Die Rückkehr der Elektro-Punk-Pioniere: Statt krampfhafte Innovation zu suchen, besinnen sich The Prodigy in bewährter Dreierbesetzung auf ihre einstigen Stärken. Das Ergebnis ist eine Hommage an Vergangenes - progressiv und massenkompatibel zugleich.
Produzent und Mastermind Liam Howlett wollte 2004 mit "Always Outnumbered, Never Outgunned" The Prodigy neu erfinden. Das missglückte und mittlerweile völlig vergessene Album hat ihn jedoch eines Besseren belehrt. Wieder mit Keith Flint und Maxim im Boot hauchen Prodigy den Sounds der Acid- und Rave-Ära neues Leben ein. "Invaders Must Die" - die konsequente Verweigerung neuer, "feindlicher Einflüsse"?
Die neue Prodigy LP ist wieder der Universal-Propaganda keine Revolution oder liefert "urbanen Störbilder". Vielmehr strotzt das insgesamt sehr homogene "Invaders Must Die" nur so vor Referenzen an die Blütezeit der Elektronika der frühen 90er. Knarzenden Gitarren treffen auf hochgepitchte Happy-Hardcore-Vocals; wirre E-Pianos und scheinbar Computerspielen entliehene Digital-Melodien kämpfen mit klassischer Break-Alchemie. Dennoch fehlt nicht die nötige Spur Pop.
Exemplarisch dafür die erste Auskopplung "Take Me To The Hospital". Keith und Maxim liefern solide Textbeiträge. Ein klassisches Mickey Mouse-Sample, was einst ein Reggae-Vocal war, gesellt sich hinzu, gefolgt von einer wiederkehrende Ambulanz-Sirene, die selbst eine Überdosis hat. Diese Mischung eingebettet in ein treibendes, sich kontinuierlich unterbrechendes Beat-Gerüst ergibt ein schizophrenes aber clubtaugliches Ganzes.
Eindeutiges Highlight der Platte ist "Thunder". Mit deepem, trockenem Beat steigt der zur Tanzflächen-Hymne prädestinierte Titel ein und entwickelt sich zu einem dreckigen Mash-Up aus Synthie-Lines, verfremdeter Gitarren-Spur und der eingängigen Gesangs-Hook.
Als Verschnaufpause von "Invaders Must Die" ist vermutlich das zweiminütige "Omen Reprise" konzipiert worden. Die Vocal-Spur des zweiten Titels ("Omen") kommt ohne Beats, dafür mit einer 90er Eurodance-Fläche daher - ein unmotivierter und somit unnötiger Pausenfüller. Ansonsten hat der beschriebene Referenz-Reigen die Scheibe fest im Griff.
Auch das finale "Stand Up" gehorcht nicht den sonstigen Invaders-Regeln. Der chaotische Psycho-Sound des Albums wird gebrochen. Als wäre die anstrengende Club-Nacht vorüber und nun könne mit positivem Big-Beat dem urbanen Sonnenaufgang gefrönt werden. Musikalisch angelehnt an "Let Forever Be" von den Chemical Brothers schaffen Prodigy damit einen unerwartet harmonischen aber dennoch gelungener Ausklang.
Produktbeschreibungen
Prodigy,The - Invaders Must Die Ltd.