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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Mein Gott! Was tut dieses Land mir an!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Irène Némirovsky: Die Biographie (Gebundene Ausgabe)
Die weitreichende Biographie, der in Kiew geborenen Jüdin (1903-1942), ist breit angelegt, chronologisch aufgebaut, und gibt einen Einblick, in das Leben der französischen Schriftstellerin, deren Lebensweg über Russland, Mitteleuropa, nach Frankreich führen sollte, bis ihr kurzes Leben mit nur 39 Jahren, in Auschwitz durch das Drama der Intoleranz ihr tragisches Ende finden sollte.Eine Autorin, die ab 1930 mit ihrem Romanerfolg David Golder: Roman über Nacht berühmt werden sollte, an dem sie über 4 Jahre gearbeitet und immer wieder umgearbeitet hat. Als sie das Manuskript abgibt, gibt sie ihre Adresse "postlagernd" an. Sie wird vom damaligen Verleger Bernard Grasset über die Zeitung gesucht, der das Talent der jungen Autorin wahrnimmt, als sie nach 3 Wochen sich meldet, meint sie: "Entschuldigen Sie, dass ich nicht früher gekommen bin...Ich habe gerade ein Kind zur Welt gebracht. Ich bin die Autorin von David Golder: Iréne Némirovsky." Iréne hat eine unglückliche und freudlose Kindheit, die vom Hass auf ihre Mutter geprägt ist. Sie erlebt die eigene Mutter als genusssüchtig, selbstgefällig, boshaft, eitel, herzlos, herablassend, sie fühlt sich von der eigenen Mutter gedemütigt. Sie schreibt: "Ich schäme mich meiner Mutter. Ich will ihr nicht ähnlich sein." Anna Némirovsky die später Fanny" heissen soll, lehnt ihr eigenes älter werden ab, betrügt ihren Mann Leonid, Iréne's Vater, mit anderen Männern, und würde am Liebsten ihre Tochter in ein Internat stecken, wenn ihr Mann nicht da wäre. Iréne, die auch Irotschka, Irma, Irina genannt wird, wird von der französisch sprechenden Gouvernante "Zezelle" erzogen und in die französische Sprache eingeführt, (Ich habe französisch gesprochen noch bevor ich russisch sprach".) zu der sie eine Art Mutterverhältnis haben wird und später durch den Namen "Mademoiselle Rose" in ihrer Literatur ihren Platz finden wird. Sie wird sich später ihr Leben nehmen. ("Ich liebte wirklich nur sie auf der Welt.") Ein befremdetes Verhältnis zwischen Tochter und Mutter (Fanny) , das später Eingang in ihre Werke wie z.B. Jesabel: Roman finden wird, wo die Autorin ihrem Hass Ausdruck verleihen wird. (Jezabel ist eine Menschenfresserin) Die Autorin sagt selbst, an ihre Mutter nicht denken zu können, ohne Hass zu empfinden. ("Ich erinnere mich sehr gut an das Bild meiner Mutter, seltsam dass ich dieses Wort nicht ohne Hass schreiben kann.") Über "Le Vin de solitude" schreibt sie: Es ist die Geschichte eines kleinen Mädchens, das seine Mutter verabscheut...". In "L'Enemie" schreibt sie sich die ungewöhnliche Bitterkeit und den angestauten Groll gegen ihre selbstgefällige, eitle, boshafte Mutter von der Seele. Wie diese Mutter zu ihrer Tochter stand, drückt sich u.a. dadurch aus, als sie 1942 von Julie Dumot, einer engen Freundin von Iréne Némirovsky um Hilfe für die Töchter Denis (Epstein) und Elisabeth (Gille) der Autorin anfrägt, die hinter verschlossener Tür gesagt haben soll: "Ich habe keine Enkelkinder". Das alleine schon spricht für sich, und zeigt etwas von dieser Frau, die ihren Mann über 40 Jahre überleben sollte. Ihr Vater Leonid, der später nur noch Leon sein wird, ist russischer Bankier. Er kennt sich aus mit Finanzen, bringt die Familie zu materiellem Reichtum. Geldmachen ist für ihn wie eine Goldmine, zuerst zur Existenzgründung, dann Gewohnheit schliesslich dann nur noch Neigung. Ein durch Abwesenheit glänzender Vater, der einmal sogar, Fanny und Iréne für 2 Jahre alleine lassen wird. Ein Ehe die an Grenzen, Abgründe und Auseinanderleben gekommen zu sein scheint, Fanny vergnügt sich mit anderen Männern. Iréne Nemirowsky lernt einen Vater kennen, der zwar materiell erfolgreich ist, aber innerlich daran zugrunde gehen sollte. Kritiker meinten, dass er für den Roman David Golder Modell gestanden haben soll. Geld macht im Werk von Iréne Némirovsky selten glücklich. Nicht umsonst, steht im Zentrum ihrer Literatur, der geistige und sittliche Verfall, die moralische Verkrüppelung, in der der Körper König ist, und die Seele vergessen wird. Die Atmosphäre der literarischen Arbeit von Iréne Némirovsky, ist durchdrungen von individuellen Schicksalen und höheren Geschicken oder besser, der Kampf zwischen dem Menschen, und seinem Schicksal. Das Leben der Autorin, ist das Leben einer Vertriebenen und Verfolgten. Die russische Revolution zwingt ihre Familie zu flüchten, was nicht ohne Verluste von statten geht. Als sie bei der Besetzung Frankreichs gefragt wird, nach Amerika zu