Ich habe gerade die Lektüre dieses Buches beendet und muss gestehen, dass ich etwas enttäuscht bin.
An die vielen Wiederholungen (Ich werde ihnen zeigen...) kann man sich ja gewöhnen, aber da sind noch viel mehr Minuspunkte.
Als Einstieg für absolute Neulinge sind sogar einige Dinge hilfreich. So werden verschiedene Anlageformen sowie deren Risiken und Erfolgschancen erklärt.
Wenn es dann aber an Details geht, wird es eng.
Dem Titel des Buches entsprechend werden nur Aktien betrachtet. Hier wird erklärt, wann man nicht kaufen und verkaufen soll. Wann man es aber tun soll, bleibt irgendwie offen. Ebenso bleibt offen, wie man die aktuelle Marktsituation beurteilen soll. Wenn man nicht weiß, wann es eine gute Zeit für eine Anlage ist, wird man es nach Lesen des Buches auch nicht wissen. Auch könnte es sinnvoll sein, zu gewissen Zeitpunkten lieber gar nicht zu investieren, sondern etwas zu warten. Andernfalls landet man bei den Leute, die überteuert gekauft haben und die bei in dem Buch elegentlich als Negativbeispiele auftauchen. Hilfe, dies zu vermeiden wird nicht gegeben.
Es wird behauptet, dass man mit wenig Aufwand den DAX locker deutlich schlagen kann. Bei der Vorstellung eines Musterdepots, das den DAX nur um weniger als 1% schlägt, klingt das ganz anders. Der DAX ist dann plötzlich ein super-Index, bei dem man stolz sein kann, ihn überhaupt zu schlagen. Hmmm. Komisch.
An einigen Stellen scheint Herr Otte den Bezug zur Realität verloren zu haben. So behauptet er, 150 Euro im Monat kann doch eigentlich jeder sparen, auch ein Student. Der müsse dann halt einmal auf einem Urlaub verzichten.
Ich weiß nicht, in welchem Geldregen Herr Otte während seines Studiums stand, aber während meiner Studienzeit habe ich nicht 1800 Euro pro Jahr für Urlaub ausgegeben. Die Hälfte dessen kam eher hin. Ein Student müsste dann also pro Jahr des Sparens auf Urlaub für 2 Jahre verzichten. Die Rechnung geht nicht auf.
Obowhl zum Erscheinen der mir vorliegenden Auflage die Abgeltungssteuer bereits bekannt gewesen sein dürfte, wird in der Kaufleute-Strategie vorgeschlagen, die Bewertung jeweils nach 1 Jahr + 1 Tag durchzuführen, weil dadurch Kursgewinne steuerfrei bleiben. Das ist überholt. Welcher Zeitraum sinnvoll ist, wenn die neuen steuerlichen Rahmenbedingungen berücktichtigt werden, wird nicht erwähnt, wäre jedoch sehr nützlich.