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Irene Binz. Befragung
 
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Irene Binz. Befragung [Broschiert]

Ronald M. Schernikau
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 224 Seiten
  • Verlag: Rotbuch; Auflage: 1 (15. Mai 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3867890951
  • ISBN-13: 978-3867890953
  • Größe und/oder Gewicht: 21,2 x 13,2 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 404.606 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Ronald M. Schernikau
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Das intensive Gespräch zwischen Mutter und Sohn fördert Bewegendes zutage: das Aufwachsen in der DDR, die Umstände der Flucht nach Westdeutschland aus Liebe zum Vater des gemeinsamen Kindes, die Demütigung, als sie erfährt, dass dieser dort heimlich eine andere geheiratet hat, das Misstrauen ihr, der Genossin, gegenüber Irene Binz, literarisches Alter Ego von Ellen Schernikau, geht weiter ihren Weg und fühlt doch schmerzhaft die Leerstelle der fehlenden Heimat.

Über den Autor

Ronald M. Schernikau, geboren 1960, wuchs in Magdeburg auf, bevor seine Mutter 1966 mit ihm nach Westdeutschland floh. 1980 veröffentlichte er bei Rotbuch sein viel beachtetes Debüt "Kleinstadtnovelle". Nach dem Studium am Literaturinstitut "Johannes R. Becher" in Leipzig wurde der Autor am 1. September 1989 Staatsbürger der DDR. Er starb Ende 1991 an Aids.

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Broschiert|Von Amazon bestätigter Kauf
Irene Binz.Befragung - ist ein Text dem ein Interview von 1981 zu Grunde liegt, das der Sohn Ronald M. Schernikau
mit seiner Mutter Ellen Schernikau in Hamburg geführt hat, und nun als ein Buch aus dem Nachlaß, erstmalig
publiziert wurde. Leider war es dem Autor nicht vergönnt -Sein Buch- als ein fertiges Produkt in der Hand zu halten.
Schernikau starb 1991 mit nur 31Jahren an den Folgen seiner AIDS-Erkrankung.
Mit der Befragung ist es Ronald M. Schernikau gelungen, die Lebenslinie seiner Mutter, aufgeräumt und mit seiner
jugendlichen Lebendigkeit, zu porträtieren. Das was er da aufschrieb war nicht der leichtlesbare dahinfließende
Stoff; es war ein Protokoll in kurzen Gesprächsabschnitten oder plötzlich der auftauchende freistehende Satz,
was nachhaltig und intensiv auf das Wesentliche hinziehlt. Seine Irene Binz glaubte damals frei wählen zu können,
aber sie hatte keine Wahl. Aus Liebe zum Vater ihres Kindes flüchtet sie im Kofferraum eines Diplomatenautos in
die BRD. An der Liebe zu ihrer Partei und der verlorengegangenen Heimat DDR, wäre sie manchmal fast zerbrochen.
Beide Extreme berührten sich immer wieder in ihrem Leben und warfen neue Fragen auf, die es ihr nicht leichter
machten eine Antwort zu finden, in den eigenen Wünschen und Träumen. Sie wollte einfach nur geliebt werden,von
dem Mann, der sie verlassen hatte, der längst eine neue Familie hatte, aber, der auch der Vater ihres gemeinsamen
Sohnes war.

Ronald M. Schernikau schaffte es auf 220 Seiten wunderbarer Literatur, seiner Mutter ein würdiges Denkmal zu
setzen.
Das Buch enthält ein Vorwort von Dietmar Dath, ein Interview zwischen Ellen Schernikau und Claudia Wangerin und
einige Fotos aus dem Privatarchiv.

Natürlich kann ich dieses Buch uneingeschränkt empfehlen - mich hat es tief berührt..!
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Carl-heinrich Bock HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Broschiert
Man kennt die Biographie von Roland M. Schernikau aus Mattias Frings Buch "Der letzte Kommunist". Schernikaus Debütroman Kleinstadtnovelle" machte den in Westberlin lebenden Kommunisten zu einer Lichtgestalt der Literatur. Er wollte Bürger der DDR werden. Als er sich endlich seinen Traum erfüllt fällt die Mauer. Seine Traumheimat gab es nicht mehr als er 1991 an AIDS starbnicht mehr.

