ist.)
Kurzum: Ein empfehlenswertes und urkomisches Buch, wenn man bereit ist sich ein bisschen auf seinen Hintergrund einzulassen (-- ich persönlich habe aus purer Freude an diesem Buch tatsächlich hinterher angefangen ein bisschen Irisch zu lernen...!!) oder wenn man einfach Freude an absurder Erzählung hat. Manche anderen Bücher O'Briens sind allerdings viel größer angelegt, auch mit tiefschürfenderem Witz. Dieses hier ist unter seinen Romanen ein bisschen ein Unikat und mit den anderen nicht direkt vergleichbar.
(Oder sagen wirs gleich so, dass wir dieses Buch lieben sollen, weil "es seinesgleichen nicht mehr geben wird", um noch so eine gefeierte Redewendung zu verwenden, zu deren Erklärung wir jetzt aber wieder den Fußnotenapparat aus dem Buch bräuchten... :-)