Auf der nimmermüden Suche nach einer originellen Interpretation von Liedgütern aus der 1.Hälfte des vorigen Jahrhunderts ist Nina Hagens Zusammenarbeit mit dem Capital Dance Orchestra zweifellos als bemerkenswerter Fund zu bezeichnen. Von UFA-Klassikern in deutscher Sprache bis hin zu ausgewählten Standards des American Songbook beweist das Enfant Terrible der Deutschen Musikszene einmal mehr Ihre Vielseitigkeit und stimmliche Variabiliät. Das vorliegende Album lebt von der schlichten Tatsache, dass Nina Hagen jeden einzelnen Song aus dieser vielfach interpretierten Auswahl zu ihrem Eigenen macht. Dabei treten mit Ihrer unnachahmlichen Phrasierung und den ständigen Oktavenwechsels stimmliche Instrumente zutage, die den feinen Unterschied zu manch swingkonvertiertem Popsänger(in) der Gegenwart ausmachen. Mit ihrer ureigenen interpretatorischen Süffisanz werden gerade die Uptempo-Stücke wie "Flat foot floogie" oder "Halli Halloh" zu Gute-Laune-Nummern und selbst balladeske Nummern wie "Deep in a blue dream" oder "Somewhere over the rainbow" erhalten getragen von der Hagenschen Akzentuierung einen frischen Anstrich. Und wer glaubt, dass neben Hilde Knef und Extrabreit kein weiterer Platz für eine originelle Interpretation von "Rote Rosen" mehr existiert, der sollte der Hagenschen Version auf jeden Fall volle Aufmerksamkeit schenken. Unzweifellos ist, dass auch dieses Nina Hagen Album wieder einen Glaubenskrieg unter den Musikliebhabern auslösen wird. Diejenigen, die sich als Anwälte der authentischen Originalintepretationen verstehen dürfte dieses Album eher verstören. Wer jedoch Spass an intepretatorischer Vielfalt von Liedgutklassikern hat und wem ein Götz Alsmann zu schlagerlike oder ein Max Raabe zu traditionell rüberkommt, der sollte es mit Nina Hagens eigenwilliger Vokalshow unbedingt versuchen.