Wir muessen hier keine Lobeshymnen anstimmen... Natürlich sind Silbermond eine Band, die der breiten Mitte von Gelegenheitsradiohörern eingängige Balladen liefert, ohne experimentelle oder gar radikale Extreme zu bedienen. Das mag dem einen gefallen, dem anderen nicht, da soll meinetwegen jeder selbstzufrieden glücklich werden, im Endeffekt kann man in diesem Falle guten Gewissens Dieter Bohlen zitieren (auch wenn mir lieber wäre, ein anderer hätte dieses Zitat geliefert), dass die Leute mit ihren Füssen abstimmen, indem sie in den Laden gehen und die Platte kaufen, sie im internet anklicken und was weiss ich noch alles machen. Letztendlich ist (oder war) der Song Platz 1 der deutschen Charts, also scheint er nicht nur mir, sondern einer Menge anderer Leute auch zu gefallen. Das allein ist noch kein Beweis für Qualität, aber es zeigt, dass die Band mit ihrem Lied einen bestimmten Nerv trifft, ich würde sogar soweit gehen zu behaupten eine Sehnsucht weckt.
Diese Band hat eine bemerkenswerte Bühnenpräsenz alles überstrahlend die Aura der Frontfrau. Wer es ertragen konnte, die Übertragung der diesjährigen ECHO-verleihung trotz der Aneinanderreihung von Peinlichkeiten anzusehen, konnte sich davon überzeugen. Silbermond haben den besten Auftritt der ganzen Show abgeliefert, aber das ist natürlich auch meine persönliche Meinung. Ich würde behaupten, die Band wäre nicht halb so erfolgreich, würde sie mit den selben Songs auftreten, hätte aber ein viertes männliches Mitglied in der gleichen Optik der anderen Drei am Mikrofon. Meinetwegen hätte die Band darauf verzichten können, noch ein Video des Liedes zu produzieren, dieser Live-Mitschnitt schlägt es um Längen.
Der Song selbst ist handwerklich ausgezeichnet gemacht, auffallend kurz (böse Zungen würden sagen extrem radiotauglich), steigert sich zusehends vom ruhigen Anfang hin zum rockigen Höhepunkt bei etwa 3/4, um dann relativ schnell dem Ende zuzugehen. Das läßt sich natürlich durch eine sauber choreographierte Lichtshow live perfekt in Szene setzen, auch wenn die Bandmitglieder nicht atemlos über die Bühne hopsen (neudeutsch performen), sondern eben einfach so dastehen. Er hat einen Text mit einer einfachen, klaren Aussage, die bewegt und die so einfach ist, dass selbst der letzte sie begreifen sollte. Ich denke, manchem täte es gut, sich deutlich auszudrücken, wenn er auch verstanden werden möchte. Text und Melodie unterstreichen einander, eben professionelle Musik, nicht experimentell, nicht extrem, eingängig, mit Gespür für marketing...und den Zeitgeist.
Das Besondere an diesem Song ist eben, dass diese Band mit dieser Sänderin, diese Ballade mit diesem, und vor allem einem deutschen Text und einer gekonnt professionellen Inszenierung vor einem Millionenpublikum im Fernsehen initialisiert hat, das trägt die Botschaft und hebt in der Summe das Lied aus dem ganzen Rest des mainstream-Breis englischer oder pseudo-englischer Nichtssager heraus.
Von mir bekommt der Song fünf Sterne, weil es momentan das Lied ist, über das ich mich am meisten freue, wenn es im Radio gespielt wird.