kommen, ist sie des Flüchtens müde und beschliesst zu bleiben, was gleichzeitig ihr Todesurteil besiegelt. Sie ist sich allzu sicher, ein Privileg als bekannte Schriftstellerin zu haben, was sich leider nicht bewahrheitet. Das Leben dieser französischen Schriftstellerin und ihr Schaffen sind so eng miteinander verbunden, dass es sich nicht mehr trennen lässt. Die Rechnungen die für sie offen sind, sind die Quelle ihrer literarischen Arbeit und Inspiration. Sie schreibt: "Es ist ein grosses Glück für einen Schriftsteller, der eine unglückliche Kindheit hatte, diese poetische Quelle seiner Vergangenheit zum Sprudeln zu bringen." Die Literatur wird für sie ihre geistige Heimat, Bücher ersetzen ihr das wirkliche Leben. Sie liest Tolstoi, Proust, Larbaud, Chardonne, Oscar Wilde, Katherine Mansfield, Turgenjew, Stendal, George Sand und Aldous Huxley. Mit dreizehn beginnt die bereits sich im Schreiben zu versuchen. 1921 wird sie sich in die geisteswissenschaftliche Fakultät einschreiben, um ihre Kenntnis um die russische Literatur in ein Diplom zu verwandeln. Das Studium weckt in ihr den Wunsch zu schreiben. Mit der Eingabe des Manuskripts von David Golder, sollte ein Weg einer erfolgreichen Literatin entstehen. Sie gründet eine Familie mit Michel Epstein, ein Bankangestellter, bekommt zwei Töchter. Sie erlebt Erfolg und materiellen Wohlstand, der nur von 1930 bis 1938 andauern sollte. Der politische Druck geht auch an ihr nicht vorüber, schreiben wird zum Broterwerb, von ihrer Feder hängt das Leben ihrer Familie ab. Wir bekommen einen Einblick, in das literarische Leben, dem Verlagswesen, dieser Autorin, erfahren etwas darüber wie ihre Werke entstanden sind, ihre Hintergründe, erfahren den persönlichen Bezug, der oft aus eigener Betroffenheit, seinen Ursprung ihres Schaffens hat. Sie wird 9 Romane, 38 Novellen und 1 Biographie (A.Tschechov) verfassen. Wir erfahren, wie dieses Leben in der damaligen Zeit, beinflusst wurde, welche Rolle der Literaturbetrieb hatte, lernen Verleger und deren Umsetzung, sowie Umgang mit Literatur und deren Bekanntmachen kennen, von Literaturkritik bis hin zur Verfilmung ihres literarischen Schaffens. Und wir bekommen einen Eindruck, wie ihr Leben durch die politische Besetzung Deutschlands immer mehr eingegrenzt wird, wo sie ihren Angelegenheiten gar nicht mehr ausreichend wahrnehmen kann. Die schreckliche Beklemmung, in der Iréne Némirowsky damals stand, wird unmittelbar spürbar. Es ist unglaublich, dass die Autorin unter diesen Bedingungen ihre letzte grosse Arbeit beginnt..Suite Francaise. Eine für meine Begriffe viel zu weitläufige und umfangreiche Fragmentsuche, die auf keinen allzu grossen Fundus zurückgreifen kann, weil viele Unterlagen beispielsweise Foto's und die Korrespondenz zu ihrer Verwandten Victoria und dessen Tochter in Kiew auf der Flucht verloren gingen. Z.T. begibt sich das Autorenpaar, viel zu ausschweifend, wo man sich noch fragen kann, was das noch mit dem Leben der Autorin zu tun hat. Dagegen sind Gespräche, die von den beiden Autoren geführt wurden, etwa mit Tatjana Morowa oder Denis Epstein (u.a.) überaus lebendig, von Menschen die eine Stimme bekommen, die noch Kontakt oder einen Bezug zu jener russisch-französisch-jüdischen Schriftstellerin hatten. Ein Leben und ein schriftstellerisches Wirken, das von Tod, Leben, Liebe, Frieden, Licht, Krieg, Verfolgung, Entfremdung, Abrechnung, Staatenlosigkeit und Judentum und dessen Auswirkungen durchdrungen ist. Sie sieht ihr Werk "suite francaise" als ihre wichtigste Arbeit an, ihre Töchter bekommen von ihrem Vater den Auftrag, "trennt euch niemals von diesem Koffer, er enthält das Manuskript eurer Mutter", eine literarische Sensation die ihren Weg erst nach über 60 Jahren, das Licht der Welt in Buchform erblicken sollte. Eine Autorin, die trotz kometenhafter Karriere trotzdem nie abgehoben wirkte, die sich um eine aufrichtige Literatur bemüht hat, dem Ringen des Menschen mit seinem Schicksal und seinen Gegebenheiten, was oft ein Kampf um's Überleben war, auch Iréne Némirovky's kurzes Leben, war ein Teil davon. Ihre Literatur ist auch ein Kampf der Wörter, der zwischen Phantasie und Realität seinen Austragungsort findet. Als sie einem Interview nach Glück gefragt wird, antwortet sie: Ein altes ukrainisches Sprichwort sagt: Einem Menschen genügt ein einziges Körnchen Glück im Leben; doch ohne dieses Körnchen ist er nichts." Schön zu wissen, dass Iréne Némirovsky einen Geschmack von Glück, trotz ihres z.T. sehr durch Verfolgung und Gefahr durchdrungenen Lebens bekommen hat. 1942, als der Druck auch für Iréne Némirovsky... Lesen Sie weiter... › Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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