Irene Binz, literarisches Alter Ego von Ellen Schernikau, verschenkte im Herbst 1981 in Hamburg die Geschichte ihres Lebens an ihren damals 21- jährigen Sohn. Es ist in gewissem Sinne die Vorstufe einer Autobiografie des 1991 verstorbenen schwulen kommunistischen Schriftstellers, denn es war ja irgendwie auch seine Geschichte. Wenn das Buch auch in einem "charmanten, suggestiven Märchenton" geschrieben ist, so ist es eigentlich ein hoch politischer Text, der über die Verhältnisse aufklären will. Was auf mehreren hundert Seiten sorgfältig aufgeschrieben wurde wollte der Sohn nach dem Interview als Prosafassung publizieren. Die erschien nie. Thomas Keck hat das Buch "Irene Binz Befragung" aus dem Nachlass editiert. Es besteht aus vielen kleinen Erinnerungsfetzen, Alltagsszenen, politischen Überzeugungen und erotischen Offenbarungen. Es ist das zutiefst berührende Porträt einer außerordentlich starken Frau, die auch im Westen ihren Überzeugungen treu geblieben ist und dafür sorgen wollte dass ihr Sohn seine DDR Heimat nicht vergisst.

Die Mutter war Lehrschwester in Magdeburg, war SED Mitglied, fühlte sich als überzeugte Kommunistin und sah in dem Arbeiter -und Bauernstaat das gelobte Land. Beim Tanzen lernt sie den Briefmarkenhändler Thomas kennen. Sie verliebt sich in den anderweitig gebundenen Mann, wird schwanger. Doch dann geht ihre große Liebe über die damals noch nicht ganz geschlossene Grenze in den Westen. Beider Sohn Roland kommt im Juli 1960 zur Welt. Die Mauer wird gebaut und trennt endgültig Mutter, Sohn und Vater. Am 13 August 1961 war der Sohn ein Jahr alt, da ist ihr zunächst eine Entscheidung abgenommen worden. Bis dahin hatte sie immer überlegt, mach ich es oder mach ich es nicht. In dem Buch kann man nachlesen wie schwer sie sich getan hat.

Es war auf der einen Seite ihre Sehnsucht nach Thomas, auf der anderen Seite der Wunsch, dass der Sohn in einer intakten Familie aufwachsen sollte, der sie zur Republikflucht trieb. Im Kofferraum eines Diplomatenautos gelang ihr mit ihrem sechsjährigen Sohn die Flucht in den Westen.

Doch bei der Ankunft im Westen ist die Ernüchterung groß. Der Kindsvater hat längst eine neue Familie. Das hält die Mutter aber nicht davon ab sich mit ihm zu treffen und zu schlafen. Sie würde gern in die DDR zurückkehren, doch dort droht der DDR Verräterin das Gefängnis. So bleibt sie im Westen, engagiert sich in der DKP, erzieht ihren Sohn im Geist der DDR, versucht die alten Ideale zu bewahren. Ihr Sehnsuchtsland bleibt die DDR, doch die ist längst aus den Fugen geraten als Mutter und Sohn kurz vor dem Mauerfall spektakulär in die DDR zurück kehren. Schernikau wurde am 1. September 1989 Staatsbürger der DDR.

Ursprünglich sollte das Buch in der DDR als Diskussionsgrundlage veröffentlicht werden. Roland hat in den vielen Stunden der Befragung am meisten interessiert, dass das was man erlebt auf verschiedene Art verarbeitet werden kann. Bei all den Fehlern die die Mutter gemacht hat, ihre grenzenlose Naivität gegenüber Männern und Politik war schwer erträglich, hat er doch letztlich die Stärke beschreiben wollen, die eine Frau aufbringt wenn sie eben weiter leben will und muss. Sie ist nicht aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen gegangen und sie hat eine Zeit gebraucht, um sich im Westen, im eigentlich falschen Leben wohl zu fühlen. Hätte sie keinen Sohn gehabt wäre sie nie in den Westen gegangen. Da dieser den Text nicht verstümmeln wollte erfahren wir auch, dass die Mutter eine glühende Kommunistin war und geblieben ist und nur aus Liebe zum Klassenfeind gegangen ist. Die Zeit machte aus Irene Binz eine Bundesbürgerin, deren stetes Anliegen es bleibt das sich hier in diesem Land etwas ändert.

Ein einzigartiges Buch das bei aller Romantisierung der Mutter im Fokus den Blick auf den verklemmten Umgang der beiden deutschen Staaten miteinander freigibt. Ein Buch das ausgesprochen atmosphärisch arbeitet.
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