Da habe ich doch letzthin erfreut ein neues Werk von Thomas Gifforth in (riessigen Stapeln) beim örtlichen Buchhandel erblickt. Moment... Neu? Bei einem Blick auf das Copyright (natürlich erst zu Hause), habe ich feststellen dürfen, dass mir eine 25 Jahre olle Kamelle angedreht wurde. Na gut, dachte ich mir, das Buch muss deswegen ja nicht unbedingt eine Katastrophe sein. Also ran.
1. Also gleich mal die erste unschöne Geschichte: der Autor bezieht sich ständig auf irgend welche aktuellen Ereignisse. Dummerweise sind das aber (mindestens) 25 Jahre alte „aktuelle Ereignisse". O.K., Columbo oder Richard Nixon kennt wohl noch jeder, aber wer zur Hölle ist Peter Gunn?
2. Eine bestimmte Frage hat sich mir direkt am Anfang des Werkes sozusagen sofort aufgedrängt: warum muss in jedem amerikanischen Roman (zumindest am Rande) Football und/oder Baseball ein Thema sein? Warum wird bei jedem beruflich halbwegs erfolgreichen Akteur angemerkt, dass er in der Schule Football gespielt hat? Ist es denn automatisch eine Garantie für beruflichen Erfolg, wenn man irgendwann mal im Schlamm gewühlt hat? (Ich habe während meinem Studium Hanball gespielt... Na und? Interessiert das denn irgend jemanden? Nein! Natürlich nicht. Und meinen Chef schon gar nicht). Auf deutsche Verhältnisse umgerechnet müsste da ja in jedem Roman von der Fussball-Bundesliga die Rede sein und jedes Bewerbungschreiben ohne mindestens „habe 3 Jahre in der 2. Bundesliga gespielt", würde gleich im Müll landen. Und noch so nebenbei erwähnt: ich habe auch nach Jahren noch nicht herausfinden können, was denn eigentlich den Reiz des Baseball-Spiels ausmachen soll. In meiner „ödend langweilige Sportarten"-Rangliste pendelt sich Baseball nur knapp vor Synchronschwimmen und Dressurreiten ein!
3. Der Plot ist, trotz meinen bisherigen Ausführungen, durchaus spannend und lesenswert. Allerdings muss man sich schon fragen, warum unsere Helden erst nach knapp 500 Seiten (also praktisch auf den letzten Drücker) die Identität des Täters ermitteln. Jeder durchschnittlich intelligente Mitteleuropäer hat den Braten schon wesentlich früher gerochen (das hat mich übrigens auch schon bei dem Roman „Komplott" gestört). Während unsere Hobby-Detektive schön der Reihe nach alle beteiligten Personen verdächtigen, lassen sie einen (meiner Meinung nach) von Anfang an logischen Kandidaten völlig ausser Acht. Der Reiz lag also am Schluss eigentlich darin, herauszufinden, ob ich mit meinem Verdacht Recht habe oder völlig daneben liege und auf ein mal ein gänzlich unbekannter als Täter aus dem Hut gezaubert wird.
Fazit 70er-Jahre-Nostalgiker werden begeistert sein. Spannend ist das Buch allemal, und flott gelesen auch. Genau das richtige für den Strand (oder meinetwegen den Baggersee). Also kann ich gerade noch 4 Sterne vertreten.