Die Iphigenie in Aulis, eines der letzten Stücke des Euripides und posthum aufgeführt, ist bemerkenswert idealistisch für ein griechisches Drama. Deshalb hat es wohl auch einstmals Friedrich Schiller sehr gut gefallen, sodass er eine Nachdichtung verfasste. Das Drama selbst ist meiner Meinung nach nicht Euripides größtes und ruhmvollstes Werk, doch lesenswert ist es allemal. Verwunderung jedoch verdient diese Reclamausgabe des Stücks. Denn es fehlen unverständlicherweise (und im Gegensatz zu allen anderen mir bekannten antiken Versdramen bei Reclam) jegliche Verszahlen am Rande, das Stück ist nicht in Szenen gegliedert, die Anmerkungen sind gerade einmal zwei Seiten lang, das Nachwort fasst zudem nur eineinhalb Seiten. Auch die (keineswegs schlechte) Übersetzung von J.J.C. Donner von 1843 ist teils schon arg veraltet. Schade also, dass es momentan nicht wirklich eine deutschsprachige Alternative zu dieser Ausgabe des Werks gibt. Vielleicht besser Reclam da in den nächsten Jahren ja mal nach. Wer sich sehr für die Dramen des Klassischen Athens interessiert, der kann mit diesem Buch durchaus auch glücklich werden. Leute, die jedoch einfach mal eine Tragödie von Euripides lesen wollen sollten sich eventuell erst ein anderes Stück wie die Bakchen oder Alkestis zulegen.