Hartmut Sieper nimmt den Mund voll: nicht nur behauptet er, dass Afrika - zumindest wirtschaftlich gesehen - einen echten Emerging Market darstellt mit "noch" unglaublichen Investitions- und Erfolgschancen. Nein, er preist auch viele konkrete Rezepte an, wo und wie man (als Europäer) investieren - und zum eigenen wie Afrika's Nutzen Wohlstand schaffen kann.
Schaut man rein ins Buch, möchte man erst einmal mindestens 50% aus dem Buch herausschütteln, den diese geben Basis-Informationen wieder, die zu 100% aus Internet-Basisquellen wie wikipedia & Weltbank exzerpiert wurden.
Erstaunlich sind jedoch die Interpretationen des Autors der (korrekt zitierten) Daten: Immer wieder wird dabei von den Erfahrungen des Aufschwungs Osteuropas in den 90er Jahren sowie der Tigerstaaten Asiens auf afrikanische Verhältnisse extrapoliert. Dass Ghana einmal ein höheres Pro-Kopf-Einkommen hatte als Korea, scheint vergessen zu sein (2007 betrug es nicht einmal mehr 5% von dem Koreas, und das trotz vieler Milliarden Investitionen in dieses Musterland Westafrikas...).
Sieper entfacht eine geradezu euphorische Grundstimmung, die er immer wieder mit klassischen entwicklungspolitischen Theorien abstützt (wie die von den Entwicklungskernen), um dann wieder und wieder zur Kernthese zu gelangen, dass ausländische Direktinvestitionen den Schlüssel für den kommenden afrikanischen Entwicklungsschub darstellen. Das erinnert schon ein wenig an Weihrauchschwenken, und der eigene Optimismus hat möglicherweise tatsächlich den Blick verstellt etwa auf die Ölkonzerne, die skrupellos Nigerias Umwelt zerstören oder den Krieg im Südsudan finanzier(t)en, Kameruns Regenwald abholzen, und auf die hochkorrupten nationalen Eliten (siehe Sudan, Kenia, Eritrea oder Äthiopien), die überhaupt kein Interesse an "Entwicklung" haben.
Dass die Entwicklungs-Bilanz gerade der rohstoffreichen Staaten Afrikas mit vielen Direktinvestitionen desolat ist (Kongo, Nigeria), verschweigt der Autor genauso wie die Tatsache, dass Afrika sich derzeit in manchen Branchen de-industriealisiert, weil es in Sachen Konkurrenzfähigkeit jeden Anschluss verloren hat (bei der Textilindustrie und vielen Südfrüchten z.B.).
Lesenswert sind jedoch die Informationen über Afrikas Börsen und Finanzgeflechte: da finden sich spannende Übersichten über die afrikanischen Kapitalmärkte und die "african plays" mit differenzierten Urteilen, aus denen die Erfahrung eines Bankers mit viel Lebenserfahrung spricht. Diese schließen eine echte Informationslücke.
Das ändert aber nichts am Grunddefizit diese Buchs: es glaubt zu sehr den Internet-Statistiken und schielt immer wieder auf den leisen Hype der afrikanischen Finanzplätze, und vergisst darüber die viel komplexeren Hintergründe der Armutsproblematik Afrikas. Und so will man als Leser doch nicht recht Feuer fangen bei der Vision, von Afrikas Reichtum zu profitieren.