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Invertito Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten 3. Jahrgang 2001: Homosexualitäten und Crossdressing im Mittelalter: 3. Jg 2001
 
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Invertito Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten 3. Jahrgang 2001: Homosexualitäten und Crossdressing im Mittelalter: 3. Jg 2001 [Taschenbuch]

Fachverband und Geschichte e.V. Homosexualität


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Produktinformation


Produktbeschreibungen

Lespress-Rezension

Es ist immer wieder überraschend, mit welchen immer wieder aktuellen Fragen sich die Kirche schon vor etwa 15 Jahrhunderten beschäftigt hat. Das Konzil von Tours im Jahr 567 verordnete geilen Mönchen wie auch unkeuschen Nonnen in ihren jeweiligen Klöstern verbindlich Gemeinschaftsschlafsäle. Später kamen Vorschriften zur durchgehenden Beleuchtung und gegenseitigen Bewachung hinzu, ferner Verbote für allzu intensive Kontakte zwischen Mitbrüdern bzw. Mitschwestern. Klöster hatten und haben schließlich einen Ruf zu verlieren. Albrecht Diem geht in seinem Beitrag "Organisierte Keuschheit" der Sexualprävention im Mönchtum nach. Was übrigens die Nonnen angeht, ist es wie meist mit "lesbischer" Geschichte: Da die Sexualität unter Frauen kaum wahrgenommen wurde, gab es auch nur wenig Vorschriften, die sich auf Frauen beziehen. Erst im Spätmittelalter wird das Kloster zunehmend für Ersatzfamilie für diejenigen, die schon als Kinder dort leben und zum Teil ihr gesamtes Leben innerhalb der Mauern verbringen. Ihnen sind natürlich familienähnliche Beziehungen zu anderen Bewohnern gestattet, die dann aber unter das Inzesttabu fallen.

Andreas Niederhäuser erliegt in seiner Analyse der "Feindesliebe im höfischen Epos" ebenso wenig wie die MitautorInnen der Versuchung sich mit heutigen Begrifflichkeiten und soziologischen Kategorien der mittelalterlichen Realität annähern zu wollen. Auch in der deutschen Literatur des Mittelalters bleibt die sexuelle Liebe zwischen Frauen ausgeklammert und auch bei den Männern gibt es nur wenige eindeutige Textstellen.

Kerstin Losert beschreibt in "Kleider machen Männer", wie Frauen im Mittelalter mittels männlicher Kleidung zum Teil unbemerkt in männliche Rollen – und damit auch in andere Bereiche der Gesellschaft – eindringen konnten. In der Legende der als Heilige verehrten Hildegund von Schönau fällt erst nach ihrem Tode auf, dass der Mönch in Wirklichkeit eine Frau war. Die Autorin legt verschiedene Erzähltechniken offen, mit denen die mittelalterlichen Chronisten den Kleidertausch in vielen Fällen positiv bewerten, handelt es sich doch nach damaliger Lesart eigentlich um die Anmaßung eines anderen Geschlechts, also eine Infragestellung der gottgegebenen natürlichen Ordnung.

Zu den Fällen dieser heiligen Transvestitinnen gesellen sich im Beitrag von Petra Heidfeldt Beispiele für den "Rollentausch in Kriegen des späten Mittelalters". Sie zeigt Beispiele auf, in denen Frauen aus Gründen der Sicherheit oder um Vergewaltigungen zu umgehen Männerkleider tragen oder aber umgekehrt Männer in Frauenkleider schlüpfen, um in Kriegszeiten unverdächtig zu wirken oder bei Angriffen unbehelligt flüchten zu können. Auch wurden Frauen von kriegsführenden Parteien in Männerkleidung dem Feind präsentiert, um eine vermeintliche Übermacht vorzutäuschen. Und manch eine soll sich – im männlichen Outfit – auch den Sold eines männlichen Soldaten erschlichen haben... Bekanntestes Beispiel einer Soldatin in Männerkleidung ist und bleibt aber sicherlich Jeanne d'Arc, die u.a. wegen des Tragens von Männerkleidung zum Tode verurteilt wurde.

Ansgar Drücker

Pressestimmen

"'Invertito' ist unverzichtbar für alle, die sich wissenschaftlich mit homosexueller Geschichte befassen, aber auch für all jene ein Gewinn, die sich etwas genauer mit dem Werdegang der eigenen Minderheit beschäftigen möchten." (Gay-Press.de, Februar 2001)

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