INVISIBLE TARGET ist feinste Actionkost gepaart mit hervorragenden Darstellern. Gleichzeitig ist dieser Film die Rückkehr von Regisseur Benny Chan (u.a. WHO AM I, ROB-B-HOOD, GEN-X-COPS) zu den Polizeifilmen, die ihn einst so berühmt gemacht haben. Anmerkung: Diese Rezension bewertet sowohl den Film als auch die DVD, da reine Filmrezensionen meist sehr subjektiv ausfallen (Gewichtung jeweils 50%).
Gewöhnlicherweise spielt die Story bei einem Actionfilm keine besonders große Rolle. Nicht in diesem Fall: INVISIBLE TARGET weist nicht nur eine tiefgrundige Geschichte auf, sondern auch eine sorgfältig inszenierte Handlung. Es geht primär um das Schicksal dreier Polizisten: Detective Chan Chun (Nicholas Tse) verliert bei einem Überfall der Ronin-Gang, dessen Kopf der brutale Tien (Wu Jing) ist, seine Verlobte. Von Rachegedanken verfolgt geht er hart gegen Verdächtige vor. Inspektor Carson Fong (Shawn Yue), ein harter Polizist mit teils zweifelhaften Methoden, wird von der Ronin-Gang bei einer Kontrolle gedemütigt. Der junge Officer Wai King Ho (Jaycee Chan) wird vom Dienst suspendiert, weil sein Bruder verdächtigt wird, zur Ronin-Gang übergelaufen zu sein. Während die Gauner hinter der Beute des Überfalls her sind, kreuzen sich die Wege der drei ungleichen Polizisten (allerdings erst zur Mitte des Films). Das anfänglich schwierige Verhältnis des Trios entwickelt sich aufgrund der prikären Notlage zu einer Freundschaft. Das Zusammenführen der drei Schicksale ist dabei das Schwierigste, was Regisseur Benny Chan jedoch trotz der relativ komplexen Geschichte exzellent gelingt. Während der Anfang des Films durch die relativ schnelle Einführung der Hauptprotagonisten etwas holprig verläuft, kann die Handlung vor allem nach dem Zusammentreffen der drei Polizisten an Fahrt gewinnen. Sehr positiv hervorzuheben ist dabei die schauspielerische Leistung der Darsteller. Hong Kongs neuer Superstar Nicholas Tse, der in DRAGON TIGER GATE (2006) noch fast wie ein Teenager aussah, wirkt mit neuem Haarschnitt und dem Bart reifer und härter. Darstellertechnisch agiert er auf einem bislang von ihm nicht gezeigten Niveau. Richtig verändert sieht Shawn Yue (Turbo Shek aus DRAGON TIGER GATE) aus. In INVISIBLE TARGET hat er mit seiner Kurzhaarfrisur erstaunliche Ähnlichkeiten mit Japans Topschauspieler Ken Watanabe (u.a. LAST SAMURAI). Auch schauspielerisch kann er hier im Gegensatz zu DRAGON TIGER GATE voll überzeugen. Jackie Chans Sohn Jacyee Chan liefert eine sehr solide Leistung ab, auch wenn es sicherlich schwer fällt ihn nicht mit seinem berühmten Vater zu vergleichen (allein schon aufgrund der äusserlichen Ähnlichkeit). Dass in ihm aber trotz seiner jungen Jahre ein hohes darstellerisches Potenzial schlummert beweisen vor allem die emotionalen Szenen. Trotz aller darstellerischer Ansprüche und storytechnischer Komplexität, in einem Actionfilm stehen letzten Endes vor allem die Actionszenen im Vordergrund. Und die kommen hier nicht zu kurz: Autos und Granaten explodieren, wilde Verfolgungsjagden, Schießereien ohne Ende und einige Martial-Arts-Einlagen vor allem von Wu Jing. Hinzu kommen noch atemberaubende, von den Darstellern selbst inszenierten Stunts. Es geht viel zu Bruch, aber dennoch nimmt die Action nicht (wie etwa in Michael Bays Filmen) übermäßig Überhand. Das Finale im Polizeirevier steigert die Dramatik bis zum Überkochen, wobei für Benny Chan ungewöhnlich viele Slow-Motion-Sequenzen eingestreut werden. Der Soundtrack (auch als CD erhältlich) ist stimmungsvoll und passig zu den Situationen. Das Rating von FSK 18 geht in Ordnung, da einige brutale Szenen dabei sind. Im Gegensatz zu den meisten Hong-Kong-Actionfilmen beläuft sich die Laufzeit auf insgesamt über 2 Stunden. Dies ist sehr hilfreich und gibt dem Film genug Zeit, um die Story sorgfältig aufzubauen und die Charaktere einzuführen. Somit gibts für den Film die Höchstwertung: 5/5.
Die DVD: Bewertet wird hier die SINGLE-DVD-Edition, NICHT die Doppel-DVD-Gold-Edition! Im Lieferumfang ist die DVD und ein wendbares Cover, um das fette "FSK 18" Logo nicht auf dem Titelbild zu haben. Im Gegensatz zu früheren DVDs hat Splendid in seinem Amazia-Label auf Qualität geachtet. Das Bild (16:9 bzw. 2.35:1) ist scharf, kontrastreich und farbfroh, jedoch nicht übertrieben bunt. Der Ton (Dolby Digital 5.1) kann zwischen der deutschen und der kantonesischen Spur gewählt werden, und bietet einen klaren und unverzerrten Klang. Das DVD-Menü ist klar strukturiert und schick gestaltet. Leider sind außer Trailer keine Extras enthalten, denn diese sind lediglich in der Gold-Edition zu finden. Dennoch lässt sich aufgrund der Wahlmöglichkeit zwischen beiden Varianten keine Schwächen der DVD feststellen. Wertung daher: 5/5.
Fazit: Ein Top-Film auf einer qualitativ hochwertigen DVD. Höchstwertung: 5/5!