Dieses Buch knüpft genau dort an, wo der "afrikanische Erfolgsroman" aufhört. Es ist eine wichtige Fortsetzung, die das Leben der Familie Redlich im Nachkriegsdeutschland beschreibt. Es deckt die Widersprüche der damaligen Gesellschaft auf. Niemand (bis auf wenige Ausnahmen) will mitbekommen haben, dass die Juden deportiert wurden. An jeder Ecke gibt es offenkundige oder versteckte Aversionen gegen Juden. Die verzweifelte Suche nach Heimat wird deutlich, die es in dem Sinne nicht mehr gibt. In diesem Buch sind viele schöne kleine Geschichten vereint: wie Regina auf den Vater von Anne Frank trifft; wie ihr Chef ihr mitteilt, dass er Nazi gewesen ist; wie sie ihre Heimreise aus einem dreimonatigen "Ernährungsurlaub" aus der Schweiz antritt und ein Geschenk bekommt, mit dem sie nicht gerechnet hat. Mich hat dieses Buch mehr berührt als sein Vorgänger. Liegt vielleicht auch daran, dass die überaus langen Beschreibungen fehlen, die den Lesefluss im Vorgänger erschwert haben. Meines Erachtens ein Muss für alle, die "Nirgendwo in Afrika" gelesen haben.